Parisax Aktuelle Meldungen https://parisax.de/ Parisax Aktuelle Meldungen de Parisax Fri, 20 Feb 2026 04:34:14 +0100 Fri, 20 Feb 2026 04:34:14 +0100 TYPO3 news-11647 Tue, 03 Feb 2026 06:04:00 +0100 Lösungen für die Regionen entwickeln https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/loesungen-fuer-die-regionen-entwickeln/ Die Regionalleiter*innen des Paritätischen Sachsen sind im engen Austausch mit Mitgliedsorganisationen, Verwaltungen und Politik. Dabei gewinnen Netzwerke und konkrete Lösungsideen für regionale Fragen aus Sicht der Regionalleiter*innen noch mehr an Bedeutung, um die soziale Infrastruktur abzusichern. Die Regionalleiter*innen des Paritätischen Sachsen sind im engen Austausch mit Mitgliedsorganisationen, Verwaltungen und Politik. Dabei gewinnen Netzwerke und konkrete Lösungsideen für regionale Fragen aus Sicht der Regionalleiter*innen noch mehr an Bedeutung, um die soziale Infrastruktur abzusichern.

Fehlende Auszahlungen und Bürokratie belasten soziale Träger

Trotz beschlossenem Landeshaushalt für 2025/26 herrscht in den kreisfreien Städten und Landkreisen weiterhin Unsicherheit. Kommunale Haushalte sind teils noch nicht beschlossen oder warten auf die Genehmigung. Auszahlungen an freie Träger verzögern sich oder bleiben ganz aus. So warten beispielsweise einige Einrichtungen in Leipzig seit über zehn Monaten auf Gelder aus den Hilfen zur Pflege. Die entsprechenden Leistungen haben sie längst in Vorleistung erbracht. Gleichzeitig kündigte die Stadt Leipzig kurzfristig den Rahmenvertrag mit Kita-Trägern, um durch eine neue Vereinbarung Kürzungen zu erzielen. Diese Unklarheiten gefährden die Liquidität freier Träger und schränken deren Handlungsfähigkeit stark ein.

Hinzu kommen längere Bearbeitungszeiten durch überlastete Verwaltungen. Mehraufgaben oder der geplante Abbau von Stellen verstärken dieses Problem. Komplizierte Verfahren und ineffiziente Bürokratie erschweren die Arbeit zusätzlich. Selbst geplante Verwaltungsvereinfachungen führen am Ende zu Mehraufwand, wie das Beispiel eines neuen Modells für Fachleistungsstunden in der ambulanten Jugendhilfe in Dresden zeigt. Auch die Einführung einer aufwändigen Spitzabrechnung in der Schulsozialarbeit resultiert bei den freien Trägern und der öffentlichen Verwaltung in enormer Zusatzarbeit. Die Zielgruppen der Maßnahmen profitieren davon nicht.

Seit längerem weist der Paritätische Sachsen auf Hürden hin, die unnötigen Aufwand und unnütze Kosten für alle Beteiligten mit sich bringen. Gezielte Entlastungen durch die Digitalisierung von Prozessen, klare Standards und verbindliche Zeitrahmen für Verwaltungsprozesse können hier Abhilfe schaffen.

Finanzielle Lage der Kommunen gefährdet soziale Versorgung

Der finanzielle Druck auf die Kommunen bleibt indes hoch. In Chemnitz etwa besteht die Haushaltsperre trotz genehmigtem Stadthaushalt fort und führt zu Einschnitten in der Kinder- und Jugendhilfe. Auch im Kitabereich sind Einsparungen geplant, obwohl es sich dabei um eine gesetzliche Pflichtaufgabe handelt. Ab 2026 könnten zudem freiwillige und sozialmedizinische Leistungen betroffen sein.

In Mittelsachsen steht die Haushaltsgenehmigung noch aus. Im Landkreis Görlitz wurde der Entwurf abgelehnt. Ob zusätzliche Landesmittel fließen, ist unklar. Diese Unsicherheiten erschweren den Trägern verlässliche Planungen, Projekte stocken oder fallen ganz weg. In Dresden gab es 2025 massive Kürzungen in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Zahlreiche Angebote sind betroffen. Rund 50 Vollzeitstellen fallen bis Jahresende weg.

Nun soll ein Erlass des Innenministeriums die Schuldenaufnahme erleichtern, um Investitionen und soziale Leistungen trotz angespannter Haushaltslage abzusichern. Doch diese Kredite lösen das Grundproblem nicht, denn ein Großteil der kommunalen Ausgaben entfällt auf Pflichtaufgaben. Deren Umfang können Kommunen kaum beeinflussen. Mit Sparmaßnahmen lassen sich die Defizite nur begrenzt ausgleichen.

Daniel Fuchs, Bereichsleiter der Regionalgeschäftsstellen des Paritätischen Sachsen, begrüßt die erleichterte Schuldenaufnahme und mahnt gleichzeitig Reformen an: „Die Möglichkeit höherer Kassenkredite verschafft kurzfristig etwas Luft und ist eine Übergangslösung. Langfristig müssen jedoch strukturelle Fragen wie Bürokratie und finanzielle Verantwortung geklärt werden. Es braucht eine stärkere Beteiligung von Bund und Land an den Sozialausgaben und eine ausgewogenere Finanzierung der Kita-Betriebskosten.“

Lösungen für das Spannungsfeld zwischen Ressourcen und Fachlichkeit finden

Die Regionalleiter*innen des Paritätischen Sachsen sind in den Landkreisen unterwegs und in ständigem Kontakt mit Entscheidungsträger*innen in Politik und Verwaltung. Gemeinsam mit den Mitgliedsorganisationen und anderen Wohlfahrtsverbänden konnten vereinzelt Kürzungen abgewendet werden. Die zunehmend eingeschränkten Handlungsspielräume der Kommunen erschweren jedoch die Lösungsfindung. Obwohl offene Briefe, gemeinsame Positionen, Gespräche und Demonstrationen Einschnitte teilweise verhindern konnten, wird das in Zukunft schwerer werden.

„Öffentlicher Dialog und gemeinsames Handeln sind wichtiger denn je. Abgestimmtes Vorgehen auf Landes- und kommunaler Ebene gewinnt an Bedeutung. Träger sind stärker gefordert, ihre Leistungen über die eigene Zielgruppe hinaus für die gesamte Region darzustellen. Um Einschnitte in der sozialen Infrastruktur zu vermeiden, werden wir auch konkrete Vorschläge zu Verwaltungsvereinfachungen machen müssen, mit denen die öffentliche Hand Kosten sparen kann“, beschreibt Daniel Fuchs einige Ansätze für die künftige Arbeit.

Enges Zusammenwirken zwischen Verband und Mitgliedsorganisationen

Die letzten Monate haben erneut gezeigt, dass die Regionalleiter*innen geschätzte Ansprechpersonen für die lokale Politik und Verwaltung sind. Sie werden als Brücke zwischen den Mitgliedsorganisationen und den regionalen Entscheidungsträger*innen verstanden. Sie verfügen über vertiefte Einblicke in die praktischen Auswirkungen politischer Entscheidungen und verwaltungstechnischer Maßnahmen auf die Angebote Sozialer Arbeit und können diese in einen übergreifenden Zusammenhang stellen. Diese Expertise gepaart mit Lösungsvorschlägen wird in Zukunft entscheidend sein, um an örtlichen Entwicklungen erfolgreich mitzuwirken.

Daniel Fuchs hebt hervor: „Damit wir als Regionalleiter*innen unsere Rolle wirksam ausfüllen können, wird die Zusammenarbeit und Mitwirkung der Mitgliedsorganisationen noch wichtiger. Dabei wird es sowohl um die inhaltliche Ausrichtung verbandlichen Handelns als auch die Prioritätensetzung und das strategische Vorgehen vor Ort gehen müssen. Wir werden uns auch dem unangenehmen Umstand stellen müssen, dass Strukturen abgebaut werden sollen. Vor diesem Hintergrund bleibt die vertrauensvolle und transparente Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und freien Trägern unabdingbar. Gleichzeitig müssen wir künftige Entwicklungen frühzeitig mit eigenen Ideen und Vorschlägen gestalten. Ziel dieses gemeinsamen Vorgehens ist es, durch verlässliche Absprachen und konkrete Vereinbarungen vor Ort mehr Planungssicherheit zu schaffen.“


Unsere Regionalgeschäftsstellen sitzen in Dresden, Leipzig und Chemnitz. Sie sind in allen sächsischen Landkreisen und kreisfreien Städten aktiv. Bei Fragen oder zum Austausch sprechen Sie die Kolleg*innen bitte direkt an. Alle Kontaktdaten finden Sie hier.


Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe September 2025 des Verbandsmagazins anspiel.

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news-11646 Thu, 29 Jan 2026 06:30:00 +0100 Verbandsarbeit: Partner von Politik und Verwaltung https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/verbandsarbeit-partner-von-politik-und-verwaltung/ Die Mitgliedsorganisationen erleben die derzeitigen gesellschaftliche Veränderungen in ihrer täglichen Arbeit. Daher legt der Verband mit „Parität 2030“ einen stärkeren Fokus auf Politikberatung und Interessenvertretung, um die Perspektive der Sozialen Arbeit noch besser in politische und administrative Entscheidungsprozesse einzubringen. Die Mitgliedsorganisationen erleben die derzeitigen gesellschaftliche Veränderungen in ihrer täglichen Arbeit. Daher legt der Verband mit „Parität 2030“ einen stärkeren Fokus auf Politikberatung und Interessenvertretung, um die Perspektive der Sozialen Arbeit noch besser in politische und administrative Entscheidungsprozesse einzubringen.

„Seit den 1990er Jahren haben wir in Sachsen viel erreicht – vom Aufbau der sozialen Sicherungssysteme bis zum Ausbau vielfältiger Angebote in der Bildungs- und Sozialarbeit. Heute stehen wir erneut vor großen, komplexen Veränderungen“, stellt Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, fest. „Demografischer Wandel, Digitalisierung, gesellschaftliche und politische Veränderungen prägen unser Arbeitsfeld. Jetzt kommt es darauf an, aufmerksam und flexibel zu bleiben, Veränderungen früh zu erkennen und die Zukunft aktiv mitzugestalten. Machen wir das nicht, werden Entscheidungen ohne uns getroffen.“

Trends erkennen, gemeinsam handeln

Mit „Parität 2030“ schaute der Verband gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen genauer hin: Welche Entwicklungen prägen Sachsen in den nächsten Jahren? Fünf wichtige Zukunftstrends, Querschnittsthemen und zehn konkrete Aufgabenfelder wurden dafür anhand von Studien, Prognosen und den Erfahrungen aus der Praxis zusammengestellt. Die Agenda macht nun deutlich, wie der Paritätische und seine Mitgliedsorganisationen soziale Infrastruktur im Land stärken können – und zwar gemeinsam mit Politik, Verwaltung und anderen Partner*innen. Dabei ist klar: Soziale Arbeit, Politik und Verwaltung haben verschiedene Aufgaben, Sichtweisen und Arbeitsweisen, die berücksichtigt werden müssen, wenn zusammen an Lösungen für die Zukunft gearbeitet werden soll.

Soziale Arbeit ist prozess- und wirkungsorientiert

Soziale Arbeit setzt durch Beratung, Begleitung und Förderung von Teilhabe auf individueller Ebene an. Im Gemeinwesen entfaltet sie ihre Wirkung durch Prävention, Integration und starke soziale Netze. Sozialarbeit erkennt frühzeitig Problemlagen, stabilisiert in Krisen und ermöglicht Menschen Selbstbestimmung. Die Ergebnisse zeigen sich oft erst langfristig und sind nicht immer direkt messbar. Obwohl Soziale Arbeit nicht irgendein neues Phänomen ist, muss ihre Wirkweise immer wieder erklärt und in der Kommunikation mit Politik und Verwaltung in deren Logik übersetzt werden. Diese Übersetzungsleistung ist im Sinne einer erfolgreichen Politikberatung und Interessenvertretung eine der Kernaufgaben des Verband.

Politik ist ziel- und ergebnisorientiert

Politik dagegen denkt oft in Projekten und sucht nach sichtbaren Erfolgen innerhalb klarer Zeitfenster wie Wahlperioden oder Haushaltsjahren. Politische Entscheidungen sind geprägt von verschiedenen parteipolitischen Interessen, Kompromissen, wechselnden Mehrheiten und öffentlicher Wahrnehmung. Soziale Arbeit ist daher gefordert, ihre Anliegen verständlich, lösungsorientiert und zum richtigen Zeitpunkt zu platzieren. Dabei muss der Verband politische Realitäten wie zum Beispiel knappe Kassen, Personalmangel und den Wunsch nach spürbaren bzw. sichtbaren Erfolgen stets im Blick behalten.

Verwaltung ist verfahrens- und umsetzungsorientiert

Das Handeln der Verwaltung wiederum ist auf die Umsetzung politischer Entscheidungen konzentriert und somit geprägt von Kontinuität, Planbarkeit und dem Anspruch auf Rechts- und Verfahrenssicherheit. Verwaltungsprozesse sind langfristig angelegt und erfordern frühzeitige, kontinuierliche Kommunikation sowie belastbare Fakten. Eine zentrale Aufgabe des Verbandes ist es daher, die Expertise und Praxiserfahrungen seiner Mitgliedsorganisationen strukturiert einzubringen, Verwaltungslogiken zu beachten und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe zu gestalten. Hierbei ist es ebenfalls wichtig, frühzeitig und mit klaren Aussagen auf die Gesprächspartner*innen zuzugehen. Nur so entstehen praxisnahe, nachhaltige Lösungen.

Brücken bauen zwischen Systemen und Lebenswelten

Der Paritätische Sachsen bringt Soziale Arbeit, Politik und Verwaltung miteinander ins Gespräch. Als Brückenbauer hilft er dabei, die oft langfristigen und komplexen Wirkungen Sozialer Arbeit so zu erklären, dass sie für politische und administrative Entscheidungen nachvollziehbar werden. Auf diese Weise sorgt der Verband dafür, dass Maßnahmen wirklich zum Bedarf der Menschen passen. Wenn verschiedene Logiken, Sichtweisen und Erwartungen aufeinandertreffen, vermittelt der Verband, gleicht Unterschiede aus und schafft Vertrauen.

Mitgliederbeteiligung als Fundament starker Interessenvertretung

„Der Grundstein für eine wirksame Interessenvertretung durch den Paritätischen Sachsen liegt in einer starken, dialogorientierten internen Kommunikation. Der Verband setzt auf direkte Kommunikationswege und neue Beteiligungsformate, um die Mitglieder aktiv einzubinden und ihre Expertise einzubeziehen“, erklärt Michael Richter. „Nur gemeinsam können wir die Herausforderungen in der Sozialen Arbeit überzeugend gegenüber Politik und Verwaltung vertreten. Das Wissen und die Erfahrungen der Mitgliedsorganisationen sind entscheidend, damit die Stimme des Verbandes Gewicht hat und wir etwas bewegen.“

Netzwerke, neue Kooperationen und Transparenz als Erfolgsfaktoren

Erfolgreiche Interessenvertretung ist immer auch Netzwerkarbeit. Der Paritätische Sachsen arbeitet eng mit anderen Wohlfahrtsverbänden, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Gewerkschaften und der Wissenschaft zusammen. Zudem strebt der Verband neue Kooperationen an, zum Beispiel mit Kommunen, Handwerk und Wirtschaft. Ziel ist es, gemeinsame Anliegen und die Potenziale Sozialer Arbeit bei der Lösung gesellschaftlicher Aufgaben herauszuarbeiten. Damit das gelingt, werden beispielsweise der Austausch im Beirat des Paritätischen und das Engagement bei größeren Bündnissen und Kampagnen auf Landesebene intensiviert. Transparenz ist dabei entscheidend: Der Verband legt offen, für wen er spricht, wie er arbeitet und welche Ziele er verfolgt.

Gemeinsam Zukunft gestalten

„Die Anforderungen an die soziale Infrastruktur in Sachsen sind vielfältig und verändern sich stetig. Gemeinsam mit unseren Mitgliedsorganisationen nehmen wir diese Herausforderungen an und setzen auf Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung. Dabei müssen wir mehr denn je mit eigenen Lösungsansätzen nach vorne gehen, die neben der fachlichen Perspektive immer auch die Anliegen und Zwänge von Politik und Verwaltung berücksichtigen. So gestalten wir die sozialen Rahmenbedingungen im Land Schritt für Schritt – nah an der Praxis und immer mit Blick auf die Menschen“, beschreibt Michael Richter den Ansatz der künftigen Verbandsarbeit.


Sie wollen an Positionen mitarbeiten und neue Lösungen entwickeln? Unsere Mitgliedsorganisationen sind eingeladen, sich einzubringen beispielsweise bei verbandlichen Veranstaltungen. Wann sie dies als nächstes tun können, lesen Sie in unserem Veranstaltungskalender oder wenden Sie sich direkt an das Team des Paritätischen.


Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe September 2025 des Verbandsmagazins anspiel.

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news-11668 Tue, 27 Jan 2026 12:53:17 +0100 Sozialstaatskommission: Vorschläge sind Grundlage für konstruktiven Diskurs https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/sozialstaatskommission-vorschlaege-sind-grundlage-fuer-konstruktiven-diskurs/ Die heute von der Sozialstaatskommission vorgelegten Reformvorschläge enthalten richtige Wegweiser, beinhalten aber auch die Gefahr, bestimmte Bevölkerungsgruppen von Hilfen auszuschließen. Der Paritätische Sachsen sieht die nun vorliegenden Vorschläge als wichtigen Impuls für einen konstruktiven Diskurs zur praktischen Umsetzung. Die heute von der Sozialstaatskommission vorgelegten Reformvorschläge enthalten richtige Wegweiser, beinhalten aber auch die Gefahr, bestimmte Bevölkerungsgruppen von Hilfen auszuschließen. Der Paritätische Sachsen sieht die nun vorliegenden Vorschläge als wichtigen Impuls für einen konstruktiven Diskurs zur praktischen Umsetzung.

Reformvorschläge können den Zugang zu Sozialleistungen erleichtern

Die Sozialstaatskommission legt weitreichende Vorschläge vor, um Sozialleistungen zu bündeln, Verwaltungsverfahren zu vereinfachen und den Sozialstaat digitaler und zugänglicher zu gestalten. Diese Modernisierung ist notwendig und kann vieles besser machen, insbesondere für Menschen, die heute an zu komplexen und langwierigen Verfahren scheitern. Der Paritätische Sachsen begrüßt ausdrücklich jede Maßnahme, die Bürokratie abbaut, digitale Zugänge verbessert und kommunale Verwaltungen entlastet.

Pauschalierung von Sozialleistungen birgt Risiken für Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen 

Gleichzeitig sehen wir deutliche Risiken. Die vorgeschlagene Zusammenführung von Wohngeld und Kinderzuschlag sowie die veränderte Einkommensanrechnung können für viele Menschen in Sachsen reale Verschlechterungen bedeuten. Haushalte mit geringem Einkommen, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen, Pflege und Sorgeleistende oder Zugewanderte mit Sprachbarrieren gehören bereits heute zu den besonders belasteten Gruppen. Sie benötigen individuelle Unterstützung statt pauschaler Modelle. Eine Reform, die primär auf Erwerbsanreize setzt, greift zu kurz und wird der Vielfalt sozialer Lebenslagen in Sachsen nicht gerecht.

Umsetzung in den Kommunen entscheidet über Erfolg der Sozialstaatsreform

Ob die Reform gelingt, hängt maßgeblich davon ab, wie sie in den Kommunen umgesetzt wird. Künftig sollen auch Familien, deren Einkommen über der bisherigen Grundsicherung liegt, Leistungen bei den kommunalen Ämtern beantragen können. Das klingt nach Vereinfachung, kann aber vor Ort große Probleme auslösen. Schon jetzt sind viele Kommunen in Sachsen finanziell belastet und haben zu wenig Personal. Wenn mehr Menschen dort Unterstützung beantragen müssen, steigen Wartezeiten, und die persönliche Beratung könnte leiden. Besonders Menschen, die digitale Angebote nicht nutzen können, laufen Gefahr, erneut ausgeschlossen zu werden.

Gesellschaftlich notwendige Arbeit braucht Anerkennung statt Kürzung

Die Absenkung des Grundfreibetrags und eine stärkere Einkommensanrechnung treffen genau diejenigen, die trotz Einschränkungen arbeiten oder Sorgearbeit leisten. Pflege von Angehörigen, gesundheitliche Belastungen oder fehlende Mobilität sind reale Herausforderungen. Sie dürfen nicht als Rechenfehler behandelt werden. Eine solche Reformlogik schwächt gesellschaftlich notwendige Arbeit statt sie zu unterstützen.

Modernisierung ja – aber sozial gerecht und barrierefrei

Für den Paritätischen Sachsen ist entscheidend, dass Modernisierung nicht zu verdeckten Kürzungen führt. Digitalisierung, Automatisierung und einheitliche Verfahren können vieles erleichtern, aber nur, wenn niemand zurückgelassen wird und wenn der Zugang zu persönlicher Beratung sichergestellt bleibt. In unseren ländlichen Regionen, in denen die soziale Infrastruktur bereits jetzt unter Druck steht, kann eine Leistungsbündelung ohne klare Schutzmechanismen zusätzliche Probleme schaffen.

Positiv hervorzuheben ist die antragslose Bewilligung von Kindergeld ab Geburt und die Perspektive einer besseren digitalen Nutzbarkeit staatlicher Leistungen. Das alles verpflichtet jedoch dazu, inklusiv zu denken. Barrierefreiheit, Sprachmittlung und verlässliche Ansprechpersonen müssen Grundbestandteile sein, nicht nachgereichte Ergänzungen.

Der Paritätische Sachsen bleibt konstruktiver Partner im Reformprozess

Der Paritätische Sachsen wird den Reformprozess weiter konstruktiv begleiten. Wir setzen uns dafür ein, dass Modernisierung nicht mit Leistungsabbau verwechselt wird und dass Menschen in prekären Situationen nicht neuen Unsicherheiten ausgesetzt werden. Ein zeitgemäßer Sozialstaat muss effizienter werden, aber er bleibt nur dann gerecht, wenn er die tatsächlichen Lebenslagen der Menschen im Blick behält – in Dresden, Leipzig und ebenso in den vielen ländlichen Räumen unseres Freistaats.

 

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news-11658 Tue, 27 Jan 2026 06:01:00 +0100 Geschlossene Unterbringung von Jugendlichen ist keine Lösung https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/geschlossene-unterbringung-von-jugendlichen-ist-keine-loesung/ Straffälligkeit von Minderjährigen gerät durch Vorfälle in Leipzig erneut in den Blick der Öffentlichkeit. Damit kommt erneut die Diskussion um das Absenken der Strafmündigkeit sowie die geschlossene Unterbringung von auffälligen Kindern und Jugendlichen auf. Der Paritätische fordert stattdessen, mehr Ressourcen, bessere Koordination und frühzeitige Hilfe. Straffälligkeit von Minderjährigen gerät durch Vorfälle in Leipzig erneut in den Blick der Öffentlichkeit. Damit kommt erneut die Diskussion um das Absenken der Strafmündigkeit sowie die geschlossene Unterbringung von auffälligen Kindern und Jugendlichen auf. Der Paritätische fordert stattdessen, mehr Ressourcen, bessere Koordination und frühzeitige Hilfe.

Eine Lücke im Jugendhilfesystem

Der Fall der sogenannten „Leipziger Kinderbande“, deren mutmaßliche Anführer erst elf Jahre alt sind, verdeutlicht eine strukturelle Lücke im deutschen Jugendhilfesystem. Da Kinder unter 14 Jahren nach §19 StGB strafunmündig sind, können sie nicht strafrechtlich verfolgt werden. Wiederholte und teilweise schwerwiegende Delikte stellen die Jugendämter, Schulen und Gerichte daher vor erhebliche Herausforderungen.

In Sachsen existieren derzeit keine Einrichtungen, die freiheitsentziehende oder geschlossene Maßnahmen umsetzen dürfen. Jugendhilfe und Polizei stoßen in der Betreuung sogenannter „Intensivtäter“ an Grenzen. Justizministerin Constanze Geiert (CDU) fordert daher neue gesetzliche und institutionelle Lösungen, einschließlich der Möglichkeit geschlossener Unterbringung. Dieser Vorschlag ist politisch und fachlich stark umstritten.

Paritätischer Sachsen lehnt rein repressiven Ansatz ab

Der Paritätische Sachsen erkennt den dringenden Handlungsbedarf zur besseren Unterstützung von Kindern mit komplexem Hilfe- und Unterstützungsbedarf an. „Gleichzeitig betonen wir, dass eine geschlossene freiheitsentziehende Unterbringung von Kindern und Jugendlichen keine geeignete Lösung für diese Probleme ist. Zudem schließt ein Beschluss des Landesjugendhilfeausschusses diese Form des Umgangs mit herausfordernden jungen Menschen aus. Die Lösung liegt in der Weiterentwicklung von präventiven, therapeutischen und intensivpädagogischen Hilfen“, so Carsten Schöne, Regionalleiter für Dresden und Görlitz beim Paritätischen Sachsen und stellvertretender Vorsitzender des Landesjugendhilfeausschusses.

Ein Ausbau repressiver Instrumente darf niemals den Ausbau präventiver Strukturen ersetzen. Der Schutz der Gesellschaft und die Wahrung der Kinderrechte müssen gleichrangig berücksichtigt werden.

Hinweise für den Entwicklungsbedarf in den Hilfen zur Erziehung liefert die vom Freistaat Sachsen in Auftrag gegebene „Interval“-Studie. Sie beschreibt die Sicht junger Menschen auf die Unterstützungsangebote der Jugendhilfe. Eine faktenbasierte Weiterentwicklung des Hilfesystems ist möglich und muss jetzt angegangen werden. Zudem bieten Erfahrungen aus anderen Bundesländern alternative Ansätze zur geschlossenen Unterbringung.

Mit Prävention und gezielter Hilfe erfolgreich

  1. Stärkung der Jugendhilfe: Ausbau spezialisierter Einrichtungen mit erhöhtem Betreuungsschlüssel für hochbelastete Minderjährige.
  2. Kooperationsnetzwerke: Verbindliche Zusammenarbeit zwischen Jugendamt, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Schule, Polizei und Justiz zur interdisziplinären Gefährdungseinschätzung.
  3. Erziehen statt Einsperren: Entwicklung intensivpädagogischer Konzepte als wirksame Alternative zur Freiheitsentziehung.
  4. Frühe Prävention: Stärkung von Kinder- und Jugendhilfe, Schule und Familienhilfe, um Risiken delinquenten Verhaltens frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig adäquate Hilfen zu ermöglichen.
  5. Kinderrechte sichern: Jede Reform des Jugendstrafrechts oder der Jugendhilfe muss die Verpflichtungen der UN-Kinderrechtskonvention und des Grundgesetzes wahren.

Komplexen Hilfebedarfen rechtzeitig, koordiniert und gut ausgestattet begegnen

Der Paritätische Sachsen spricht sich gegen eine Absenkung der Strafmündigkeit aus. Statt härterer Strafen braucht es mehr Ressourcen, bessere Koordination und frühzeitige Hilfe. Daher schlägt der Paritätische Sachsen die Einrichtung einer landesweiten Koordinierungsstelle für Fälle mit komplexen Hilfebedarfen vor. Nur mit geeigneten sozialpädagogischen und therapeutischen Settings kann das Spannungsfeld zwischen öffentlicher Sicherheit und Kindeswohl wirksam aufgelöst werden.


Kontakt:

Carsten Schöne (Regionalleiter Dresden und Landkreis Görlitz, Stellvertretender Vorsitzender des Landesjugendhilfeausschusses und des Jugendhilfeausschusses Dresden)
Tel.: 0351 - 828 71 181
E-Mail: carsten.schoene(at)parisax.de

Katrin Bressel (Referat Jugendhilfe)
Tel.: 0351 - 828 71 144
E-Mail: katrin.bressel(at)parisax.de

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news-11659 Mon, 26 Jan 2026 12:25:47 +0100 Kommentar: Debatte um Rechtsanspruch auf Teilzeit ist verfehlt https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kommentar-debatte-um-rechtsanspruch-auf-teilzeit-ist-verfehlt/ Aus Kreisen der CDU wird der bestehende Rechtsanspruch auf Teilzeit in Frage gestellt. Diese Forderung blende wichtige Aspekte aus, kommentiert Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, und verweist auf den Aspekt der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Ehrenamt. Aus Kreisen der CDU wird der bestehende Rechtsanspruch auf Teilzeit in Frage gestellt. Diese Forderung blende wichtige Aspekte aus, kommentiert Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, und verweist auf den Aspekt der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Ehrenamt.

Die Forderung des CDU-Wirtschaftsflügels, den Rechtsanspruch auf Teilzeit stark einzuschränken, hat breite Kritik ausgelöst – von Arbeitnehmervertreter*innen, Sozialverbänden und auch aus den eigenen Reihen. Zu Recht: Der Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ suggeriert, Menschen würden in großem Stil aus Jux und Laune ihre Arbeitszeit reduzieren. Die Daten sprechen eine andere Sprache. Teilzeit ist für Millionen Beschäftigte kein Lifestyle, sondern Ergebnis von Care-Verantwortung, gesundheitlichen Gründen oder fehlender Infrastruktur.

Was in der aktuellen Debatte aber nahezu vollständig fehlt, ist ein Blick auf eine der wichtigsten gesellschaftlichen Ressourcen unseres Landes: das Ehrenamt.

Laut Freiwilligensurvey engagieren sich rund 27 bis 29 Millionen Menschen in Deutschland freiwillig – im Sport, in der Kultur, in der Sozialen Arbeit, in der Flüchtlingshilfe, im Zivil- und Katastrophenschutz. Dieses Engagement ist unbezahlbar, aber nicht unbegrenzt verfügbar. Ehrenamt braucht vor allem: Zeit und Planbarkeit.

Wenn wir politisch einseitig darauf zielen, Arbeitszeit zu erhöhen, ohne zugleich die Zeitbudgets der Menschen insgesamt im Blick zu behalten, riskieren wir, genau jene Strukturen zu schwächen, die unseren Sozialstaat, unsere Vereine und unser gesellschaftliches Zusammenleben tragen. Viele Engagierte kommen aus Altersgruppen und Lebenslagen, in denen Teilzeit ein wichtiges Instrument ist, um gesellschaftliche Verantwortung neben der Erwerbsarbeit überhaupt möglich zu machen.

Eine Politik, die das Ehrenamt wertschätzt, muss deshalb die Gleichung breiter denken. Es geht nicht um ein Gegeneinander von Arbeitsmarkt und Engagement. Es geht um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Erwerbsarbeit, Care-Arbeit, persönlicher Entlastung – und dem Beitrag zum Gemeinwohl.

Wenn wir die Debatte weiterführen wollen, dann bitte mit Blick auf die gesamte Gesellschaft. Und mit dem Bewusstsein, dass wir ohne die Millionen Ehrenamtlichen vieles nicht leisten könnten. Auch der Arbeitsmarkt nicht.


Kontakt:

Michael Richter, Landesgeschäftsführer
Tel.: 0351 - 828 71 120
E-Mail: michael.richter(at)parisax.de

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news-11645 Tue, 20 Jan 2026 16:18:25 +0100 Kommentar: Aktiv den Wandel gestalten https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kommentar-aktiv-den-wandel-gestalten/ Krisen, polarisierte öffentliche Debatten, Finanznot. Ständig etwas Neues? Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, kommentiert die Notwendigkeit zu Veränderungen und plädiert für aktives Handeln. Krisen, polarisierte öffentliche Debatten, Finanznot. Ständig etwas Neues? Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, kommentiert die Notwendigkeit zu Veränderungen und plädiert für aktives Handeln.

Manchmal möchte ich nur noch die Tür hinter mir schließen und die Welt aussperren. Wo sind meine früheren Gewissheiten geblieben? Stetiges Wachstum, stabiler Frieden, grenzenloser Wohlstand und Konsum, ein verlässlicher Staat – und heute? Permanent verändern sich Umstände, im Fokus der Arbeit steht nur noch die Verwaltung des Mangels.

Das erschöpft und bedrückt uns alle. Und das ist menschlich. Wenn wir zurückblicken, lässt sich jedoch feststellen, dass auch vorangegangene Generationen schon immer mit Wandel umgehen mussten und dass sie stets einen Umgang mit den Veränderungen fanden. Wenn auch selten konfliktfrei.

Veränderung prägt unseren Alltag

Wir sehen uns im Sozial- und Bildungsbereich auch derzeit mit fundamentalen Herausforderungen konfrontiert. Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen die Menschen. Somit spüren wir gesellschaftliche Verschiebungen, Unsicherheiten und Ängste unmittelbar. Die Auslöser dieser Umstände liegen indes oft außerhalb unseres Einflussbereichs. Da sind beispielsweise die gesellschaftlichen Narben, die uns die Corona-Pandemie hinterlassen hat. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat auch unsere unmittelbare geostrategische und politische Wirklichkeit verändert. Gleichzeitig dringen wir mit sachlichen Argumenten und faktenbasierten Lösungsansätzen schwer durch, wenn der öffentliche Diskurs nur noch schwarz oder weiß kennt. Ergänzt wird dieses Bild durch die zunehmend schwieriger werdende Lage öffentlicher Haushalte, die unmittelbare Folgen für die Unterstützung von Menschen hat und damit auf die Arbeit frei-gemeinnütziger Organisationen durchschlägt.

Diese Veränderungen an sich sind aber nur das eine. Das andere ist vielmehr, wie wir damit umgehen. Der österreichische Psychiater und KZ-Überlebende Victor Frankl sagte einst: „Wenn wir nicht mehr in der Lage sind, eine Situation zu ändern, sind wir gefordert, uns selbst zu ändern.“

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund unseres Prozesses zum Zukunftskonzept ‚Parität 2030‘ prägten meine Gespräche mit unseren Mitgliedern in letzter Zeit neben praktischen Themen immer auch Fragen zum erfolgreichen Umgang mit Veränderungen. Ich treffe hierbei – etwas vereinfacht gesagt - auf drei
unterschiedliche Sichtweisen.

Unterschiedliche Sichtweisen und jede leistet einen Beitrag

Da sind zum einen die Engagierten, die über viele Jahre Angebote und Dienste aufgebaut, Veränderungen mitgetragen und Innovationen angestoßen haben. Ihre Arbeit hat die soziale Landschaft in Sachsen maßgeblich geprägt. Doch die ständigen Umbrüche und das Gefühl, immer wieder von vorn beginnen zu müssen, fordern ihren Tribut. Wenn diese Kolleg*innen aufgeben, verliert der Verband nicht nur wertvolles Erfahrungswissen, sondern wir alle auch Menschen, die für einen stabilen Sozialstaat stehen.

Eine zweite Gruppe begegnet den aktuellen Herausforderungen eher mit Pragmatismus. Diese Menschen sehen die gegenwärtige Situation als Anlass, aktiv Lösungen anzustoßen und Neues zu gestalten. Sie bringen frischen Wind und die notwendige Flexibilität mit, um auf neue Anforderungen zu reagieren. Gleichzeitig sind sie häufig in ihrer Organisation stark eingebunden, finden zu wenig Zeit für Vernetzung über das eigene Team hinaus und für den wichtigen Blick über den Tellerrand.

Schließlich gibt es diejenigen, die die Situation sehr genau analysieren können. Sie benennen Missstände und liefern differenzierte Problembeschreibungen. Häufig ist ihre Erwartungshaltung an den Verband, die Politik oder die öffentliche Verwaltung hoch. Mitunter werden dabei die tatsächlichen Einflussmöglichkeiten unrealistisch eingeschätzt. Dennoch sind ihre fundierten Analysen und kritischen Rückmeldungen für den Verband von unschätzbarem Wert. Wenn es gelingt, im kollegialen Diskurs um Lösungen zu ringen, tragen diese Kolleg*innen dazu bei, blinde Flecken aufzudecken und die verbandliche Arbeit aktiv voranzutreiben.

Veränderungen annehmen und mit gemeinsamer Stimme sprechen

Als größter Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege in Sachsen verfügt der Paritätische über eine Bandbreite an Wissen und Sichtweisen, die es für unsere Themen kein zweites Mal gibt. Dies schließt alle Mitglieder ein. Erst all diese Herangehensweisen, Erfahrungen und Konzepte zusammen bilden ein Gesamtbild. In einer immer komplexer werdenden Welt, die täglich zum Schritthalten auffordert, müssen wir uns dieser gemeinsamen Stärke bewusst werden, die wir als Paritätische Gemeinschaft haben.

Für das Team des Paritätischen Sachsen bedeutet das, künftig noch besser zu werden, wenn Wissen gebündelt und Interessen vertreten werden sollen. Das wird noch herausfordernder, wenn beispielsweise vor dem Hintergrund schwindender öffentlicher Finanzen die Verteilungskämpfe zunehmen. Der Verband muss den Ausgleich zwischen unterschiedlichen Erwartungshaltungen an ihn und dem Nutzen für die Solidargemeinschaft organisieren.

Ehrlich zu sich selbst und zuversichtlich in die Zukunft

Zudem werden wir uns Forderungen von außen nicht verschließen können, die aktuelle Konzepte in Frage stellen. Das bedeutet für uns, Dinge neu zu bewerten und Maßstäbe zu überdenken. Die verbandliche Willensbildung hier gut zu moderieren, wird eine der zentralen Aufgaben für die Kolleg*innen der Fachreferate und Regionalstellen sein. Zudem wird der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle spielen, wenn die Interessenvertretung erfolgreich sein soll. Wir müssen Themen und Entwicklungen rechtzeitig erkennen und proaktiv mit Vorschlägen in Erscheinung treten, bevor wir auf eine Diskussion nur noch reagieren können.

Lassen Sie uns die Chance ergreifen, diesen Wandel nicht als Zwang, sondern als neuen, notwendigen Auftrag zu begreifen. Indem wir gemeinsam auf konstruktive Vorschläge setzen und darüber hinaus die Bedürfnisse und Ideen aller Beteiligten einbinden, können wir eine nachhaltige und zukunftsfähige soziale Landschaft in Sachsen schaffen. Es liegt an uns, den Wandel nicht abzuwarten, sondern proaktiv zu gestalten – für eine sozial gerechte und demokratisch gelebte Zukunft, in der alle ihren Beitrag leisten.


Michael Richter ist Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen. Die Vielfalt des Paritätischen sieht er in Zeiten des Wandels als Chance und wichtige Ressource. Sie haben Fragen oder wollen sich austauschen? Nehmen Sie Kontakt auf.

Tel.: 0351 - 828 71 120
E-Mail: michael.richter(at)parisax.de


Der Kommentar erschien zuerst in der Ausgabe September 2025 des Verbandsmagazins anspiel.

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news-11637 Thu, 15 Jan 2026 14:36:56 +0100 Vorschläge der „Allianz für Sachsen“ gehen in richtige Richtung https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/vorschlaege-der-allianz-fuer-sachsen-gehen-in-richtige-richtung/ Die „Allianz für Sachsen“, ein Zusammenschluss von Wirtschaft und Kommunen, hat eine Reformagenda für den Freistaat vorgelegt. Viele der Vorschläge betreffen unmittelbar die sozialen Träger im Freistaat. Der Paritätische Sachsen ordnet die Agenda ein – und formuliert die Erwartungen aus sozialpolitischer Perspektive. Die „Allianz für Sachsen“, ein Zusammenschluss von Wirtschaft und Kommunen, hat eine Reformagenda für den Freistaat vorgelegt. Viele der Vorschläge betreffen unmittelbar die sozialen Träger im Freistaat. Der Paritätische Sachsen ordnet die Agenda ein – und formuliert die Erwartungen aus sozialpolitischer Perspektive.

Die Allianz für Sachsen legte gestern eine ambitionierte Reformagenda für Verwaltung, Wirtschaft und Kommunen vor. Grundsätzlich begrüßt der Paritätische das Ziel, Verfahren zu vereinfachen, Bürokratie zu reduzieren und Kommunen zu stärken. „Schnellere Entscheidungen und verlässliche kommunale Strukturen könnten auch im sozialen Bereich spürbare Entlastung bringen. Aktuell binden beispielsweise aufwändige Nachweispflichten und umständliche Antragsverfahren viel Zeit, die wiederum für die Arbeit mit den Menschen fehlt und Kosten verursacht“, betont Landesgeschäftsführer Michael Richter.

Soziale Infrastruktur als Standortfaktor mitdenken

Gleichzeitig wird deutlich, dass die Agenda der Allianz im Wesentlichen auf wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, Aufgabenabbau und Standardreduzierung setzt. Soziale Infrastruktur, Armutsprävention, Teilhabe oder die Situation sozialer Fachkräfte bleiben unberücksichtigt. „In einer Reformagenda für Sachsen muss die soziale Infrastruktur weiterhin zu den Grundpfeilern gehören“, so Richter. „Prävention und Teilhabe sichern Wohlstand und sind nicht als Kostenfaktor zu behandeln.“

Bürokratieabbau darf nicht zum Einfallstor für Sozialabbau werden. Forderungen wie strikte Aufgabenkritik oder der pauschale Rückbau von Standards bergen die Gefahr, soziale Angebote auszudünnen und regionale Unterschiede weiter zu verschärfen. Das würde den gesellschaftlichen Zusammenhalt langfristig schwächen.

Inhaltliche Schnittmengen mit den Forderungen der „Allianz für Sachsen“ vorhanden

Gleichzeitig teilt der Verband viele Ansatzpunkte: Vereinfachte und pauschalierte Förderverfahren, digitale Prozesse, die Nutzung von KI in der Verwaltung sowie eine verlässliche kommunale Finanzierung entsprechen zentralen Forderungen, die der Paritätische bereits vorgelegt hat und beispielsweise in der Diskussion um den letzten Doppelhaushalt vertreten hat. „Wir wollen verantwortungsbewussten Bürokratieabbau, nicht sozialen Substanzverlust“, unterstreicht Richter. „Wenn Sachsen seine Verwaltung modernisiert, müssen soziale Träger mit die ersten sein, die davon profitieren. Gerade gemeinnützige Organisationen stellt der bürokratische Aufwand immer wieder vor große Herausforderungen. Gerade kleine Organisationen kommen dabei an ihre Leistungsgrenzen.“

Sozialstaat und Wirtschaft müssen gemeinsam gedacht werden

Die demografische Entwicklung – der absehbare Verlust von rund 370.000 Erwerbspersonen – macht darüber hinaus deutlich, dass Sozialstaat und Wirtschaft gemeinsam gedacht werden müssen. Gute soziale Arbeit ist eine Voraussetzung für Fachkräftesicherung, wirtschaftliches Wachstum und starke Kommunen.

Der Paritätische Sachsen steht bereit, diesen Prozess aktiv mitzugestalten. „Sachsen braucht eine Reformagenda, die Wirtschaft, Verwaltung und soziale Infrastruktur zusammenführt. Nur so bleibt der Freistaat leistungsfähig“, sagt der Landesgeschäftsführer und erneuert seine Forderung nach einer gemeinsame Vision, wie Sachsen in 10 Jahren aussehen soll.


Lesen Sie hier die Vorschläge des Paritätischen Sachsen zum Bürokratieabbau im Förderbereich: Förderung vereinfachen: Weniger Bürokratie. Mehr Wirkung.

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news-11629 Thu, 15 Jan 2026 06:46:00 +0100 Neu im Verband: Als Gemeinschaft helfen und Perspektiven aufzeigen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/neu-im-verband-als-gemeinschaft-helfen-und-perspektiven-aufzeigen/ Seit November 2025 ist Perspektiven für Familien e.V. Mitglied im Paritätischen Sachsen. Wir sprachen mit Anett Wolf, Geschäftsstellenleiterin, über die Arbeit des Vereins. Seit November 2025 ist Perspektiven für Familien e.V. Mitglied im Paritätischen Sachsen. Wir sprachen mit Anett Wolf, Geschäftsstellenleiterin, über die Arbeit des Vereins.

Frau Wolf, wie würden Sie einem Freund oder einer Freundin Ihre Organisation beschreiben?

Anett Wolf: Perspektiven für Familien e.V. ist seit über 30 Jahren im Chemnitzer Süden als Trägerverein des „Haus Kinderland“ aktiv. Wir setzen uns für Kinder, Jugendliche und ihre Familien ein, die von anderen oft vergessen werden, und tun, was notwendig ist, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Das Motto „Gemeinsam Perspektiven schaffen“ füllen wir durch ein großes Netzwerk von Unterstützenden und Freundinnen und Freunden mit Leben.

Bitte beschreiben Sie kurz die Arbeit von Perspektiven für Familien e.V.

Anett Wolf: Herzstück unseres Angebots ist das „Haus Kinderland“, eine offene Freizeiteinrichtung für Kinder und Jugendliche von 6 bis 16 Jahren. Wir haben nachmittags von Montag bis Freitag geöffnet und bieten verschiedene Angebote an, die für die Kinder und Teenager kostenfrei und freiwillig sind. Neben warmen Mahlzeiten, Lernhilfe, Kreativangeboten, verschiedenen Festen und Ausflügen finden die Kinder und Jugendlichen ausreichend Zeit und Platz zum Toben und Spielen.

Alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 6 bis 16 Jahren sind bei uns willkommen. Die allermeisten kommen aus dem direkten Umfeld – viele davon aus herausfordernden Elternhäusern.

Inwiefern hebt sich Ihre Organisation von anderen ab?

Anett Wolf: Ich weiß nicht, inwieweit es uns von anderen Organisationen abhebt, aber ich finde es sehr besonders, dass der Verein seine Arbeit schon immer zum größten Teil aus Spenden finanziert. In den letzten Jahren sind es sogar über 90 Prozent unserer Einnahmen, die durch Spenden generiert werden. Möglich ist das durch ein sehr wohlwollendes und großzügiges Netzwerk von Unterstützenden. Diese spenden oft schon viele Jahre Geld oder investieren ihre Zeit. Unsere Unterstützerinnen und Unterstützer erzählen zudem begeistert von uns und steigern somit unsere Bekanntheit und Reputation.

Unsere Mitarbeitenden sind darüber hinaus äußerst flexibel und agil. Sie passen sich den Bedarfen unserer Zielgruppe an und begegnen den Kindern, Jugendlichen sowie deren Eltern mit viel Geduld, Wertschätzung und Respekt. Diese gelebte Grundhaltung prägt den Arbeitsalltag, und diese Einstellung spüren auch die Menschen, die zu uns kommen oder unsere Arbeit unterstützen.

Warum sind Sie Mitglied im Paritätischen geworden und was wünschen Sie sich vom Landesverband?

Anett Wolf: Wir sind Mitglied geworden, weil wir unter dem Dach eines starken Spitzenverbandes mögliche Synergien und das Netzwerk nutzen möchten, um von den Erfahrungen und dem Wissen anderer zu profitieren. Gleichzeitig möchten wir selbst unseren Teil aus 30 Jahren Erfahrung einbringen. Das „Gemeinsam“ in unserem Leitmotiv ist uns sehr wichtig, denn allein wird man nicht so weit kommen wie in einer Gemeinschaft aus Gleichgesinnten. Wenn es einmal hart auf hart kommen sollte, wünschen wir uns im Paritätischen einen Fürsprecher für unsere Anliegen. Das Auftreten als Gemeinschaft ist uns dabei sehr wichtig.

Herzlichen Dank für das Gespräch und gutes Gelingen für Ihre weitere Arbeit.


Erfahren Sie mehr über Perspektiven für Familien e.V. auf www.perspektiven-chemnitz.de


Informationen zur Mitgliedschaft im Paritätischen Sachsen lesen Sie hier.

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news-11627 Mon, 12 Jan 2026 10:23:00 +0100 Phishing-Angriffe: Alltägliche Bedrohung mit hohen Risiken https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/phishing-angriffe-alltaegliche-bedrohung-mit-hohen-risiken/ Durch eine weitreichende Phishing-Kampagne wurde der Zugriff auf einzelne Microsoft-365-Konten des Paritätischen Sachsen kompromittiert. Dabei besteht das Risiko, dass personenbezogene Daten Unbefugten zugänglich wurden. Betroffene werden hiermit informiert und erhalten Hinweise zum Schutz ihrer Daten. Durch eine weitreichende Phishing-Kampagne wurde der Zugriff auf einzelne Microsoft-365-Konten des Paritätischen Sachsen kompromittiert. Dabei besteht das Risiko, dass personenbezogene Daten Unbefugten zugänglich wurden. Betroffene werden hiermit informiert und erhalten Hinweise zum Schutz ihrer Daten.

Im November 2025 kam es beim Paritätischen Sachsen zu einem Phishing-Angriff, bei dem missbräuchlich versendete E-Mails im Umlauf waren. Die Nachrichten enthielten präparierte Anhänge, die als legitime Sprachnachrichten getarnt waren. Auch Mitgliedsorganisationen sowie andere Organisationen und Personen im verbandlichen Netzwerk waren betroffen.

Durch das Öffnen solcher Anhänge konnten Angreifer Zugriffsdaten abgreifen und auf zwei unserer Microsoft 365-Konten zugreifen. Diese Konten wurden anschließend zum Versand weiterer Phishing-Mails an insgesamt rund 1000 Adressaten genutzt, darunter Mitarbeitende des Paritätischen Unternehmensverbundes, seiner Mitgliedsorganisationen und Dienstleister bzw. Kooperationspartner, von Einsatzstellen der Paritätischen Freiwilligendienste gGmbH sowie Freiwilligendienstleistende und vereinzelt auch Privatpersonen, die sich mit Informationsanfragen an den Paritätischen gewendet haben.

Welche Daten können betroffen sein?

Nach derzeitiger Analyse kann nicht ausgeschlossen werden, dass im Rahmen des Zugriffs auch personenbezogene Daten v.a. aus den E-Mail-Postfächern der kompromittierten Konten einsehbar waren. Betroffen sein könnten insbesondere:

  • Stammdaten (z. B. Namen, Kontaktdaten, E-Mail-Adressen)
  • Beschäftigtendaten und Mitgliedsdaten
  • Finanz- und Abrechnungsdaten
  • Korrespondenzen mit Mitgliedsorganisationen, Behörden und Partnern
  • vereinzelt auch besonders schützenswerte Daten nach Art. 9 DSGVO (z. B. Gesundheits- oder Sozialdaten im Rahmen von Verwaltungs- oder Personalvorgängen)

Die Schätzung der mittelbar betroffenen Personen liegt zwischen rund 5000 und 8500, überwiegend Mitarbeitende sozialer Einrichtungen sowie Teilnehmende im Freiwilligendienst.

Ein tatsächlicher Datenabfluss konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Aufgrund der Art des Angriffs ist ein solcher Zugriff jedoch nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen.

Welche Maßnahmen wurden ergriffen?

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls wurden der illegitime E-Mail-Versand gestoppt und alle betroffenen Konten abgemeldet sowie Kennwörter organisationweit geändert. Darüber hinaus erfolgten:

  • forensische Analysen durch den IT-Dienstleister des Paritätischen Sachsen,
  • Meldung an die Datenschutzaufsichtsbehörde und Strafverfolgungsbehörden,
  • Information an alle Empfänger der betrügerischen Nachrichten,
  • Überprüfung und Anpassung der E-Mail-Sicherheitsrichtlinien,
  • Vorbereitung der Einführung einer Zwei-Faktor-Authentifizierung und erweiterter Maßnahmen zum Zugriffsschutz und zur E-Mail-Sicherheit.

Nach Einschätzung des IT-Dienstleisters ist der Angriff eingedämmt und es liegen keine Hinweise auf fortlaufende Zugriffe oder Datenabflüsse vor.

Welche möglichen Folgen gibt es und welche Vorsichtsmaßnahmen werden empfohlen?

Für betroffene Personen kann ein Risiko bestehen, dass ihre Daten für weitere Phishing-Kampagnen, Erpressungsversuche oder Identitätsdiebstahl missbraucht werden.

Wir empfehlen Ihnen daher:

  • Seien Sie besonders wachsam gegenüber unerwarteten E-Mails oder Anrufen,
  • öffnen Sie keine verdächtigen Anhänge oder Links,
  • nutzen Sie starke, einzigartige Passwörter und ändern diese regelmäßig,
  • aktivieren Sie – falls möglich – eine Zwei-Faktor-Authentifizierung, zumindest für wichtige Konten,
  • melden Sie verdächtige Nachrichten sofort an Ihre IT.

Kontakt

Bei Fragen bzw. für weitere Informationen zum Vorfall wenden Sie sich bitte zunächst an unseren Datenschutzbeauftragten:

Datenschutzbüro Gaß und Gimbel
Bernsdorfer Straße 10
01945 Ruhland

Tel.: 035752 - 940 790
Handy: 0175 – 515 10 18
Mail: datenschutz(at)gassundgimbel.com
Internet: www.gassundgimbel.com

Diese Information erfolgt gemäß Art. 34 Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Die Veröffentlichung bleibt für mindestens vier Wochen online, um sicherzustellen, dass alle möglicherweise betroffenen Personen informiert werden.

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news-11605 Fri, 19 Dec 2025 12:18:48 +0100 Gruß zum Jahreswechsel https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/gruss-zum-jahreswechsel-1/ In ihrem Gruß zum Jahreswechsel freuen sich Landesvorstand und das Team des Paritätischen Sachsen über das im Jahr 2025 Erreichte und blicken zuversichtlich auf das Jahr 2026. "Wer sich seiner Stärken nicht sicher ist, kann anderen keinen Halt geben." (Ernst Ferstl)

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

die Welt verändert sich rasant – auf der Weltbühne, im politischen Nahbereich und in technologischer Hinsicht. Doch es geht nicht nur darum, im Wandel mitzuhalten, sondern ihn bestmöglich mitzugestalten. Das ist unser Anspruch als Paritätischer Sachsen.

Damit dies gelingt, braucht man ein klares Profil und muss sich seiner eigenen Handlungsfähigkeit bewusst sein. Im ausklingenden Jahr haben wir unser Profil an den bevorstehenden Herausforderungen geschärft und gemeinsam herausgearbeitet, wofür wir stehen und was wir erreichen wollen, damit Soziale Arbeit und Bildung auch künftig ihren Beitrag leisten können.

Im Zeichen von Toleranz, Offenheit und Vielfalt haben wir als Verband seit den neunziger Jahren viele Erfahrungen gesammelt. Mit diesem Wissen begleiten wir unsere Mitgliedsorganisationen. Gleichzeitig sind wir Partner von Politik und Verwaltung, um mit praxisnahen Lösungen zum erfolgreichen Wandel unseres Landes beizutragen. Dies gelingt wiederum nur dadurch, dass wir auf die Bandbreite von rund 500 Sozial- und Bildungsorganisationen zugreifen können – ein unschätzbar wertvoller Wissens- und Erfahrungsfundus, der sich ständig weiterentwickelt.

Mit diesem Selbstbewusstsein stellen wir uns auch künftig in den Wind, um in Zeiten des Wandels ein gleichberechtigtes Miteinander, sozialen Zusammenhalt und Teilhabe in unserem Land zu sichern. Dabei setzen wir stets auf den Dialog und sind immer an Lösungen interessiert – denn den Wandel müssen wir gemeinsam gestalten.

In diesem Sinne: Wir kennen unsere Stärken. Zeigen wir sie deutlicher, indem wir unser Gewicht nachdrücklich einbringen. Denn es gibt Menschen, die auf uns zählen.

Wir wünschen Ihnen eine kraftspendende Weihnachtszeit und freuen uns auf ein sicher nicht minder turbulentes Jahr 2026.

Alles Gute wünschen Ihnen der Landesvorstand und das Team des Paritätischen Sachsen.

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news-11573 Tue, 09 Dec 2025 10:15:16 +0100 Weiterbildung im 1. Quartal 2026: Ein starker Start ins neue Jahr https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/weiterbildung-im-1-quartal-2026-ein-starker-start-ins-neue-jahr/ Wissen rund um Betriebsratswahlen, neue Impulse zu Künstlicher Intelligenz, Ferienkurse und vielfältige Themen aus den Fachbereichen: Die Paritätische Akademie Sachsen startet mit einem vollen Programm ins neue Jahr. Melden Sie sich jetzt an! Wissen rund um Betriebsratswahlen, neue Impulse zu Künstlicher Intelligenz, Ferienkurse und vielfältige Themen aus den Fachbereichen: Die Paritätische Akademie Sachsen startet mit einem vollen Programm ins neue Jahr. Melden Sie sich jetzt an!

2026 werden neue Betriebsräte gewählt. Dafür erhalten Sie gleich zu Jahresbeginn im Seminar „Betriebsratswahlen 2026“ das Wissen, das Sie für die Vorbereitung und die rechtssichere Durchführung benötigen. Künstliche Intelligenz (KI) bleibt ein Dauerbrenner in der Weiterbildung: Das Online-Seminar „KI-Kompetenz für die Soziale Arbeit“ vermittelt grundlegendes Verständnis über generative KI. Im Online-Seminar „Wie verändert KI die Soziale Arbeit?“ erkunden Sie konkrete Anwendungsmöglichkeiten für Ihren Arbeitsbereich.

Winterferien mit Mehrwert: Systemisch arbeiten und Teams erfolgreich führen

In den sächsischen Winterferien können Sie sich in mehrtägigen Kursen weiterbilden. Das zweitägige Seminar „Systemisches Arbeiten in der Sozialen Arbeit“ zeigt, wie Sie systemisch-konstruktivistisch denken und lösungsorientiert handeln. Der dreitägige Kurs „Ein Team gut und erfolgreich führen“ richtet sich an neue und erfahrene Leitungskräfte. Sie erhalten praxisnahe Impulse zu Konfliktlösungen im Team und zu moderner, partnerschaftlicher Führung.

Stressmanagement, Entwicklungsberichte, Heilpädagogik: Neue Seminare für Kita, Hort und Jugendhilfe

Das Team der Paritätischen Akademie Sachsen hat auch für die verschiedenen Fachgebiete ein vielseitiges Programm zusammengestellt. Besonders Beschäftigte aus Kinder- und Jugendhilfe sowie Kita und Hort finden im ersten Quartal 2026 viele neue Angebote: Im Seminar „Entwicklungsberichte erstellen – gut gemacht!“ üben Sie, Beobachtungen aus dem pädagogischen Alltag fachlich und kompetenzorientiert zu dokumentieren. Im Seminar „Was Jugendhilfe leisten kann“ lernen Sie rechtliche Grundlagen kennen, arbeiten an Fallbeispielen und reflektieren, welche Unterstützungsangebote Kinder und Jugendliche wirklich stärken.

Für Mitarbeitende in Kita und Hort bietet das zweitägige Online-Seminar „Stressmanagement für pädagogische Fachkräfte“ praxisnahe Strategien zur Entlastung und Selbstfürsorge. Im Seminar „Chancen und Herausforderungen heilpädagogischer Ansätze in der Kita“ erfahren Sie, wie heilpädagogische Konzepte Partizipation, Selbstständigkeit und Teamarbeit fördern. Entwickeln Sie Strategien, die Inklusion im Alltag lebendig machen!

Qualität in der Pflege sichern: Seminare zu QPR, Ernährung und Umgang mit Grenzverletzungen

Ab Juli 2026 gilt in der ambulanten Pflege die neue Prüf- und Bewertungssystematik des Medizinischen Dienstes (MD). Die Online-Schulung „Die neuen Qualitätsprüfungs-Richtlinien (QPR) für die ambulante Pflege“ bereitet Sie darauf vor. Zwei Termine – im Januar und März – stehen zur Auswahl.

Im Online-Seminar „Optimales Ernährungsmanagement in Pflegeeinrichtungen durch multiprofessionelle Teamarbeit“ erfahren Heimleitungen, Küchenleitungen und Pflegedienstleitungen, wie ein gemeinsames Ernährungsmanagement Abläufe verbessert und Zufriedenheit sowie Genuss steigert. Neu im Programm ist das Seminar „Wenn Du jetzt nicht ordentlich läufst, nehmen wir Dir den Rollator weg.“ Es greift das Thema Grenzverletzungen in der Pflege auf. Sie reflektieren eigene Erfahrungen und lernen, schwierige Situationen sensibel und sicher zu steuern.

Teilhabe ermöglichen: Grundlagen und Spezialwissen zum Persönlichen Budget

Für Mitarbeitende in Eingliederungshilfe und Beratungsstellen sowie für gesetzliche Betreuer*innen gibt es zwei Online-Seminare zum „Persönlichen Budget“. Das erste vermittelt Grundlagen – von Antrag bis Auszahlung. Das zweite vertieft das Wissen zu Budgethöhe, Zielvereinbarungen und Budgetassistenz. Wieder im Programm ist außerdem das Seminar „Aktuelles Betreuungsrecht“. Es befasst sich mit den Aufgaben gesetzlicher Betreuer*innen. Gleichzeitig verdeutlicht es, wo deren Grenzen liegen und soziale Einrichtungen Verantwortung tragen. Daher richtet sich das Seminar auch an Mitarbeitende von Einrichtungen, in denen sich Betreute aufhalten.

Themenschwerpunkt 2026: Sexualisierte Gewalt und Traumata verstehen 

Fachbereichsübergreifend setzt die Paritätische Akademie Sachsen 2026 mit dem Schwerpunkt „Sexualisierte Gewalt und Traumata“ ein klares Zeichen. Die Grundlagenseminare „Sexualisierte Gewalt“ und „Basiswissen Trauma“ eröffnen die Reihe im ersten Quartal 2026. In den weiteren Monaten folgen Seminare, die das Grundlagenwissen vertiefen – von Beweissicherung über Gewaltschutzkonzepte bis hin zum Schutz vor sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz.


Weitere Seminare für 2026 finden Sie auf der Webseite der Paritätischen Akademie Sachsen.

Sie haben Fragen oder Anregungen? Kontaktieren Sie das Team der Paritätischen Akademie Sachsen unter Tel.: 0351 - 828 71 431 oder schreiben Sie an weiterbildung(at)parisax-akademie.de.

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news-11563 Fri, 05 Dec 2025 14:51:39 +0100 Kita als gesamtgesellschaftliche Investition betrachten https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kita-als-gesamtgesellschaftliche-investition-betrachten/ In einer Anhörung im Sächsischen Landtag zur Zukunft der Kita-Landschaft in Sachsen sprach sich der Paritätische Sachsen dafür aus, Kitas nicht nur als Bildungseinrichtungen zu begreifen, sondern auch als Standortfaktoren für die jeweilige Region. In einer Anhörung im Sächsischen Landtag zur Zukunft der Kita-Landschaft in Sachsen sprach sich der Paritätische Sachsen dafür aus, Kitas nicht nur als Bildungseinrichtungen zu begreifen, sondern auch als Standortfaktoren für die jeweilige Region.

Im November 2025 nahm der Paritätische Sachsen an einer Anhörung im Bildungsausschuss des Sächsischen Landtags teil. Sachverständige waren dort aufgefordert, Stellung zum Antrag „Finanzierung der frühkindlichen Bildung und Betreuung neu ausrichten und zukunftssicher gestalten – Einberufung eines Kita-Gipfels unter Beteiligung aller Akteure“ (Drs 8/2897) der BSW-Fraktion zu nehmen. Der Verband sprach sich für eine Neubetrachtung der Kita-Landschaft als Bildungsort und Standortfaktor aus. Eine notwendige Neugestaltung der Kita-Finanzierung muss Qualitätsentwicklung und Infrastrukturerhalt im Sinne von Kindern und Familien in allen sächsischen Regionen zusammendenken.

Frühkindliche Bildung als Zukunftsinvestition

Frühkindliche Bildung muss als gesamtgesellschaftliche Investition betrachtet werden. Ein „Kita-Gipfel“ könnte diesbezüglich einen wichtigen Impuls geben. Gleichzeitig ist jedoch eine ressortübergreifende Aufwertung von Bildung für die Zukunftssicherung Sachsens notwendig. Diese muss die frühkindliche Bildung miteinschließen.

Die Investitionen der letzten Jahrzehnte in die Kita-Infrastruktur müssen als wichtiger Standortvorteil für Sachsen gesichert werden. Dafür braucht es einen Perspektivwechsel: weg von der bedarfserfüllenden Versorgung mit Kita-Plätzen hin zu einer vorgehaltenen Regelstruktur in den Kommunen.

Denkbar sind beispielsweise Modelle zur Verknüpfung von Kitas mit anderen Sozial- oder Bildungsangeboten am jeweiligen Standort. Eine Grundfinanzierung für verkleinerte Kita-Standorte kann zur Infrastruktursicherung insbesondere außerhalb der Ballungszentren hilfreich sein. Darüber hinaus muss über zumutbare Entfernungen zum Wohnort gesprochen werden. Dabei ist in erster Linie die Perspektive von Kindern und Eltern zu berücksichtigen.

Kita-Qualität stärken, um Bildungserfolge zu ermöglichen

Die Fortschreibung des Sächsischen Bildungsplans hat die pädagogische Qualität und somit auch Bildungserfolge im Blick, die weit über die Kita hinauswirken. Daher muss der Bildungsplan im pädagogischen Alltag auch konsequent umsetzbar sein. Dies geht nach Ansicht des Paritätischen Sachsen sowie weiterer Akteure der Bildungslandschaft nur durch eine weitere Anpassung der Fachkraft-Kind-Relation sowie der mittelbaren pädagogischen Zeit. Wesentliche Aspekte finden sich in der Liga-Position „Weil Kinder Zeit brauchen“, die bereits vor 2019 verfasst wurde. Der Freistaat ist in den zurückliegenden Jahren bereits erste Schritte gegangen. Dieser Weg muss zügig fortgesetzt werden, damit kein Kind auf der Strecke bleibt.

Kita-Finanzierung neu denken

Die Frage der Finanzierung kann in Zeiten knapper Kassen nicht ausgeblendet werden. Gleichzeitig müssen jegliche Spielräume genutzt werden, um mit vorhandenen Budgets die Qualität zu stärken und Standorte abseits reiner Kinderzahlen als Standortvorteile zu erhalten. Bei der Finanzierung braucht es insbesondere eine fairere Verteilung zwischen Freistaat und Kommunen, die auch jährliche Kostensteigerungen berücksichtigt. Zeitnah ist zu klären, wie die Kita-Finanzierung in Sachsen neu aufgestellt werden kann. Der Paritätische Sachsen ist bereit, sich konstruktiv an diesem Diskurs zu beteiligen.

Grundsätzliche Zustimmung zu Vorschlägen und Forderungen des Paritätischen Sachsen

Die Vorschläge des Paritätischen Sachsen wurden von den Bildungspolitiker*innen durchaus zustimmend kommentiert. Die Erkenntnisse zum Thema pädagogische Qualität seien zudem nicht neu. So wurde im Ausschuss deutlich, dass es nicht um ein Erkenntnisproblem, sondern um ein Umsetzungsproblem handle.

Dazu äußerte sich Christin Melcher, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, in einer Pressemitteilung zur Anhörung: „Der Geburtenrückgang in Sachsen ist die Chance, die Kita-Qualität im Freistaat weiter zu steigern. Dazu braucht es eine verlässliche Landesfinanzierung auf Augenhöhe mit den Kommunen. (…) Anstatt über Einsparungen zu diskutieren, sollten wir darüber sprechen, wie wir Struktur und Qualität der frühkindlichen Bildung sichern können.“

Gerald Eisenblätter, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, äußert sich im Nachgang der Anhörung auf der Fraktionswebseite: „Eine qualitativ hochwertige Kindertagesbetreuung muss auch in Zukunft Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge sein. Sie ist ein entscheidender Standortfaktor für Sachsen und Grundlage für gleiche Bildungschancen.“

Aus Sicht des Paritätischen Sachsen gilt es nun, auch über den Bildungsbereich hinaus alle Ressorts davon zu überzeugen, dass fehlende Investitionen in die Entwicklungschancen von Kindern fatale Folgen für die gesamte Gesellschaft haben. Ein erster Handlungsschritt wäre, die im Haushalt des Kultusministeriums aufgrund sinkender Kinderzahlen nicht ausgegebenen Mittel im Ressort zu belassen und für Qualität sowie gezielten Infrastrukturerhalt zu nutzen.


Kontakt:

Nicole Lawrenz (Referat Bildung)
Tel.: 0351 - 828 71 152
E-Mail: nicole.lawrenz(at)parisax.de

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news-11538 Wed, 26 Nov 2025 16:24:03 +0100 Wie gelingt die Umsetzung des fortgeschriebenen Sächsischen Bildungsplans? https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/wie-gelingt-die-umsetzung-des-fortgeschriebenen-saechsischen-bildungsplans/ Die Fortschreibung des „Sächsischen Bildungsplans Kita“ zielt auf eine stärkere Professionalisierung und verankert Erziehung, Bildung und Betreuung als gleichrangige Aufgaben. Vertreter*innen aus der Praxis betonen, dass für die Umsetzung Zeit, fachliche Begleitung und deutliche personelle Verbesserungen erforderlich sind. Die Fortschreibung des „Sächsischen Bildungsplans Kita“ zielt auf eine stärkere Professionalisierung und verankert Erziehung, Bildung und Betreuung als gleichrangige Aufgaben. Vertreter*innen aus der Praxis betonen, dass für die Umsetzung Zeit, fachliche Begleitung und deutliche personelle Verbesserungen erforderlich sind.

Im November 2025 trafen sich Fach- und Führungskräfte zur Fachbereichskonferenz Kita des Paritätischen Sachsen in Dresden. Impulse zur Evaluation und Fortschreibung des Bildungsplans gaben Prof. Ivonne Zill-Sahm von der Evangelischen Hochschule Dresden und Prof. Dr. phil. habil. Andrea G. Eckhardt von der Hochschule Zittau/Görlitz, die das Projekt leiten. Ausgangspunkt der Diskussion war die Frage: Wie kann die Einführung und Umsetzung des fortgeschriebenen Bildungsplans gelingen?

Beteiligung der Praxis als Schlüssel zur Fortschreibung

Die Wissenschaftlerinnen betonten, dass es sich um eine Fortschreibung und nicht um einen neuen Bildungsplan handelt. Die Beteiligung der Praxis stand im Zentrum des noch laufenden Evaluations- und Fortschreibungsprozesses. Dieser machte deutlich, dass Themen ergänzt werden, ohne dass bestehende Inhalte ihre Gültigkeit verlieren. Wichtig ist den Wissenschaftlerinnen, neben dem Bildungsauftrag die Aspekte der Erziehung und Betreuung als gleichrangige Aufgaben deutlicher zu betonen.

Was könnte sich verändern?

Im Fokus der Fortschreibung steht eine planvolle, didaktisch strukturierte Praxis. Die Wissenschaftlerinnen sprechen von einer weiteren Professionalisierung der pädagogischen Tätigkeit von Erzieherinnen, verbunden mit einem klaren Auftrag und Rollenverständnis – auch in Abgrenzung zu Lehrerinnen. Beobachtung, Dokumentation, Reflexion und die daraus abgeleiteten Handlungsschritte sollen künftig konsequenter und systematischer umgesetzt werden.

Knackpunkte aus Sicht der Praxis

Bereits heute ist es für viele Einrichtungen herausfordernd, dem aktuellen Bildungsplan vollständig zu entsprechen. Es fehlt in der Regel nicht an fachlichen Grundlagen, sondern an Zeit, um Fachwissen im Alltag gezielt anzuwenden oder durch Weiterbildungen systematisch zu erweitern.

Auch wenn viele Inhalte des Bildungsplans erhalten bleiben, müssen sich die Fachkräfte intensiv mit neuen Elementen und Anforderungen auseinandersetzen. Dazu gehören Fortbildungen sowie die Weiterentwicklung der Einrichtungskonzeptionen – beides erfordert Zeit.

Für die Umsetzung ist zudem fachliche Unterstützung notwendig. Fachberatungen müssen zunächst qualifiziert und mit besseren Rahmenbedingungen für die Begleitung von Kitateams ausgestattet werden. Hierfür ist eine Anpassung der entsprechenden Förderrichtlinie an die gestiegenen Anforderungen an Fachberatung erforderlich.

Mit der Fortschreibung steigen die Anforderungen an die bereits gut qualifizierten Fachkräfte in sächsischen Kitas. Der damit verbundene Mehraufwand muss jedoch durch ausreichende Ressourcen seitens des Freistaates dauerhaft abgesichert werden. Es braucht mehr mittelbare pädagogische Zeit, um Beobachtung, Dokumentation, Reflexion und Ableitungen konsequent umsetzen zu können. Gleichzeitig benötigen Kinder mehr Zeit und Aufmerksamkeit, damit Entwicklungsprozesse im Alltag gut begleitet und professionell gefördert werden.

Ressourcenfrage bleibt ungeklärt

Im anschließenden Austausch mit landespolitischen Akteur*innen zeigten diese Verständnis für die benannten Spannungsfelder. CDU-Bildungspolitikerin Ines Firmenich verwies auf fehlende Spielräume in der aktuellen Haushaltslage. Luise Neuhaus-Wartenberg, bildungspolitische Sprecherin der Linken, machte deutlich, dass eine Prioritätenverschiebung zugunsten der Bildung notwendig sei, wofür auch andere Interessengruppen überzeugt werden müssten. Mitarbeitende der Fraktionen von BSW und Grünen signalisierten Gesprächsbereitschaft. Konkrete Finanzierungszusagen der Landespolitik stehen jedoch aus.

In einem nachgelagerten Austausch mit dem SPD-Bildungspolitiker Gerald Eisenblätter wurde deutlich, dass die Staatsregierung über einen Stufenplan zur Einführung des fortgeschriebenen Bildungsplans ab Frühjahr 2026 nachdenkt, um der Fachpraxis mehr Zeit zu geben. Hinsichtlich zusätzlicher personeller Ressourcen müssten jedoch auch Politiker*innen anderer Ressorts überzeugt werden, führte Eisenblätter aus.

Praktischer Nutzen für Kinder, Fachkräfte und Gesellschaft

Die Fortschreibung des Sächsischen Bildungsplans Kita verspricht eine systematischere Orientierung für die Planung und Umsetzung pädagogischer Prozesse, damit Kinder in Kitas optimale Entwicklungsbedingungen vorfinden. Fachkräfte erhalten dadurch mehr Klarheit, um Bildung, Erziehung und Betreuung noch zielgerichteter umzusetzen. Mit passenden Fortbildungen und qualifizierter Fachberatung könnten Teams die Anforderungen schrittweise in den Alltag integrieren. Ein realistischer Ressourceneinsatz, der Zeit und Finanzierung berücksichtigt, erhöht die Umsetzbarkeit.

Gelingt es, allen Kindern gute Startbedingungen zu bieten, profitiert am Ende die gesamte Gesellschaft – darin waren sich die anwesenden Praxisvertreter*innen und Wissenschaftlerinnen einig.

Kontakt:

Nicole Lawrenz (Referat Bildung)

Tel.: 0351 - 828 71 152
E-Mail: nicole.lawrenz(at)parisax.de

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news-11508 Thu, 30 Oct 2025 15:05:16 +0100 Kita-Kompass: Familienfreundlichkeit und Standortfaktor https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kita-kompass-familienfreundlichkeit-und-standortfaktor/ Kita-Infrastruktur ist mehr als nur für Erziehung, Bildung und Betreuung entscheidend. Der Paritätische Sachsen und der Verband der Wohnungsgenossenschaften sind sich einig: Kitas spielen für die Regionalentwicklung eine wichtige Rolle. Kita-Infrastruktur ist mehr als nur für Erziehung, Bildung und Betreuung entscheidend. Der Paritätische Sachsen und der Verband der Wohnungsgenossenschaften sind sich einig: Kitas spielen für die Regionalentwicklung eine wichtige Rolle.

Die Mitglieder des Verbandes der Sächsischen Wohnungsgenossenschaften (VSWG) haben sachsenweit rund 300.000 Wohnungen in ihrem Bestand, in denen etwa 500.000 Menschen ihr Zuhause haben. Den demografischen Wandel spüren die Genossenschaften schon seit Jahren. Laut Jahresstatistik 2024 ist ein signifikanter Teil der Mieterschaft über 80 Jahre alt. In der Folge stellt der Verband vor allem außerhalb der Ballungsräume bereits einen steigenden Leerstand fest.

Kitas als Standbein regionaler Attraktivität

Im Gespräch mit dem VSWG wurde schnell deutlich, dass für den Zuzug bzw. die Bleibeperspektiven jüngerer Menschen und Familien neben beruflichen Möglichkeiten auch eine gute Infrastruktur entscheidend ist. Die Angebote der Kindertagesbetreuung wie Krippe, Kindergarten und Hort gehören zweifellos dazu. Gute Betreuung und Bildung sowie kurze Wege zum Betreuungsangebot spielen für junge Familien eine Rolle, wenn sie über einen Umzug nachdenken. Das bestätigt auch die Erfahrung der Wohnungsgenossenschaften aus den Gesprächen mit jungen Mietinteressent*innen. 

Die sinkenden Kinderzahlen in Sachsen führen zu einem Abbau von Kita-Plätzen und Einrichtungen müssen schließen. Insbesondere in ländlichen Regionen besteht somit die Gefahr, dass ein ausgedünntes Angebot zu längeren Fahrtzeiten für Kinder und Eltern führt – eine zusätzliche Belastung für alle Beteiligten. Dies senkt wiederum die Attraktivität der jeweiligen Region für junge Familien. Keine gute Entwicklung, wenn Arbeitgeber deshalb auf jungen Nachwuchs verzichten müssen und der Leerstand von Mietwohnungen steigt.

Vor diesem Hintergrund suchte der Paritätische Sachsen im Rahmen seines Kita-Kompasses das Gespräch mit verschiedenen Organisationen und versucht, für die Auswirkungen des Kita-Rückbaus zu sensibilisieren und mögliche Mitstreiter*innen zu gewinnen, die das Ziel des Erhalts einer Kita-Infrastruktur über die aktuelle Bedarfssicherung hinaus unterstützen.

VSWG bewertet Kita-Infrastruktur als wichtigen Beitrag zur regionalen Entwicklung

Im Austausch mit dem VSWG wurde deutlich, dass soziale Aspekte neben wohnungswirtschaftlichen Prioritäten für die Genossenschaften schon immer von großer Bedeutung sind. Während man sich in den letzten Jahren – auch mit Blick auf die eigene Mieter*innenschaft – stark dem Thema „gut altern“ widmete, geraten mehr und mehr andere Themen in den Fokus. Die Informationen zum laufenden Kita-Rückbau wurden insofern mit Interesse und durchaus mit Besorgnis aufgenommen. Eine schrumpfende Sozial- und Bildungsinfrastruktur könnte den Wohnungsmarkt außerhalb der Ballungszentren weiter unter Druck setzen, so die Feststellung des VSWG.

Der Verband wird sich in Rücksprache mit seinen Mitgliedern - z. B. über die Fachausschüsse - ein Meinungsbild zum Thema aus der regionalen Praxis verschaffen. Darüber hinaus wolle man mit dem Paritätischen weiter im Austausch bleiben und könne sich die Mitwirkung an einer gemeinsamen Position durchaus vorstellen. 

Die Zusammenarbeit von VSWG und Paritätischem Sachsen ist nicht neu. So sitzt beispielsweise Mirjam Phillip, Vorstand des VSWG, im Beirat des Landesverbandes. In der Vergangenheit gab es auch schon einen Austausch zum altersgerechten Wohnen und der pflegerischen Versorgung in der eigenen Häuslichkeit. Einige Kooperationen zwischen Wohnungsgenossenschaften und Mitgliedsorganisationen konnten angestoßen werden.

Kita-Kompass als Rahmen für überverbandliche Vernetzung

Der Austausch mit dem VSWG reiht sich in die Aktivitäten des Fachreferates Bildung ein, im Rahmen des Kita-Kompasses die Vernetzung mit Akteuren außerhalb der Sozial- und Bildungsbranche auszuweiten. Den Erhalt der Kita-Infrastruktur als Aspekt der Regionalentwicklung und Kitas als wichtige Standortfaktoren für die Attraktivität einer Region zu betrachten, ist zentrales Motiv der Gespräche. In den zurückliegenden Wochen fanden bereits Gespräche mit der Industrie- und Handelskammer, dem Sächsischen Städte- und Gemeindetag sowie dem Sächsischen Landkreistag statt; weitere stehen auf dem Plan. In allen Fällen stieß der Verband auf eine positive Resonanz und konnte einen weiteren Austausch vereinbaren.


Hintergrund: Unter der Überschrift „Kita-Kompass Sachsen 2030“ nimmt der Paritätische Sachsen die Herausforderungen sinkender Kinderzahlen für den Bereich Kindertagesstätten in den Fokus. Gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen entwickelt er Lösungen, um die gut ausgebaute Kita-Infrastruktur in Sachsen zu stabilisieren. Ziel ist es, die bedarfsdeckende Perspektive „ein Platz pro Kind“ um den Aspekt einer stabilen Sozial- und Bildungsinfrastruktur auch bei geringen Geburtenzahlen zu ergänzen. Als Akteure der Daseinsfürsorge tragen Kitas wesentlich zu einer ausgewogenen Bevölkerungsentwicklung in allen Regionen Sachsens bei, sorgen für Bildungs- und Chancengerechtigkeit für Kinder und Familien unabhängig vom Wohnort und gehören zu den Standortfaktoren für eine gute wirtschaftliche Entwicklung.

Drei Säulen machen den "Kita-Kompass Sachsen 2030" aktuell aus: Netzwerkpartnerschaften mit Stakeholdern, Best-Practice-Modelle zur kurz- und mittelfristigen Sicherung von Kita-Standorten trotz sinkender Kinderzahlen, Konzeptideen zum langfristigen Erhalt von Kita-Strukturen.


Kontakt:

Nicole Lawrenz (Referat Bildung)
Tel.: 0351 828 71 152
E-Mail: nicole.lawrenz(at)parisax.de

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news-11467 Tue, 21 Oct 2025 08:29:00 +0200 Interview: Mit modernen Arbeitsweisen in der Sozialen Arbeit erfolgreich sein https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/interview-mit-modernen-arbeitsweisen-in-der-sozialen-arbeit-erfolgreich-sein/ Zusammenarbeit und Arbeitsorganisation neu zu denken, wird derzeit viel diskutiert. Dabei begegnen einem Skepsis und Aufbruchstimmung gleichermaßen. Welche Chancen es für dabei für die Soziale Arbeit gibt, besprachen wir mit unserem Beiratsmitglied Prof. Dr. Peter M. Wald von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig. Zusammenarbeit und Arbeitsorganisation neu zu denken, wird derzeit viel diskutiert. Dabei begegnen einem Skepsis und Aufbruchstimmung gleichermaßen. Welche Chancen es für dabei für die Soziale Arbeit gibt, besprachen wir mit unserem Beiratsmitglied Prof. Dr. Peter M. Wald von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig.

Herr Wald, können Sie uns bitte kurz umreißen, was Sie unter modernen Arbeitsweisen verstehen und warum sich soziale Organisationen damit beschäftigen sollten?

Peter M. Wald: Unter modernen Arbeitsweisen verstehe ich die stärkere Nutzung von Prinzipien der Selbstorganisation und die intensivere Anwendung digitaler Hilfsmittel zur Verbesserung der Organisation und Verteilung der Arbeit. Dies ist dringend notwendig, weil sich die Mitarbeitenden sozialer Organisationen mehr Transparenz und eine Berücksichtigung ihrer Erwartungen bei der Gestaltung der Arbeits- und Einsatzbedingungen wünschen. Der Grad an Berücksichtigung beeinflusst erfahrungsgemäß sowohl das Engagement der Mitarbeitenden als auch die Attraktivität der sozialen Organisationen als Arbeitgeber.

Mobiles Arbeiten oder flexible Arbeitszeiten bei reinen Bürojobs bereits weit verbreitet. In sozialen Berufen, die direkt mit Menschen und oft auch im Schichtdienst arbeiten, scheint das nicht so leicht zu sein. Welche konkreten Ideen oder Ansätze gibt es für diesen Bereich?

Peter M. Wald: Hier gilt es erst einmal die in anderen Bereichen der Gesellschaft gesammelten Erfahrungen zu nutzen und an die besonderen Belange der sozialen Organisationen anzupassen. Besonders interessant dürfte hier der Einstieg in neue Formen der Zusammenarbeit und der Umgang mit den Wünschen der Mitarbeitenden nach einer eigenverantwortlichen Gestaltung der Arbeitszeit und hinsichtlich der Zusammensetzung von Teams sein.  

Wie lassen sich bedarfsgerechte Klient*innenkontakte, ein verlässlicher Dienstplan und Teamzusammenhalt mit modernen Arbeitsweisen umsetzen?

Peter M. Wald: Dabei ist sowohl das Vertrauen der Mitarbeitenden untereinander als auch der gezielte Einsatz geeigneter IT-Lösungen zur Organisation der Arbeit von entscheidender Bedeutung. Die Mitarbeitenden wissen oft selbst recht gut, wie sich diese oft unvereinbar erscheinenden Anforderungen erfolgreich bewältigen lassen.

Mit welchen kleinen Schritten können soziale Einrichtungen in die „moderne Arbeitswelt“ starten?

Peter M. Wald: Am Anfang sollte immer das offene Gespräch zwischen allen Beteiligten - Mitarbeitenden wie Führungskräften - stehen. Hier gilt es, gemeinsam den aktuellen Stand der Arbeits- und Einsatzbedingungen zu reflektieren und gezielt auszuloten, wo Veränderungen Sinn machen und wie diese umzusetzen sind. Dies setzt immer Veränderungsbereitschaft auf allen Seiten voraus. Vorliegende Erfahrungen machen deutlich, dass es hier durchaus Sinn machen kann, auf professionelle (Beratungs-)Hilfe zurückzugreifen

Herr Wald, wir danken Ihnen für das Gespräch und die Anregungen.


Zur Person: Prof. Dr. Peter M. Wald lehrt seit 2009 als Professor für Personalmanagement an der Fakultät Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig. Er forscht zu Deskless Work und digitalen Medien in der Führung. Zudem ist er Mitglied im Beirat des Paritätischen Sachsen.

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news-11480 Thu, 16 Oct 2025 12:43:45 +0200 Soziale Daseinsvorsorge in der Raumplanung stärken https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/soziale-daseinsvorsorge-in-der-raumplanung-staerken/ Soziale Infrastruktur muss im Landesentwicklungsplan (LEP) Sachsen verbindlich verankert werden – mit klaren Standards, Sozialraum-Checks und Beteiligung freier Träger, um gleichwertige Lebensverhältnisse und soziale Teilhabe landesweit zu sichern. Der Verband beteiligte sich daher am Beteiligungsverfahren zur Neufassung des LEP. Soziale Infrastruktur muss im Landesentwicklungsplan (LEP) Sachsen verbindlich verankert werden – mit klaren Standards, Sozialraum-Checks und Beteiligung freier Träger, um gleichwertige Lebensverhältnisse und soziale Teilhabe landesweit zu sichern. Der Verband beteiligte sich daher am Beteiligungsverfahren zur Neufassung des LEP.

Der Paritätische Sachsen begrüßt, dass Daseinsvorsorge als Ziel in der Neufassung des Landesentwicklungsplans (LEP) berücksichtigt werden soll. Kritisch ist jedoch die fehlende Konkretisierung der sozialen Dimension: Der Fokus auf Erreichbarkeit genügt nicht. Notwendig sind bedarfsorientierte Verfügbarkeit, klare Rahmenbedingungen und messbare Mindeststandards für Gesundheit, Pflege, Bildung, Beratung, Teilhabe und Ehrenamt.

Verbindliche Ziele und messbare Standards statt unverbindlicher Aussagen

Damit Raumordnung „gleichwertige Lebensverhältnisse“ tatsächlich gewährleisten kann, müssen soziale Infrastruktur, Teilhabe und Inklusion als verbindliche, überprüfbare Ziele gleichrangig neben ökonomischen und ökologischen Zielen im LEP festgeschrieben werden. Begriffe wie Daseinsvorsorge benötigen konkrete Kriterien, damit Kommunen und Träger belastbar planen können.

Soziale Akteure systematisch beteiligen – Verfahren modernisieren

Als Träger öffentlicher Belange fordert der Verband die regelmäßige Einbindung freier Wohlfahrtspflege in Scoping, Planentwurf, Umweltbericht und Abwägung. Ergänzend wird eine rollierende Fortschreibung des LEP angeregt, um punktuelle Aktualisierungen zu beschleunigen. Das sächsische Beteiligungsportal ist ein richtiger Schritt, bedarf aber verbindlicher Beteiligungsregeln.

Wirtschaftsansiedlungen an Sozialraum-Checks koppeln

Große Industrie- und Gewerbeansiedlungen erzeugen Zusatzbedarfe in Kita, Jugendhilfe, Schule, Pflege, Beratung, Wohnen, ÖPNV und Barrierefreiheit. Daher sollte die Ausweisung landesweit bedeutsamer Flächen an verpflichtende Sozialraum- und Versorgungsfolgenabschätzungen in Abstimmung mit Kommunen und freien Trägern gekoppelt werden.

Daseinsvorsorge als Kern des Zentrale-Orte-Konzepts stärken

Das Zentrale-Orte-Konzept sollte um soziale Ausstattungsmerkmale (z. B. Familienzentren, Prävention, Pflegeberatung, inklusive Angebote) ergänzt werden. Nötig sind zudem Erreichbarkeitsstandards (ÖPNV, digital) sowie flexible Lösungen für periphere Räume wie mobile und hybride Angebote oder Mehrfunktionsorte.

Demografischen Wandel regional differenziert adressieren

Angesichts Alterung, Binnenwanderung und Geburtenrückgang sollte der LEP Planungsräume mit besonderem Handlungsbedarf definieren und dort niedrigschwellige soziale Infrastruktur raumordnerisch absichern – etwa Mehrfunktionshäuser, soziale Treffpunkte und digitale Anlaufstellen.

Klimaanpassung sozialräumlich verankern

Klimaanpassungsziele müssen mit sozialer Resilienz verknüpft werden: verbindliche Hitzeschutzpläne für vulnerable Gruppen, schattige Aufenthaltsräume, Trinkwasserpunkte und kühlende Freiräume in zentralen Versorgungslagen als Standard der Siedlungsentwicklung.

Soziale Einrichtungen als kritische Infrastruktur sichern

Kitas, Pflegeeinrichtungen, Angebote der Eingliederungshilfe und Beratungszentren sind Teil der kritischen Infrastruktur. Der LEP sollte deren Energie-, Wasser- und IT-Resilienz sowie Evakuierungs- und Kommunikationskonzepte explizit adressieren und räumlich sichern.


Die Anmerkungen des Paritätischen Sachsen zur Neufassung des Landesentwicklungsplanes Sachsen lesen Sie hier.

Alle Informationen zum Landesentwicklungsplan und dem Beteiligungsverfahren zur Neufassung lesen Sie auf der Webseite des Sächsisches Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung.


Kontakt:

Simone Zimmermann (kaufm. Landesgeschäftsführung)

Tel.: 0351 - 828 71 220
E-Mail: simone.zimmermann(at)parisax.de

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news-11474 Tue, 14 Oct 2025 16:22:39 +0200 Kommentar: Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe gemeinsam angehen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kommentar-weiterentwicklung-der-eingliederungshilfe-gemeinsam-angehen/ Die Kosten steigen. Die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes kommt in den Ländern unterschiedlich schnell voran. Die Diskussion um die Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe hat Fahrt aufgenommen. Anne Cellar, Referentin Teilhabe, kommentiert die aktuellen Vorschläge der Kommunen und Landkreise zur Reform der Eingliederungshilfe. Die Kosten steigen. Die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes kommt in den Ländern unterschiedlich schnell voran. Die Diskussion um die Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe hat Fahrt aufgenommen. Anne Cellar, Referentin Teilhabe, kommentiert die aktuellen Vorschläge der Kommunen und Landkreise zur Reform der Eingliederungshilfe.

Die Eingliederungshilfe soll Menschen mit Behinderungen bedarfsgerecht unterstützen, damit sie selbstbestimmt leben können. Darin scheinen sich Gesetzgeber, Kostenträger und Leistungsträger grundsätzlich einig zu sein. Wie das gelingen kann, wird indes unterschiedlich bewertet. Das zeigt auch ein im September 2025 veröffentlichtes Papier des Deutschen Landkreistags, des Deutschen Städtetags und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Träger der Sozialhilfe und der Eingliederungshilfe (BAGüS). Die Autoren zeichnen ein Bild von zu teuren und zu komplizierten Verfahren, um gleichzeitig auch Vorschläge für mögliche Vereinfachungen und Kosteneinsparungen vorzustellen. Ein wichtiger Beitrag in einer Debatte, die zunehmend rein aus fiskalischer Perspektive geführt wird. Wie sind die Vorschläge zu bewerten?

Pro: Bürokratieabbau, Bedarfsplanung und Verbleib in der eigenen Häuslichkeit

Die Regelungsdichte ist hoch. Dokumentations- und Nachweispflichten haben teilweise absurde Züge angenommen. Ob Leitung, Verwaltung oder Fachkraft - jeder zusätzliche Dokumentationsbogen ist wie Sand im Getriebe. Weniger Papier und mehr Zeit für die Praxis ist daher ein richtiger Ansatz. Daher teilen wir den Vorschlag vereinfachter Dokumentationspflichten im Gesamtplan sowie längerer Überprüfungsintervalle bei stabilen Bedarfen. Ebenso ist die Idee digitaler, trägerübergreifender Anträge mit klaren Schnittstellen und Mindestdatensätzen richtig, um Entscheidungen spürbar zu beschleunigen und Leistungen wie aus einer Hand zu erbringen. Dass der Zugang zum System und der Personenkreis nicht enger gefasst werden soll, ist zu begrüßen.

Verbindliche Sozial- und Bedarfsplanung und gemeinsame Versorgungsverantwortung, Abbau von Barrieren und inklusivere Regelsysteme sind künftig noch wichtigere Elemente, wenn Teilhabe überall gelingen soll. Gerade dort, wo barrierefreier Wohnraum knapp ist, komplexe Bedarfe zunehmen oder die soziale Infrastruktur zusammenzubrechen droht, braucht es Planung anstatt Flickwerk.

Wenn Menschen mit Behinderung altern, sollen sie so lange wie gewünscht und möglich in ihrer eigenen Häuslichkeit wohnen bleiben dürfen. Es ist daher sinnvoll, die Pflegeleistungen in besonderen Wohnformen verlässlich anzuheben. Das verhindert erzwungene Umzüge und sichert Lebensorte.

Contra: Vorrang der Pflege, anlassloses Prüfwesen, Schiedsstellen, Tarifdeckel

Die in den letzten Jahren immer lauter geführte Diskussion eines Vorrangs der Pflege vor der Teilhabe holen die Autoren auch diesmal hervor. Dabei wird vergessen, dass Pflege und Teilhabe wie zwei Hände sind, die gemeinsam tragen. Ein Vorrang der Pflege würde Teilhabebedarfe unversorgt lassen und die Isolation von Menschen begünstigen. Notwendig ist die geregelte Verzahnung beider Systeme mit klaren Verfahren und abgestimmter Finanzierung.

Der Vorschlag anlassloser Prüfungen und einseitiger Vergütungskürzungen ist abzulehnen. Sie schüren Unsicherheit und binden ohne spürbaren Nutzen Personal. Wirksamer könnten hier Qualitätsdialoge mit schlanken Berichtsformaten sein. Menschen mit Behinderungen sind in Monitorings und Evaluationen einzubeziehen.

Die Abschaffung von Schiedsstellen würde das System ohne eine unabhängige Instanz außerhalb des Klageweges zurücklassen. Wenn Verhandlungen feststecken, braucht es eine neutrale Entscheidungshilfe. Schiedsstellen sichern zügige, rechtssichere Ergebnisse. Gerichte werden entlastet und Steuern gespart.

Künftige Tarifsteigerungen pauschal zu deckeln, sendet den Fachkräften das falsche Signal. Qualität und Attraktivität würden sinken. Insbesondere in Zeiten des Personalmangels ist dieser Ansatz verfehlt und nicht nötig, denn Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und das Besserstellungsverbot gelten bereits heute.

Gemeinsame Lösungen sichern Teilhabe

Kostensteigerungen sind für Kommunen und Landkreise ein Problem. Das ist nachvollziehbar. Obwohl von den Autoren des Papiers nicht ausgeführt, ist allseits bekannt, dass die Kostensteigerungen nicht vorrangig aus einer Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes resultieren. In Sachsen sind sie sogar fast allein die Folge von Tarif- und Betriebskostensteigerungen sowie der allgemeinen Kostenentwicklung. Dennoch brauchen Kommunen finanzielle Entlastung, um vom Bund übertragene Aufgaben zuverlässig zu refinanzieren, Planungssicherheit und schlanke Verfahren, damit Mittel dort wirken, wo sie nötig sind.

Statt Leistungsabbau oder Tarifdeckelung brauchen wir Fachkraftbindung, Schnittstellenarbeit, klare Rollen im Übergangs- und Entlassungsmanagement verschiedener Systeme und sozialraumnahe, flexible Unterstützungsleistungen. So entstehen Routinen, die halten. Freie Träger bieten Strukturen, die auffangen und den Weg zur Teilhabe ermöglichen. Sie senken die emotionale Last, die oft mit Krisen und ungeklärten Zuständigkeiten einhergeht. Sie schützen vor teuren gesellschaftlichen Folgekosten.

In der gesamten Debatte sind alle Beteiligten gefordert, ihren Beitrag zu leisten. Eine rein fiskalisch orientierte Betrachtung greift zu kurz, wenn sie Fachlichkeit und Bedarfslagen auszublenden droht. Die Regelungsdichte zu entflechten und Nachweispflichten auf ein sinnvolles Maß zurückzuschrauben erscheint im ersten Schritt die sinnvollste Stoßrichtung zu sein. Sie entlasten spürbar die Praxis und die öffentlichen Kassen.


Kontakt:

Anne Cellar (Referat Teilhabe)
Tel.: 0351 - 828 71 150
E-Mail: anne.cellar(at)parisax.de

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news-11452 Thu, 02 Oct 2025 11:57:27 +0200 Eingliederungshilfe gemeinsam für die Zukunft aufstellen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/eingliederungshilfe-gemeinsam-fuer-die-zukunft-aufstellen/ Zukunftstrends wie angespannte öffentliche Haushalte, demografischer Wandel oder veränderte individuelle Lebenslagen wirken sich auch auf die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen aus. Wie diesen Herausforderungen zu begegnen ist, diskutierte die Fachbereichskonferenz Teilhabe im September 2025. Zukunftstrends wie angespannte öffentliche Haushalte, demografischer Wandel oder veränderte individuelle Lebenslagen wirken sich auch auf die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen aus. Wie diesen Herausforderungen zu begegnen ist, diskutierte die Fachbereichskonferenz Teilhabe im September 2025.

Die Eingliederungshilfe steht zunehmend unter Druck, waren sich die Teilnehmenden der Fachbereichskonferenz Teilhabe des Paritätischen Sachsen im September 2025 einig. Ausschlaggebend dafür sind allgegenwärtige Entwicklungen wie knappe öffentliche Finanzen, der demografische Wandel oder auch veränderte individuelle Lebenslagen. Sie fordern alle Akteure der Eingliederungshilfe gleichermaßen heraus. Der Umgang mit diesen Entwicklungen entscheidet darüber, wie gut die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen auch künftig gelingen wird.

Für den Paritätischen Sachsen ist klar, dass sich die anstehenden Aufgaben nur im Schulterschluss von Leistungserbringern und Kostenträgern meistern lassen. Daher lud der Verband zur Fachbereichskonferenz „Gemeinsam Kurs in der Eingliederungshilfe setzen“ nicht nur Mitgliedsorganisationen ein. So folgten der Einladung auch Vertreter*innen aus dem Sozialministerium (SMS), dem Sächsischen Städte- und Gemeindetag (SSG), dem Kommunalen Sozialverband (KSV) sowie der Landesbeauftragte für Inklusion, um sich über gemeinsame Eckpunkte zu verständigen.

Investitionen: Infrastruktur absichern

Ein Blick auf die Infrastruktur, wie Wohn- und Tagesangebote, lässt einen hohen Investitionsstau erkennen. Anforderungen an Brandschutz, Barrierefreiheit oder Energieeffizienz hängen aktuellen Standards hinterher. Gleichzeitig sind die Förderwege aufwendig und Landkreise können ihren Anteil oft nicht leisten. Im Ergebnis bleiben dringend erforderliche Maßnahmen auf der Strecke oder verzögern sich. Im schlimmsten Fall erfüllen die Immobilien nicht mehr die Anforderungen und die Betriebserlaubnis erlischt. Dies schränkt auch die freie Wohnortwahl der Nutzenden ein.

Daher müssen betriebsnotwendige Ausgaben ein fester Bestandteil der Regelfinanzierung sein. Der bürokratische Aufwand für die Förderung kleinerer Maßnahmen muss reduziert werden. Die Landkreise sollten hier jedoch nicht erneut verpflichtend zur Kasse gebeten werden.

Kooperation: Versorgungslücken vermeiden – Personal stärken

Menschen mit Behinderungen, die beispielsweise psychische Krisen erleben oder suchtkrank sind, können in Versorgungslücken fallen, wenn ihre Unterstützungsbedarfe komplex und die Leistungen sehr intensiv sind. Begründet ist dies in unklaren Zuständigkeiten, fehlerhaften Übergängen oder Personalmangel begründet. Oft wird die Zuständigkeiten zwischen verschiedenen Akteuren hin- und hergeschoben. Für die Betroffenen heißt das: Warten und Unsicherheit. Rückschritte und erneute Krisen sind erwartbar.

Die flexible Kooperation von Trägern ohne hohen bürokratischen Aufwand kann hier ein Schlüssel sein, um personalintensive Leistungen zuverlässig erbringen zu können. Rückkehrplätze, Clearing-Phasen sowie ein verbindliches Entlassungsmanagement sind dafür notwendig. Gleichzeitig müssen Träger die Möglichkeit haben, ihre Mitarbeitenden beispielsweise durch Supervision und Fortbildungen in herausfordernden Situationen zu unterstützen bzw. deren Resilienz zu stärken.

Alter und Behinderung: Pflege- und Teilhabeleistungen aufeinander abstimmen

Wenn Menschen mit Behinderung derzeit in Pflegeeinrichtungen wohnen, gibt es keine oder nur selten Leistungen der Teilhabe. Andersherum bekommen Menschen mit Behinderung in besonderen Wohnformen nur einen sehr kleinen Anteil an Pflegeleistungen bezahlt. In der Praxis stoßen beide Systeme bereits jetzt an ihre Grenzen. Bei einer weiter alternden Bevölkerung werden sich die Probleme verschärfen.

Die Systeme Pflege und Teilhabe müssen daher enger verzahnt werden, damit eine adäquate Versorgung gelingt. Denn auch bei Pflegebedürftigkeit muss das Wunsch- und Wahlrecht der Bewohnenden geachtet werden. Wenn Menschen in eine Pflegeeinrichtung wechseln, brauchen sie daher weiterhin Assistenz für soziale Teilhabe. In der Eingliederungshilfe ist die angemessene Unterstützung der Pflegekassen nötig.

Teilhabe ist ein eigener Rechtsanspruch und muss unabhängig von der Wohnform geachtet werden. Im Gesamtplanverfahren müssen Eingliederungshilfe und Pflegekassen die Zuständigkeiten klären, damit sich Pflege- und Teilhabeleistungen sinnvoll im Sinne der Nutzenden ergänzen.

Ambulantisierung: Infrastruktur entwickeln und Regelungslücken schließen

Mehr eigenes Wohnen, kleinere Einheiten, Leben im Quartier – das ist der richtige Weg. Dafür sind jedoch ausreichend passender Wohnraum und klare sowie angemessene Regeln erforderlich. Aufgabe ist daher, die Bestandslandschaft zu transformieren und mehr barrierefreien Wohnraum zu schaffen. Derzeit wirken die rechtlichen Anforderungen teilhabeeinschränkend, da sie oft viel strengere und teurere Vorgaben stellen, als es tatsächlich bedarf. Das führt dazu, dass zu wenig alternative Wohnangebote entstehen. Ausnahmeregelungen müssen ermöglichen, dass Menschen selbstbestimmt wohnen und begleitet werden können.

Offener Dialog und gemeinsames Handeln

Im Austausch zu den aktuellen Spannungsfeldern in der Eingliederungshilfe waren sich auf der Fachbereichskonferenz alle einig, dass Lösungen nur gemeinsam entwickelt werden können. Entsprechend offen war der Austausch zwischen Mitgliedsorganisationen und den Vertreter*innen des SMS, des KSV und des SSG sowie dem Landesinklusionsbeauftragten.

Alle Beteiligten nahmen sich wichtige Impulse für die eigene Arbeit und ihre jeweilige Zuständigkeit mit. Das vielfältige Netzwerk, der gemeinsame Wille und die Arbeit auf Augenhöhe wurden als Stärken herausgearbeitet. Ins Tun zu kommen, wurde als der wichtigste nächste Schritt – auch in herausfordernden Zeiten – markiert.

Hinsichtlich der Finanzierung wurde deutlich, dass der Bund aufgefordert ist, sein Engagement auszuweiten, damit das Bundesteilhabegesetz in allen Lebensbereichen seine Wirkung entfalten kann. Fest stand auch, dass die Teilhabe und das Selbstbestimmungsrecht der Menschen mit Behinderungen weiterhin Richtschnur aller Bemühungen für eine zukunftsfeste Eingliederungshilfe bleiben müssen.


Kontakt:

Anne Cellar (Referat Teilhabe)

Tel.: 0351 - 828 71 150
E-Mail: anne.cellar(at)parisax.de

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news-11451 Wed, 01 Oct 2025 14:48:16 +0200 Kita: Gute Fachkraftquote – aber der Personalschlüssel bleibt das Problem https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kita-gute-fachkraftquote-aber-der-personalschluessel-bleibt-das-problem/ Sachsen erzielt Topwerte bei der Fachkraftquote in Kitas, hat aber bundesweit mit den schlechtesten Personalschlüssel. Qualität braucht neben Qualifikation vor allem Zeit. Der Paritätische Sachsen sieht weiterhin Handlungsbedarf und betont Notwendigkeit einer guten Personalausstattung. Sachsen erzielt Topwerte bei der Fachkraftquote in Kitas, hat aber bundesweit mit den schlechtesten Personalschlüssel. Qualität braucht neben Qualifikation vor allem Zeit. Der Paritätische Sachsen sieht weiterhin Handlungsbedarf und betont Notwendigkeit einer guten Personalausstattung.

Die Bertelsmann-Stiftung weist in einer jetzt vorgestellten Studie für Sachsen eine Fachkraftquote von 92 Prozent aus und verortet den Freistaat im Ländervergleich direkt hinter Thüringen auf Platz zwei. Diese Zahlen belegen, dass Kinder in sächsischen Kitas überwiegend von gut ausgebildeten Fachkräften betreut werden, was grundsätzlich für die Qualität der Einrichtungen spricht und die großen Anstrengungen von Trägern und Beschäftigten sichtbar macht.

Qualität ist mehr als ein Kennwert: Zeit als Schlüsselfaktor

Gleichzeitig betont der Paritätische Sachsen, dass Qualität in der Kindertagesbetreuung nicht allein aus hohen Qualifikationsanteilen entsteht, sondern erst dann im Alltag wirksam wird, wenn Fachkräfte genug Zeit für die unmittelbare Arbeit mit dem Kind, für die pädagogische Vorbereitung und Reflexion, für vertrauensvolle Gespräche mit Eltern sowie für kontinuierliche Weiterqualifikation haben. Fehlt der zeitliche Rahmen, bleiben fachliche Ressourcen ungenutzt und die Potenziale für Bildung, Teilhabe sowie gelingende Beziehungen werden geschmälert.

Der Engpass im System: Sachsens Personalschlüssel

Trotz der sehr guten Fachkraftquote weist Sachsen im Bundesvergleich eine der schlechtesten Fachkraft-Kind-Relationen auf, was sich in übervollen Gruppen, erhöhter Arbeitsverdichtung und knappen Zeitfenstern niederschlägt. Die Fachkraft-Kind-Relation ist jedoch der entscheidende Hebel, damit Qualifikation tatsächlich bei den Kindern ankommt. Sie bestimmt, ob Fachkräfte Beziehungen aufbauen, Bildungsprozesse individuell begleiten und Inklusion verlässlich sichern können.

Auch Eltern könnten von der hohen Fachlichkeit sächsischer Kitas profitieren, wenn Fachkräften z.B. für die Beantwortung von Erziehungsfragen ausreichend Zeit zur Verfügung stünde. Oft reicht diese aber gerade für das jährliche Entwicklungsgespräch und den obligatorischen Elternabend.

Politische Nachsteuerung mit geringer Wirkung: Das Kita-Moratorium

Die Sächsische Staatsregierung hat den Handlungsbedarf erkannt und justiert in kleinen Schritten nach. Die über das Kita-Moratorium angekündigte Schlüsselverbesserung im Kindergarten ab August 2025 bleibt jedoch in der Praxis kaum spürbar. Träger berichten von Effekten „in der dritten Nachkommastelle“. Die intendierte Bindung gut ausgebildeter Erzieher*innen an das System wird so nicht erreicht.

Laut Statistischem Landesamt Sachsen gab es 2024 sachsenweit über 2.300 Einrichtungen mit Kindergartenkindern. Auf diese konnten nun geschätzte 200 zusätzliche Stellen verteilt werden. Dadurch entsteht vor Ort nur eine minimale Entlastung, die weder die pädagogische Qualität nachhaltig stärkt noch die Arbeitsbedingungen deutlich verbessert. In der Folge gelingt es nicht ausreichend, qualifiziertes Personal zu halten. Vor dem Hintergrund der sinkenden Kinderzahlen und einem damit einhergehenden Stellenabbau orientieren sich gut ausgebildete Fachkräfte womöglich bald neu und wandern in westliche Bundesländer ab, wo derzeit Personalengpässe herrschen.

Qualität und Infrastruktur sichern statt Personal verlieren

Angesichts sinkender Kinderzahlen zeichnet sich also die Gefahr ab, dass der Freistaat gut ausgebildetes Personal ziehen lässt, statt die günstige Lage als Chance zu begreifen und kräftig in Qualität und Kitainfrastruktur zu investieren. Ein deutlich verbesserter Personalschlüssel würde jedem einzelnen Kind unmittelbar nutzen, die pädagogische Wirksamkeit steigern und zugleich dazu beitragen, Standorte zu stabilisieren und drohende Schließungen zu vermeiden.

Öffentliche Stimmung: Priorität für besseren Schlüssel

Eine Umfrage des MDR zeigt, dass viele Menschen einen besseren Personalschlüssel gegenüber der Senkung von Elternbeiträgen priorisieren und sich für den Erhalt der Kita-Infrastruktur aussprechen. Das Umfrageergebnis unterstreicht, dass Qualität – und damit Zeit – an erster Stelle stehen muss.

Jetzt die Voraussetzungen für Qualität schaffen

Der Paritätische Sachsen plädiert für einen klaren Qualitätspfad: spürbare Verbesserung des Personalschlüssels, Zeitbudgets für pädagogische Arbeit einschließlich Vor- und Nachbereitung sowie Elternkontakte, kontinuierliche Fortbildung und stabile Strukturen vor Ort. Nur wenn Qualifikation mit ausreichend Zeit zusammenkommt, entfaltet sich pädagogische Qualität im Alltag – zum Nutzen der Kinder, der Familien und der Fachkräfte in Sachsen und schließlich unserer gesamten Gesellschaft.


Kontakt:

Nicole Lawrenz (Referat Bildung)

Tel.: 0351 - 828 71 152
E-Mail: nicole.lawrenz(at)parisax.de

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news-11445 Mon, 29 Sep 2025 12:03:02 +0200 Förderung vereinfachen: Weniger Bürokratie. Mehr Wirkung. https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/foerderung-vereinfachen-weniger-buerokratie-mehr-wirkung/ Der Paritätische Sachsen legt sechs Vorschläge für einfachere Förderverfahren vor. Ziel: Weniger Bürokratie, verlässliche Regeln und wirksamer Mitteleinsatz – für Träger, Bewilligungsstellen und die Menschen in Sachsen. Der Paritätische Sachsen legt sechs praxistaugliche Vorschläge für einfachere Förderverfahren vor. Ziel: Weniger Bürokratie, verlässliche Regeln und wirksamer Mitteleinsatz – für Träger, Bewilligungsstellen und die Menschen in Sachsen.

Die öffentlichen Kassen stehen unter Druck. Gleichzeitig sind Förderverfahren oft aufwendig. Der Paritätische Sachsen bündelt die Erfahrung von mehr als 470 Mitgliedsorganisationen und drei Jahrzehnten Praxis. Aus dieser Kompetenz heraus unterbreitet der Verband sechs konkrete Vorschläge. Sie reduzieren den Verwaltungsaufwand, erhalten die Wirksamkeit der Mittel und stärken eine Kultur des Vertrauens. Klares Ziel der verbandlichen Vorschläge: effiziente Verfahren, die allen Beteiligten nützen.

Vertrauenskultur und klare Regeln

Förderpraxis darf nicht von Misstrauen geprägt sein. Es braucht Vertrauen, praxistaugliche Lösungen und eine Digitalisierung, die Probleme löst statt schafft. Damit Verfahren einfacher, transparenter und verlässlicher werden, braucht es Anpassungen an der Landeshaushaltsordnung, Ausführungsvorschriften und den Allgemeinen Nebenbestimmungen für Zuwendungen zur Projektförderung.

Projektförderung mit wiederkehrendem Bedarf

Viele mehrjährige, politisch gewollte Projekte müssen jedes Jahr neu beantragt werden. Das bindet Ressourcen, ohne Nutzen zu stiften. Lösung könnte hier eine „Projektförderung mit wiederkehrendem Bedarf“ sein: ein Antrag für mehrere Jahre statt jährlicher Neuanträge. So entsteht Planungssicherheit für die Organisationen. Die inhaltliche Arbeit rückt wieder in den Mittelpunkt.

Verwaltungs- und Sachkostenpauschalen sichern

Die Sächsische Haushaltsordnung erlaubt vereinfachte Kostenoptionen wie Pauschalen. In einigen Richtlinien fehlt jedoch die klare Benennung der abgedeckten Positionen. Das führt zu aufwendigen Einzelnachweisen. Der Paritätische Sachsen schlägt daher vor, Pauschalen eindeutig zu verankern und an etablierte Standards (z. B. KGSt, BMFSFJ-Praxis) anzulehnen. Das spart Zeit und erhöht Kalkulationssicherheit.

Besserstellungsverbot praxistauglich handhaben

Das Besserstellungsverbot erzeugt hohen Prüfaufwand und Unsicherheiten, etwa bei Tarifsteigerungen oder Arbeitszeitmodellen. Daher ist es sinnvoll, Personalausgaben bei tarifgebundenen Trägern in voller Höhe anzuerkennen. Das schafft Rechtssicherheit, reduziert Bürokratie und stärkt die Verlässlichkeit für Beschäftigte und Träger.

Festbetragsfinanzierung und einfacher Verwendungsnachweis

Die sächsische Kommission zur Vereinfachung und Verbesserung von Förderverfahren empfahl bereits 2019 den verstärkten Einsatz von Festbetragsfinanzierung, besonders für kleine Maßnahmen. Das senkt den Aufwand, vermeidet Einzelnachweise und erhöht die Flexibilität. Die Praxis wurde zeitweise umgesetzt, aber 2024 teilweise zurückgenommen. Der Verband macht sich dafür stark, Festbetragsfinanzierung dauerhaft zu etablieren, mit einfachem Verwendungsnachweis und Stichprobenprüfungen statt Detailprüfungen.

Zentrale Stammdatenbank aufbauen

Träger reichen Stammdaten bei verschiedenen Bewilligungsstellen mehrfach ein, oft in unterschiedlichen Formularen. Eine zentrale Datenbank, auf die alle Förderbehörden zugreifen, könnte diesen Mehraufwand spürbar reduzieren. Stammdaten werden einmal erfasst und aktuell gehalten. Das senkt Fehlerquoten, beschleunigt Verfahren und entlastet alle Beteiligten.

Fachlichkeit bei der Bewilligung wieder stärker einbinden

Die Besonderheiten sozialer Projekte sind komplex. Verwaltungsstellen verfügen nicht immer über die nötige fachliche Tiefe. Der Verband plädiert daher für eine stärkere Einbindung der Fachreferate in den Ministerien. So werden Bedarfe besser erkannt, Anträge passgenauer bewertet und Mittel zielwirksamer eingesetzt.

Vereinfachte Förderverfahren nutzen für Praxis und Staat

Die sechs Vorschläge des Paritätischen Sachsen verringern den Aufwand für Träger und Bewilligungsstellen. Sie beschleunigen Entscheidungen, erhöhen Transparenz und sichern Wirtschaftlichkeit. Pauschalen und standardisierte Prüfungen sorgen für Klarheit. Digitale Stammdaten vermeiden Dopplungen. Am Ende bleibt mehr Zeit für die Arbeit mit Menschen – bei verlässlicher Kontrolle der Zielerreichung.

Bürokratieabbau voranbringen mit breitem Praxiswissen

Als größter Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen bringt der Paritätische die Perspektive aus rund 470 Mitgliedsorganisationen ein. Damit bündelt der Verband umfangreiche Praxiserfahrung in Antragstellung, Bewirtschaftung und Abrechnung von Fördermitteln. In seinen Vorschlägen zur Vereinfachung der Förderpraxis in Sachsen sieht der Verband einen Beitrag zum lösungsorientierten Dialog mit Politik und Verwaltung. Das Ziel der Vorschläge ist klar: Bürokratie nachhaltig abzubauen und Wirkung zu erhöhen.

Mehr zu den sechs Vorschlägen des Verbandes lesen Sie im Positionspapier „Vorschläge des Paritätischen Sachsen: Förderverfahren vereinfachen – Mittel wirksam einsetzen“


Kontakt:

Sie haben Fragen oder möchten sich dazu austauschen? Sprechen Sie uns an.

Simone Zimmermann
Kaufmännische Landesgeschäftsführung, Referat Finanzen

Tel.: 0351 828 71 220
E-Mail: simone.zimmermann(at)parisax.de

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