Parisax Aktuelle Meldungen https://parisax.de/ Parisax Aktuelle Meldungen de Parisax Thu, 21 May 2026 19:59:24 +0200 Thu, 21 May 2026 19:59:24 +0200 TYPO3 news-11890 Thu, 21 May 2026 15:04:53 +0200 Ein Vorrang der Pflege vor der Eingliederungshilfe hilft niemandem https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/ein-vorrang-der-pflege-vor-der-eingliederungshilfe-hilft-niemandem/ Auf Bundesebene gewinnt die Debatte um einen Vorrang der Pflege vor der Eingliederungshilfe wieder an Fahrt. Die so erhoffte finanzielle Entlastung der Kommunen wird nur minimal greifen und die Pflegekassen noch schneller an ihre Belastungsgrenze führen. Auf Bundesebene gewinnt die Debatte um einen Vorrang der Pflege vor der Eingliederungshilfe wieder an Fahrt. Die so erhoffte finanzielle Entlastung der Kommunen wird nur minimal greifen und die Pflegekassen noch schneller an ihre Belastungsgrenze führen.

Der Reformdruck in der Eingliederungshilfe ist hoch. Die Ausgaben sind seit 2018 um rund 40 Prozent gestiegen und belasten kommunale Haushalte stark. Die Bestrebungen der Kommunen, die Eingliederungsleistungen für Menschen mit Behinderungen zurückzufahren und auf den Vorrang von Pflegeleistungen zu drängen, die ihrerseits durch die Pflegeversicherung getragen werden, ist haushälterisch nachvollziehbar. Dieser Ansatz blendet jedoch zwei Aspekte aus, dass die Pflegeversicherung bereits jetzt an ihre Grenzen stößt und Kosten in vielen Fällen als Hilfen zur Pflege wieder bei den Kommunen landen werden.

Pflege darf Eingliederungshilfe nicht ersetzen – sie müssen sich ergänzen

Eine angemessene Beteiligung der Pflegeversicherung an den Kosten, die entstehen, wenn Menschen gleichzeitig Pflege- und Teilhabebedarfe haben, ist nicht nur vertretbar – sie ist richtig. Gerade für alternde Menschen mit Behinderungen ist gute Pflege unverzichtbar – und sie soll dort, wo sie gebraucht wird, verlässlich ankommen. Strittig sind also nicht die Pflegeleistungen an sich, sondern ihr pauschaler Vorrang, der den Anspruch auf Teilhabeleistungen verdrängt.

Jan Endler, Leiter des Prof.-Peter-Uibe-Hauses der Heilpädagogisch-Therapeutische Einrichtungen „HUMANITAS“ gGmbH Leipzig, begleitet Menschen mit hohem behinderungsbedingtem Pflegebedarf in einer besonderen Wohnform. Er beschreibt die Realität so: „Bei uns lebt ein junger Mann mit schwerer körperlicher Behinderung und Pflegegrad vier. Er braucht Unterstützung beim Waschen, beim Essen, bei der Mobilität. Aber das ist nicht der Kern seiner Begleitung. Er entscheidet, wen er trifft, was er erreichen will, wie er trotz Barrieren an der Gesellschaft teilnimmt. Diese Selbstbestimmung herzustellen – das ist Eingliederungshilfe. Das ist Assistenz. Pflege wirkt auch teilhabefördernd. Aber Teilhabe im Sinne des SGB IX ist mehr. Sie meint Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft.“

Pflege ist nicht das Gegenteil von Teilhabe. Gerade für viele ältere Menschen ist gute Pflege oft die Voraussetzung dafür, überhaupt am Alltag und am sozialen Leben teilnehmen zu können – zu Hause, in der Pflegeeinrichtung, im Quartier. Der Unterschied liegt woanders: Pflege sichert Versorgung und Unterstützung bei gesundheitlich bedingten Einschränkungen. Eingliederungshilfe sichert darüber hinaus Assistenz und Selbstbestimmung als Teilhaberecht – auch dann, wenn Unterstützung körpernah ist. Beides muss zusammenwirken, aber nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Pflegeversicherung wird überlastet – Kostenersparnis ist fraglich

Ein Vorrang der Pflege würde nicht nur Zuständigkeiten verschieben. Er würde die Pflegeversicherung mit Aufgaben belasten, für die sie weder rechtlich noch finanziell gebaut ist. Bereits jetzt muss die soziale Pflegeversicherung mit Bundesdarlehen gestützt werden. Gleichzeitig sorgt die Demografie dafür, dass die Zahl der Betroffenen einer altersbedingten Pflegebedürftigkeit steigt, die Pflegeversicherung also weiterhin hohe Kosten tragen muss. Hinzu kommt der Engpass an Pflegekräften. Das Pflegesystem muss gestärkt werden, anstatt es mit zusätzlichen Aufgaben zu belasten.

Zudem ist es sehr wahrscheinlich, dass die finanzielle Belastung der Kommunen in der Eingliederungshilfe durch den Pflegevorrang nicht verschwindet – sie wandert. Ein Teil der Kosten wird an der Pflegeversicherung hängen bleiben. Der weit größere Anteil wird jedoch über die Leistung „Hilfe zur Pflege“ und die Sozialhilfe zu den Kommunen zurückkehren. Die vermeintliche Entlastung ist also rein buchhalterisch, aber nicht strukturell.

Eingliederungshilfe und Pflege aufeinander abstimmen

Die richtige Antwort lautet daher: Klare Kooperation bei gleichrangigem Bestand beider Systeme.  Pflege dort, wo es um Pflege geht. Eingliederungshilfe dort, wo Assistenz, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe gesichert werden müssen. Und wo beides zusammenkommt, braucht es eine geregelte Verzahnung und die faire gegenseitige Kostenbeteiligung – keinen Vorrang, der Menschen in eine andere Leistungslogik verschiebt und ihnen dabei ein Recht entzieht: das Recht, ihr Leben selbst zu gestalten.

Wer Teilhabe im Sinne des SGB IX in der Pflegelogik auflöst, betreibt keine Reform. Er verursacht reale Folgekosten für Menschen mit Behinderungen, für pflegebedürftige Eltern, für Kommunen und für alle, die darauf vertrauen, dass gute Unterstützung auch morgen noch verlässlich erreichbar ist.


Kontakt:

Anne Cellar, Referat Teilhabe

Tel.: 0351 - 828 71 150
E-Mail: anne.cellar(at)parisax.de

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news-11884 Tue, 19 May 2026 09:56:39 +0200 Kommentar: Fehlende Refinanzierung von Tariflöhnen schwächt pflegerische Versorgung https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kommentar-fehlende-refinanzierung-von-tarifloehnen-schwaecht-pflegerische-versorgung/ In ihren aktuellen Reformvorhaben plant die Bundesregierung, die Refinanzierung von Tariflöhnen in der Pflege abzuschaffen, um Kosten zu sparen. Das ist ein Schlag gegen die pflegerische Versorgung und führt langfristig zu Problemen, stellt Andrea Wetzel, Referentin Entgelte (SGB XI), in ihrem Kommentar fest. In ihren aktuellen Reformvorhaben plant die Bundesregierung, die Refinanzierung von Tariflöhnen in der Pflege abzuschaffen, um Kosten zu sparen. Das ist ein Schlag gegen die pflegerische Versorgung und führt langfristig zu Problemen, stellt Andrea Wetzel, Referentin Entgelte (SGB XI), in ihrem Kommentar fest.

Die Bundesregierung möchte den Sozialstaat reformieren. Den Anfang bildete dabei das interne Papier einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe, nach dem drastische Kürzungen bei den Leistungen für Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderung vorsehen sind. Es folgte ein Gesetzentwurf zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung. Beide Reformansätze stellen die tarifliche Entlohnung der Mitarbeitenden in Frage, da diese künftig nicht mehr als wirtschaftlich anerkannt und entsprechend refinanziert werden soll.

Gerade in den letzten Jahren haben sich viele Träger für einen Tarif entschieden, denn gute Leistung braucht gutes Personal. Die Tarifbindung kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Der Gesetzgeber hat das selbst erkannt und erst im März 2026 mit dem Bundestariftreuegesetz dafür gesorgt, dass bei der Vergabe von größeren öffentlichen Bau- und Dienstleistungsaufträgen Tariflöhne gezahlt werden müssen. Wie soll man das verstehen? Refinanzierung tariflicher Bezahlung auf dem Bau ist ok, aber in der Versorgung von Kranken und Pflegebedürftigen nicht?

Gesetzliche Vorgaben zu tariflicher Bezahlung und fehlende Refinanzierung

Wenn Tariftreue im sozialen Bereich nicht mehr refinanziert wird, ergeben sich massive Probleme für die Leistungserbringer, die Mitarbeitenden und auch für die Betroffenen.

Anhand von ambulanten Pflegediensten lässt sich dies verdeutlichen. Seit 2022 sind Pflegeeinrichtungen verpflichtet, ihre Pflege- und Betreuungskräfte mindestens in Höhe eines Tarifvertrags zu entlohnen. Das war ein wichtiger Schritt, um den Mitarbeitenden ein angemessenes Gehalt zu garantieren.

Wenn die Preise für die aus der Krankenversicherung finanzierte, außerklinische Intensivpflege und die häuslichen Krankenpflege künftig nur noch begrenzt erhöht werden - also auch tarifliche Entwicklungen keine Berücksichtigung finden, zahlen Pflegeanbieter immer drauf. Zumal diese Leistungen von denselben Fachkräften erbracht werden, die auch die häusliche Pflege von pflegebedürftigen Menschen übernehmen, die wiederum über die Pflegeversicherung finanziert wird, die Tarife fordert.

Kostendeckendes Arbeiten unmöglich – pflegerische Versorgung gefährdet

Werden die Lohnkosten nur noch für den Teilbereich der Pflege anerkannt, würde ein Pflegedienst damit systembedingt in die roten Zahlen steuern. Mittelfristig werden die Leistungen gar nicht mehr erbracht werden können und die Versorgung der Betroffenen verschlechtert sich weiter.

Aber das Thema betrifft alle sozialen Leistungen – von der Pflege über die Teilhabe bis hin zur Kinder- und Jugendhilfe. Die Personalkosten sind im sozialen Bereich der größte Kostenblock. Wenn Träger diese nicht mehr refinanziert bekommen, können sie ihren Mitarbeitenden keine angemessenen Löhne mehr bezahlen. Das betrifft die Beschäftigten sowie die Angebotsnutzenden und deren Angehörige – also fast alle Menschen in unserem Land.

Vermeintliche Reformen stoppen und endlich in Dialog praxistaugliche Lösungen entwickeln

Die Bundesregierung muss von ihren Plänen ablassen, da die vermeintliche Kostenersparnis mit dem Wegfall der pflegerischen Versorgung einhergehen würden. Zudem wäre es ein Schlag ins Gesicht einer ganzen Branche, die es in den letzten Jahren mühsam geschafft hat, aus der Niedriglohnecke herauszukommen und das Berufsfeld etwas attraktiver aufzustellen. Schon allein mit Blick auf die Demografie erscheinen die Pläne der Bundesregierung kurzsichtig. Reformen müssen kommen, dürfen aber nicht nur fiskalisch motiviert sein. Ein Dialog mit der freien Wohlfahrtspflege könnte hier helfen, praxistaugliche und kosteneffiziente Lösungen zu finden.


Sie sind anderer Meinung? Sprechen Sie uns an.

Andrea Wetzel
Referat Entgelte (SGB XI)

Tel.: 0351 - 828 71 149
E-Mail: andrea.wetzel(at)parisax.de

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news-11869 Mon, 18 May 2026 09:57:14 +0200 Die Mitgestalterin https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/die-mitgestalterin/ Der Wandel in der Sozialwirtschaft verändert, wie Menschen lernen und Organisationen sich entwickeln. Die Paritätische Akademie Sachsen richtet ihr Weiterbildungsverständnis darauf aus und begleitet soziale Träger, Lernen als festen Bestandteil der Arbeit zu verorten. Der Wandel in der Sozialwirtschaft verändert, wie Menschen lernen und Organisationen sich entwickeln. Die Paritätische Akademie Sachsen richtet ihr Weiterbildungsverständnis darauf aus und begleitet soziale Träger, Lernen als festen Bestandteil der Arbeit zu verorten.

Als Weiterbildungsträger „nur“ Seminare anzubieten, genügt nicht mehr. Verändert sich das Lernen, müssen Bildungsanbieter reagieren. Die Paritätische Akademie Sachsen versteht sich deshalb als Mitgestalterin von Lernkulturen: Wir denken Weiterbildung zukunftsgerichtet, praxisnah und in der Sozialwirtschaft verankert. 

Welche Trends wir beobachten

Wie verändert sich Lernen in Organisationen? Welche Entwicklungen prägen die Nachfrage nach Weiterbildung? Unsere Beobachtungen zeigen, worauf es ankommt:

  • Die Nachfrage nach maßgeschneiderten Inhouse-Lösungen wächst weiter.
  • Fachkräfte wünschen sich Lernbegleitung statt einmaliger Schulung.
  • Träger begreifen Weiterbildung zunehmend als strategisches Steuerungsinstrument.
  • Nachhaltigkeit gewinnt an Gewicht: Weiterbildung soll Wirkung zeigen, nicht nur Wissen vermitteln.

Wie wir auf die Trends reagieren

Lernen bedeutet für uns, in Bewegung zu bleiben – inhaltlich mit unseren Angeboten und als Team mit Blick auf die eigenen Arbeitsprozesse. Unsere strategische Ausrichtung umfasst deshalb:

  • Programmatische Schwerpunkte: Wir greifen zentrale Themen des Wandels auf, zum Beispiel Fachkräftebindung, KI, Agilität und Nachhaltigkeit.
  • Didaktische Entwicklung: Unsere Blended-Learning-Formate, E-Trainings und modularen Lernpfade schaffen flexible Zugänge. Lernen wird individueller, kompakter und ortsunabhängig.
  • Organisationales Lernen: Wir fördern unsere eigene Lernkultur durch kollegiale Beratung, agile Projekte und partizipative Teams. So sichern wir Qualität und Innovation.
  • Arbeitsfeld- und trägerübergreifende Kooperation: Unsere Weiterbildungen bringen Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen zusammen. Das fördert Austausch und gemeinsame Lösungen vor Ort.
  • Multiprofessionelles Lernen: Die Angebote fördern das Verständnis von Rollen und Zuständigkeiten und stärken die Zusammenarbeit von Fach-, Leitungs- und Ehrenamtskräften.

Was das für unsere Arbeit bedeutet 

Dieser Strategie folgend haben wir flexible Lernformate aufgebaut, ein Inhouse-Programm entwickelt und Kooperationen mit Fachreferaten und Expert*innen intensiviert. Neue Führungstrainings fördern reflektiertes Handeln in komplexen Situationen – von agiler Teamführung über Krisenmanagement bis hin zur Nutzung von KI im Personalmanagement. Zudem veröffentlichen wir regelmäßig Beiträge zu Fachkräfteentwicklung, Führungskultur und sozialer Innovation. Sie regen Austausch an und machen gelungene Praxis sichtbar.

Was Sie und uns herausfordert

Obwohl soziale Organisationen Weiterbildung zunehmend als strategisches Instrument begreifen, bauen – je nach Fachbereich – Personalmangel oder Personalreduktion, Arbeitsverdichtung und unzureichende Finanzierung Hürden auf. Statt zu entlasten, droht Weiterbildung dann zur Zusatzbelastung zu werden. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an uns: Kurzfristige Bedarfe müssen abgedeckt werden, während parallel eine strategische Programmentwicklung notwendig ist.  

Welchen Anspruch wir behalten

Zwischen knappen Ressourcen und stetig steigenden Erwartungen halten wir an hoher Qualität und unserem Auftrag fest. Wirtschaftlicher Druck darf nicht zu Lasten von Didaktik und Konzeptentwicklung gehen. Die Paritätische Akademie Sachsen stärkt mit ihren Angeboten Fachkräfte, fördert Innovation und trägt zur nachhaltigen Entwicklung der Sozialwirtschaft bei.


Besuchen Sie die Webseite der Paritätischen Akademie Sachsen: www.parisax-akademie.de

Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe März 2026 des Verbandsmagazins anspiel.

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news-11865 Wed, 13 May 2026 11:23:25 +0200 Jetzt gegen Sozialkürzungen aktiv werden! https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/jetzt-gegen-sozialkuerzungen-aktiv-werden-1/ Im April 2026 veröffentlichte der Paritätische Sachsen das interne Arbeitspapier einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe, in dem weitreichende Einschnitte bei Leistungen für Menschen mit Behinderungen sowie bei Kindern und Jugendlichen vorsieht. Unter dem Motto "Sozialabbau stoppen!" möchte der Verband nun gegen diese Vorhaben mobilisieren und stellt Aktionsmaterialien zur Verfügung. Im April 2026 veröffentlichte der Paritätische Gesamtverband das interne Papier einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe, das weitreichende Einschnitte bei Leistungen für Menschen mit Behinderungen sowie bei Kindern und Jugendlichen vorsieht. Unter dem Motto "Sozialabbau stoppen!" möchte der Verband nun gegen diese Vorhaben mobilisieren und stellt Aktionsmaterialien zur Verfügung.

Auf einer Aktionswebseite bündelt der Gesamtverband wichtige Informationen zum Kürzungspapier. Zudem werden Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit, Musterschreiben an Abgeordnete und Hinweise zu Aktionen vor Ort angeboten. Ziel ist, Aktivitäten zu koordinieren und sich gegenseitig zu stärken.

Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, fordert alle Mitgliedsorganisationen auf, sich nach Kräften zu beteiligen: "Wenn die 70 Maßnahmen des Arbeitspapieres umgesetzt werden, bedeutet dies einen deutlichen Rückschritt hinsichtlich der Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und mindert die Chancen von Kindern, Jugendlichen und Familien. Daher ist es jetzt wichtig, vor Ort auf die Folgen für die Menschen sowie unsere Gesellschaft als Ganzes hinzuweisen. Gehen Sie auf Bundestagsabgeordnete und auch auf Landespolitiker*innen zu und machen Sie Druck. Auf der Kampagnenwebseite gibt es hilfreiche Materialien, die örtliche Aktivitäten unterstützen."

Was der Gesamtverband bereitstellt

Der Gesamtverband hat eine Themenseite eingerichtet, auf der alle Dokumente und Werkzeuge zum Kürzungspapier zusammengeführt sind. Sie finden dort Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit, Musterschreiben an Abgeordnete sowie weitere Arbeitshilfen. Außerdem sollen dort Aktionen aus Ländern und Kommunen sichtbar werden, damit sich Initiativen besser abstimmen und voneinander lernen können.

Chancen für Mitgliedsorganisationen vor Ort

Die Bündelung spart Zeit und bringt Struktur in die Vorbereitung. Sie können vorhandene Textbausteine und Argumente nutzen, statt alles neu zu erstellen. Wenn Aktionen aus anderen Regionen veröffentlicht werden, bekommen Sie schnell Ideen, wie Sie vor Ort wirksam werden können - auch mit kleinen Mitteln. Gemeinsame Botschaften erhöhen die Sichtbarkeit und helfen, dass politische Entscheider die Folgen von Kürzungen konkreter wahrnehmen.

Grenzen und mögliche Risiken

Vorlagen ersetzen keine lokale Anpassung. Prüfen Sie daher immer, ob Musterschreiben und Argumente zu Ihrer Zielgruppe, Ihrer Kommune und Ihrem Leistungsbereich passen. Öffentlichkeitsarbeit kann außerdem Gegenwind auslösen. Klären Sie intern früh, wer spricht, welche Aussagen abgestimmt sind und wie Sie mit Rückfragen umgehen.

Jetzt aktiv werden!

Rufen Sie die Website auf, wählen Sie die passenden Materialien aus und planen Sie eine konkrete Aktion in den nächsten zwei Wochen. Machen Sie die Website auch über den Verband hinaus bekannt. Aktivieren Sie gerne auch Einrichtungen und Dienste anderer Spitzenverbände. Wir müssen jetzt gemeinsam und mit geeinter Stimme deutlich machen, dass wir die Kürzungspläne so nicht mittragen können.

Alle Informationen und Materialien finden Sie auf der Aktionswebseite: www.stoppt-sozialabbau.de

Praxisbeispiele für die Pressearbeit gesucht

Immer wieder erreichen den Gesamtverband und den Landesverband Presseanfragen zur Kürzungsliste. Oft werden Praxisbeispiele gesucht, anhand denen die Auswirkungen der möglichen Kürzungen sichtbar gemacht werden können. Sollten Sie für eine mögliche Berichterstattung zur Verfügung stehen, melden Sie sich bitte beim Team des Referates Verbandskommunikation. Das Referat berät Sie auch zu Fragen Ihrer Presse- und Medienarbeit.

Thomas Neumann (Referat Verbandskommunikation/ Pressesprecher)
Tel.: 0351 - 828 71 122
E-Mail: thomas.neumann(at)parisax.de

Tina Siebeneicher (Referat Verbandskommunikation/ Schwerpunkt Politik)
Tel.: 0351 828 71 123
E-Mail: tina.siebeneicher(at)parisax.de

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news-11852 Tue, 12 May 2026 14:23:39 +0200 Statement: Staatsmodernisierung im Schulterschluss mit der Praxis umsetzen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/statement-staatsmodernisierung-im-schulterschluss-mit-der-praxis-umsetzen/ In einer Regierungserklärung wurde heute im Sächsischen Landtag die Modernisierungsagenda der Staatsregierung vorgestellt und politisch debattiert. Mit Blick auf die Reformvorhaben spricht sich der Paritätische für eine breite Beteiligung der Praxis aus. In einer Regierungserklärung wurde heute im Sächsischen Landtag die Modernisierungsagenda der Staatsregierung vorgestellt und politisch debattiert. Die umfangreichen Reformvorschläge für die sächsische Verwaltung ordnet Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, wie folgt ein:

„Der Paritätische Sachsen sagt ‚Ja‘ zur Staatsmodernisierung, aber jetzt muss eine Beteiligung der Praxis erfolgen. Das Papier atmet bisher nur den Geist der Amtsstube - so wird es an der Praxis vorbeigehen. Wichtige Vorhaben wie die Zentralisierung und Digitalisierung von Förderverfahren werden nur gelingen, wenn die Trägerperspektive einbezogen wird. Die Zeit der geheimen Arbeitsgruppen hinter verschlossenen Türen muss jetzt ein Ende haben! Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten.“

Zum Aspekt der Kommunalfinanzen sagt der Landesgeschäftsführer: „Es ist zu begrüßen, dass das Konnexitätsprinzip auf Landesebene endlich ernst genommen werden soll – doch entscheidend ist die konkrete Umsetzung. Positiv ist, dass die Ministerien künftig transparent nachweisen sollen, welche Aufgaben des Landes sie auf Kommunen verlagern. Problematisch ist jedoch, dass die Ministerien ihre eigene Mehrbelastung selbst berechnen und festsetzen sollen. Unter Spardruck besteht so die konkrete Gefahr, dass wichtige soziale Leistungen kleingerechnet werden. Und selbst ein korrekt berechneter Ausgleich garantiert noch nicht, dass das Geld tatsächlich bei den Menschen ankommt. Landesgelder müssen in den Hilfesystemen direkt wirken können und bei Trägern sozialer Angebote zum Einsatz kommen. Der Paritätische Sachsen fordert einen Soziallastenausgleich im Finanzausgleichgesetz, um die kommunale Selbstverwaltung zu stärken.”  

Mit Blick auf die Veränderungen im Bildungssystem unterstreicht Michael Richter die Bedeutung freier Schulträger: „Die Staatsregierung plant weitreichende Eingriffe ins Bildungssystem. Der Paritätische Sachsen sieht dabei freie Träger und soziale Infrastruktur gleichermaßen unter Druck. Die geplanten Kürzungen bei der Ersatzschulfinanzierung – weniger Grundfinanzierung, niedrigere Wartefristförderung – können Freie Schulen in ihrer Existenz gefährden und die Trägervielfalt reduzieren, die das sächsische Bildungssystem seit Jahrzehnten prägt. Die Weiterentwicklung des Systems Ganztags ohne die Beteiligung der Freien Träger birgt das Risiko, dass eine bessere Verzahnung zwischen Hort und Schule nicht gelingt. Eine Planung der Bildungsinfrastruktur, die sich allein an Demografie orientiert, übersieht, dass Bildungsorte, insbesondere in strukturschwachen Regionen, auch soziale Ankerpunkte sind. Wir fordern deshalb: Freie Träger müssen in allen drei Bereichen – Schulfinanzierung, Ganztag und Netzplanung – als gleichwertige Partner in Reformvorhaben einbezogen werden.

Auch angesichts der Weiterentwicklung des Ehrenamtes im Freistaat fordert Michael Richter die Beteiligung der Wohlfahrtsverbände, denn: “Wer Ehrenamt in Sachsen stärken will, muss die hören, die es tagtäglich tragen.“

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news-11840 Mon, 11 May 2026 09:02:00 +0200 Sachsens Doppelhaushalt 2027/28 mit Weitblick für Menschen, Regionen und Wirtschaft aufstellen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/sachsens-doppelhaushalt-202728-mit-weitblick-fuer-menschen-regionen-und-wirtschaft-aufstellen/ Sachsen befindet sich im Strukturwandel und kämpft mit knappen Kassen. Gerade deshalb fordert der Paritätische Sachsen einen Doppelhaushalt 2027/28 mit Gestaltungsanspruch. Jetzt kommt es darauf an, Kommunen zu stärken, soziale Infrastruktur zu sichern, Prävention auszubauen und Zukunftsinvestitionen zu ermöglichen. Sachsen befindet sich im Strukturwandel und kämpft mit knappen Kassen. Gerade deshalb fordert der Paritätische Sachsen einen Doppelhaushalt 2027/28 mit Gestaltungsanspruch. Jetzt kommt es darauf an, Kommunen zu stärken, soziale Infrastruktur zu sichern, Prävention auszubauen und Zukunftsinvestitionen zu ermöglichen.

Sachsens Zukunft braucht einen gestaltenden Haushalt

Strukturwandel, Reformdruck und eine angespannte Haushaltslage erfordern eine grundsätzliche Debatte über die staatlichen Finanzen. Der Doppelhaushalt 2027/2028 muss mehr sein als reine Sparverwaltung: Er muss klare politische Ziele abbilden und Orientierung geben, wie Sachsen bis 2030 wirtschaftlich wettbewerbsfähig bleibt, Regionen sich entwickeln können und Kommunen wieder handlungsfähig werden.

Soziale Investitionen entfalten Wirkung

Eine einseitig fiskalische Sicht greift zu kurz. Die Gegenüberstellung von investiven und konsumtiven Ausgaben ist finanzlogisch nachvollziehbar, politisch jedoch kurzsichtig. Viele laufende Ausgaben sind die Voraussetzung dafür, dass Investitionen wirken, etwa durch Personal, Beratung und funktionierende Strukturen. Gerade Prävention begrenzt zukünftige Pflichtausgaben und muss in Haushaltsentscheidungen systematisch berücksichtigt werden.

Kommunen handlungsfähig machen

Die Lage der kommunalen Finanzen ist vielerorts dramatisch. Wenn Kommunen Aufgaben nicht mehr erfüllen können, steigen Unzufriedenheit und Vertrauensverlust gegenüber Institutionen. Der Paritätische Sachsen fordert daher eine Weiterentwicklung der kommunalen Finanzierungsstrukturen, die Stabilität, effiziente Verwaltung und soziale Verantwortung verbindet. Dazu gehören ein Soziallastenausgleich im Finanzausgleich sowie die konsequente Sicherstellung der Konnexität: Neue oder erweiterte Aufgaben müssen ausfinanziert werden.

Zukunftsinvestitionen ermöglichen, ohne Strukturen zu zerstören

Angesichts des Defizits braucht es mehrere Hebel. Bürokratieabbau und vereinfachte Förderverfahren können Spielräume schaffen. Zugleich sollte geprüft werden, wie der Generationenfonds in der aktuellen Lage weiter flexibilisiert werden kann, ohne die langfristige Absicherung aus dem Blick zu verlieren. Für die nächsten Jahre sind Investitionen in die soziale Infrastruktur zentral, etwa in Kitas, Schulen, Pflege und Teilhabe. Auch ein rechtlich zulässiger Umgang mit Spielräumen der sächsischen Schuldenbremse gehört in die Debatte.

Demografie ernst nehmen, Prävention stärken

Geburtenrückgang, Abwanderung und Überalterung verändern Sachsen schnell. Familienfreundliche Infrastruktur, Jugendhilfe, Bildung und verlässliche Ganztagsangebote stützen Teilhabe und Standortattraktivität. Der Erhalt sozialer Infrastruktur ist auch arbeitsmarktpolitisch relevant, etwa für die Bindung von Fachkräften. Präventive Angebote wie Jugendpauschale und Schulsozialarbeit sowie Beratungsstellen bei Sucht und psychischen Erkrankungen helfen, Krisen früh abzufangen und Folgekosten zu vermeiden.

Gemeinsam gestalten

Der Paritätische Sachsen fordert, den Doppelhaushalt als gesamtgesellschaftliches Projekt zu entwickeln. Entscheidungen über Kürzungen und Prioritäten müssen transparent sein und die Zivilgesellschaft einbeziehen. Nur so kann der Haushalt Zukunft sichern, statt Probleme in die nächsten Jahre zu verschieben.


Die Position des Paritätischen Sachsen „Sachsens Zukunft gestalten: Mit Weitblick für Menschen, Regionen und Wirtschaft“ zur Diskussion um den Doppelhaushalt 2027/28 lesen Sie hier.


Ein Statement des Landesgeschäftsführers Michael Richter zu den Ergebnissen der Kabinettsklausur der sächsischen Staatsregierung lesen Sie hier.

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news-11834 Mon, 04 May 2026 13:21:08 +0200 Protesttag 5. Mai: Keine Einschnitte bei Inklusion und Teilhabe https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/protesttag-5-mai-keine-einschnitte-bei-inklusion-und-teilhabe/ Anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen spricht sich der Paritätische Sachsen klar gegen die Pläne der Bundesregierung aus, erkämpfte Rechte zurückzudrehen. Der Verband unterstützt die Kundgebung am 5. Mai in Dresden. Anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen spricht sich der Paritätische Sachsen klar gegen die Pläne der Bundesregierung aus, erkämpfte Rechte zurückzudrehen. Der Verband unterstützt die Kundgebung am 5. Mai in Dresden.

In seiner Rede zum Protesttag stellt Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen fest: „Bund, Länder und Kommunen haben sich zusammengesetzt und mehr als 70 Vorschläge mit einem Kürzungsvolumen von über 8,6 Milliarden Euro erarbeitet. Der Titel dieses Papiers lautet: Effizienter Ressourceneinsatz. Was harmlos klingt, ist ein Angriff auf Leistungen, die Menschen mit Behinderung täglich brauchen. Und das Schlimmste daran: Niemand hat Menschen mit Behinderung gefragt.“

Mit Blick auf die Pläne des Bundes formuliert Richter rote Linien:

„Das Wunsch- und Wahlrecht ist nicht verhandelbar. Kein Mensch darf in eine Wohnform gezwungen werden, die nicht zu ihm passt. Kein Mensch darf gegen seinen Willen irgendwo untergebracht werden – nur weil es billiger ist. Selbstbestimmung ist kein Luxus. Sie ist ein Menschenrecht.

Pflege und Teilhabe sind gleichrangig. Pflege ist wichtig. Teilhabe ist wichtig. Beides zusammen macht ein gutes Leben aus. Wer Pflege über Teilhabe stellt, nimmt Menschen mit Behinderung ihre Teilhabe an der Gesellschaft. Das ist keine Reform. Das ist ein Rückschritt.

Menschen mit Behinderung sind kein Sündenbock. Die Kommunen stehen unter Druck – das stimmt. Aber die Kosten steigen nicht, weil Menschen mit Behinderung zu viel fordern. Die Kosten steigen, weil Löhne steigen, weil mehr Menschen Unterstützung brauchen, weil der Bund Gesetze macht, aber die Kommunen zahlen. Das ist eine Finanzierungsschieflage. Und die muss zwischen Bund, Land und Kommunen gelöst werden – nicht auf dem Rücken der Schwächsten.“

Der Landesgeschäftsführer wendet sich mit deutlichen Forderungen an Bund, Freistaat und Kommunen:

„Erstens: Beteiligt die Menschen. Kein Papier über Menschen mit Behinderung ohne Menschen mit Behinderung. Kein Papier über die Wohlfahrt ohne die Wohlfahrt. Das ist keine Bitte. Das ist eine demokratische Pflicht.

Zweitens: Beteiligt die Wohlfahrt: Wir sind offen für neue Wege. Schulbegleitung im Pooling kann funktionieren – wenn das Kind im Mittelpunkt steht. Wenn die Bedarfe des Kindes gedeckt werden. Aber Pooling als Sparinstrument, das Kinder in Schubladen steckt? Das lehnen wir ab. Der Maßstab ist das Kind. Nicht der Haushalt.

Drittens: Löst das Finanzierungsproblem richtig. Nicht auf dem Rücken der Schwächsten. Sondern mit einem gerechten Ausgleich zwischen Bund, Land und Kommunen. Das ist der richtige Hebel.

Viertens: Schützt das Wunsch- und Wahlrecht. Menschen mit Behinderung entscheiden, wie und wo sie leben wollen. Wir wollen selbstbestimmtes Wohnen in Sachsen – in allen Wohnformen. In der eigenen Wohnung. In Wohngemeinschaften. In besonderen Wohnformen, die sich weiterentwickeln. Als Zuhause zum Wohlfühlen. Kleinteilig. Nah am Leben.

Dafür brauchen wir attraktive Angebote. Angebote, die zu den Menschen passen – nicht Menschen, die in Angebote passen müssen. Wir wollen SelbstbestimmtWohnen – nicht Zwangszuweisung aus Kostengründen. Und wir wollen, dass bestehende Wohnformen sich weiterentwickeln können – mit verlässlicher Finanzierung und klaren Rahmenbedingungen.

Fünftens: Haltet Pflege und Teilhabe gleichrangig. Pflege dort, wo Pflege gebraucht wird. Teilhabe dort, wo Assistenz und Selbstbestimmung gebraucht werden. Beides zusammen. Gleichrangig. Verzahnt. Nicht das eine gegen das andere ausspielen.

Sechstens: Baut Bürokratie wirklich ab. Weniger Formulare. Einfachere Verfahren. Schnellere Entscheidungen. Aber: Entbürokratisierung darf keine Kürzung durch die Hintertür sein. Weniger Bürokratie für Menschen – nicht weniger Rechte für Menschen.

Siebtens: Schützt die Beschäftigten. Faire Löhne müssen vollständig refinanziert werden. Keine Tarifdeckelung. Keine einseitigen Kürzungen. Wer gute Assistenz will, braucht gute Arbeitsbedingungen. Das schulden wir vor allem den Frauen, die diese Arbeit in den Kommunen jeden Tag leisten.“


Der Paritätische Sachsen unterstützt die Kundgebung zu Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai 2026 ab 16 Uhr auf dem Scheune-Vorplatz (Alaunstraße 36-40) in Dresden. Weitere Informationen auf www.dresden.de


Hintergrund: Am 16. April 2026 veröffentlichte der Paritätische Gesamtverband das interne Arbeitspapier einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe, welches drastische Kürzungspläne bei Leistungen für Menschen mit Behinderungen, Kindern und Familien enthält. Nähere Informationen dazu lesen Sie auf www.paritaet.org

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news-11829 Thu, 30 Apr 2026 10:30:00 +0200 Kita: Wohlfahrtsverband und GEW warnen vor Versorgungslücken und fordern Dialog https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kita-wohlfahrtsverband-und-gew-warnen-vor-versorgungsluecken-und-fordern-dialog/ Allein 2025 waren sachsenweit 7.500 Kinder weniger in Kitas als im Vorjahr. Der Trend sinkender Kinderzahlen hält an und schlägt sich spürbar auf die Kita-Landschaft in Sachsen nieder. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Sachsen und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen (GEW Sachsen) fordern den Freistaat daher auf, die Kita-Infrastruktur im Freistaat zukunftsfest aufzustellen. Gemeinsame Pressemitteilung des Paritätischen Sachsen und der GEW Sachsen:

Allein 2025 waren sachsenweit 7.500 Kinder weniger in Kitas als im Vorjahr. Der Trend sinkender Kinderzahlen hält an und schlägt sich spürbar auf die Kita-Landschaft in Sachsen nieder. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Sachsen und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen (GEW Sachsen) fordern den Freistaat daher auf, die Kita-Infrastruktur im Freistaat zukunftsfest aufzustellen.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Dresden warnten der Wohlfahrtsverband und die Gewerkschaft davor, die Fehler der 1990er Jahre zu wiederholen, indem man die Kita-Infrastruktur und die Fachkräfte untätig aufgibt. Bei wieder steigenden Kinderzahlen müsste dann vieles neu aufgebaut werden, was zu einer Mehrbelastung öffentlicher Kassen führen würde. Beide Akteure forderten gemeinsame Kraftanstrengungen von Freistaat, Kommunen und Trägerlandschaft, um eine wohnortnahe Kita-Versorgung abzusichern. Hierfür bedürfe es einer reformierten Finanzierung sowie flexiblerer Strukturen zur Angebotsgestaltung vor Ort. Zudem müssten die sinkenden Kinderzahlen endlich genutzt werden, um mit den freiwerdenden Mitteln die Bildungsqualität weiterzuentwickeln.

Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, sagt: „Die sinkenden Kinderzahlen entfalten bereits Wirkung in den Kitas. Stellenabbau, Schließungen, längere Wege für Eltern und Kinder sowie steigende Kosten für die jeweiligen Gemeinden und Eltern sind die Folge. Wir brauchen in Sachsen endlich eine Debatte darüber, wie wir Kitas zukunftsfest aufstellen, um Strukturverluste zu vermeiden. Es geht nicht um den Einrichtungserhalt um jeden Preis. Vielmehr fordern wir endlich eine Vision und Maßnahmen, die den Erhalt von Infrastruktur ermöglichen, um bei steigenden Geburtenzahlen nicht wieder alles neu aufbauen zu müssen. Das können Kommunen und Träger nicht allein leisten. Dafür muss die Kita-Finanzierung verändert werden und der Freistaat stärker in die Verantwortung gehen. Daher muss vom Kita-Fachkongress des Sächsischen Kultusministeriums zur Zukunft der Kitas im Mai ein klarer Impuls für einen übergreifenden Dialog ausgehen. Zudem darf nicht vergessen werden, dass Kitas nicht nur Bildungsorte sind, sondern nachweislich zur Attraktivität des Wirtschaftsstandortes beitragen."

Burkhard Naumann, Vorsitzender der GEW Sachsen, unterstreicht: „Die Landesregierung hat sich im Koalitionsvertrag auf eine Reform der Finanzierung sowie Qualitätsverbesserungen geeinigt. Das ist nicht zuletzt ein Erfolg der gemeinsamen Kita-Aktionen im Vorfeld der Landtagswahl 2024. Doch seitdem ist nichts passiert, während landesweit Kitas vor der Schließung stehen. Pädagogische Fachkräfte werden immer stärker in Teilzeit gedrängt, viele wurden bereits gekündigt, obwohl Sachsen bundesweit noch immer Schlusslicht bei der personellen Ausstattung von Kitas ist. Wir benötigen dringend mehr statt weniger Personal an den Einrichtungen und mehr Zeit für das einzelne Kind! Der Freistaat darf nicht länger zuschauen. Wir fordern eine öffentliche Debatte zur Zukunft der Kitas in Sachsen und erste Schritte der Landesregierung zum Erhalt von Kitas noch in diesem Jahr."

Das gemeinsame Forderungspapier des Paritätischen Sachsen und der GEW lesen Sie hier.

Hintergrund: Zahlen des Statistischen Landesamtes gehen davon aus, dass die Geburtenzahl bis 2035 weiter sinken wird. Analog zu dieser Entwicklung erfolgt ein Rückbau der Plätze in Krippen und Kindergärten. Dies wird insbesondere in ländlichen Regionen zu Schließungen führen. Das bedeutet längere Wege für Kinder und Eltern, sinkende Familienfreundlichkeit, Abwanderung von Fachkräften und in der Übergangsphase zudem höhere Kosten für Kommunen und Eltern.


Kontakt für Medienvertreter*innen:

Thomas Neumann (Pressesprecher, Paritätischer Sachsen)

Tel.: 0351 - 828 71 122
E-Mail: thomas.neumann(at)parisax.de

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news-11832 Wed, 29 Apr 2026 13:02:22 +0200 Statement: Ergebnisse der Haushaltsklausur gehen in richtige Richtung https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/statement-ergebnisse-der-haushaltsklausur-gehen-in-richtige-richtung/ Heute stellte das sächsische Kabinett seine Ergebnisse seiner Klausur zum bevorstehenden Doppelhaushalt 2027/28 vor. Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Sachsen, begrüßt die Schritte zum Bürokratieabbau und fordert den Erhalt sozialer Angebote im Bereich der Prävention und Beratung. Heute stellte das sächsische Kabinett die Ergebnisse seiner Klausur zum bevorstehenden Doppelhaushalt 2027/28 vor. Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Sachsen, sagt dazu:

„Die heute vorgestellten Ergebnisse der Haushaltsklausur weisen in die richtige Richtung. Wir begrüßen den Fokus auf effizientere Verwaltungsstrukturen und mögliche Vereinfachungen von Förderverfahren. Dass sich die Koalitionspartner zur Schuldenaufnahme durchgerungen haben, ist ebenfalls ein wichtiges Signal, um Impulse zu setzen und grundlegende Infrastruktur zu sichern. Wir betonen in diesem Zusammenhang die Bedeutung präventiver Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien, deren Bestand im Doppelhaushalt dringend abgesichert werden muss.“

Kritisch merkt der Landesgeschäftsführer an: „Unklar bleibt weiterhin, welche Vision die Staatsregierung für Sachsen hat. Ein Landeshaushalt muss immer auch Ausdruck eines Gestaltungsanspruchs sein und sollte Perspektiven aufzeigen. Die rein fiskalische Betrachtung mag formell richtig sein. Sie verkürzt jedoch den Blick auf die zwei Jahre des Doppelhaushalts und blendet langfristige Wirkungen möglicher Kürzungen aus. Hier wünschen wir uns vom Ministerpräsidenten, seine Vision für ein wirtschaftlich starkes und soziales Sachsen klar zu umreißen.“

Der Paritätische Sachsen sieht für den kommenden Doppelhaushalt die Prioritäten in der Stabilisierung der kommunalen Ebene sowie in der Absicherung präventiver Angebote in den Bereichen Jugend, Psychiatrie und Sucht, Selbsthilfe und Integration. Zudem muss die Familienfreundlichkeit des Freistaates gestärkt werden, wozu beispielsweise ein flächendeckendes Kita-Angebot sowie die pflegerische Versorgung gehören.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband ist der größte Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege in Sachsen. Rund 500 Mitgliedsorganisationen betreiben mit über 44.000 Beschäftigten sachsenweit etwa 2.100 Einrichtungen und Dienste der Sozial- und Bildungsarbeit.


Kontakt für Medienanfragen:

Thomas Neumann (Referent Verbandskommunikation, Pressesprecher)
Tel.: 0351 - 828 71 122
E-Mail: thomas.neumann(at)parisax.de

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news-11821 Tue, 28 Apr 2026 11:54:00 +0200 Soziale Arbeit wirkt – Zeit, es sichtbar zu machen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/soziale-arbeit-wirkt-zeit-es-sichtbar-zu-machen/ Nicht zuletzt in Zeiten von Kürzungsdebatten müssen gemeinnützige Organisationen die Wirkmächtigkeit sozialer Angebote besser darstellen. Dabei kann Wirkungsorientierung unterstützen, Zusammenhänge zwischen Angeboten und ihren Veränderungen nachvollziehbar zu machen und besser einzuordnen. Wie das gelingen kann, stellt der Paritätische Sachsen auf zwei regionalen Informationsveranstaltungen vor und lädt zum Dialog ein. Nicht zuletzt in Zeiten von Kürzungsdebatten müssen gemeinnützige Organisationen die Wirkmächtigkeit sozialer Angebote besser darstellen. Dabei kann Wirkungsorientierung unterstützen, Zusammenhänge zwischen Angeboten und ihren Veränderungen nachvollziehbar zu machen und besser einzuordnen. Wie das gelingen kann, stellt der Paritätische Sachsen auf zwei regionalen Informationsveranstaltungen vor und lädt zum Dialog ein.

Die Frage, was Soziale Arbeit bewirkt, rückt zunehmend in den Fokus: in der Fachpraxis bei den Trägern, bei den Fördermittelgebenden und in der Politik. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Bereitstellung von Angeboten, sondern vor allem die Frage, welche konkreten Veränderungen sie bei den Menschen erreichen, die sie nutzen und was dies für die gesamte Gesellschaft bedeutet.

In Zeiten angespannter öffentlicher Haushalte werden verstärkt Kürzungen diskutiert, obwohl gemeinnützige Organisationen mit ihren Angeboten wesentlich zur Bewältigung gesellschaftlicher Krisen und zur Stabilisierung des sozialen Zusammenhalts beitragen. Dieser Beitrag ist nach außen jedoch nur selten sichtbar oder in seiner Wirkung anerkannt, was insbesondere in Verhandlungen mit Politik und Verwaltung Fragen nach Legitimation, Finanzierung sowie mehr Nachweisbarkeit aufwirft.

Genau hier setzt ein Leitfaden zur Wirkungsorientierung des Paritätischen Landesverbandes Berlin an: Er versteht Soziale Arbeit nicht nur als reine Leistungserbringung, sondern richtet den Blick darauf, welche Wirkungen erzielt werden sollen und wie sich diese nachvollziehbar darstellen lassen. Bei der Wirkungsorientierung handelt es sich nicht nur um ein methodisches Vorgehen, sondern auch um eine Haltung, die Reflexion und Weiterentwicklung stärkt.

Wirkung sichtbar machen – ohne sie zu vereinfachen

Viele Fachkräfte in der Sozialen Arbeit haben ein ausgeprägtes Gespür dafür, was ihre Angebote bei den Zielgruppen bewirken. Sie erleben täglich, welche Entwicklungen angestoßen werden, wo Stabilisierung gelingt oder wo neue Perspektiven entstehen. Die Herausforderung liegt jedoch häufig darin, diese Erfahrungen strukturiert aufzubereiten und für Außenstehende verständlich zu kommunizieren. Wirkungsorientierung kann hier unterstützen: Sie bietet einen Rahmen, um Wirkung systematisch zu beschreiben, zu reflektieren und sichtbar zu machen; ohne die Komplexität sozialer Prozesse auf einfache Ursache-Wirkung-Ketten zu reduzieren.

Von der Idee zur Wirkung: Wirkungslogik und Wirkungstreppe

Eine zentrale Grundlage wirkungsorientierten Arbeitens ist die sogenannte Wirkungslogik. Sie beschreibt den Zusammenhang zwischen eingesetzten Ressourcen (Input), den durchgeführten Aktivitäten (Output) und den angestrebten Veränderungen bei den Zielgruppen (Outcome und Impact). Ergänzend dazu hilft die sogenannte Wirkungstreppe, die Entstehung von Wirkung anschaulich zu strukturieren. Sie zeigt auf, wie sich Veränderungen schrittweise entwickeln können, beginnend bei der Teilnahme an einem Angebot, über Wissenszuwachs und verändertes Verhalten bis hin zu langfristigen gesellschaftlichen Effekten. Diese Modelle unterstützen Organisationen dabei, Ziele klarer zu formulieren und geeignete Wege zu finden, um Wirkungen zu beobachten und zu bewerten.

Mehr als Methode: eine Frage der Haltung

Christian Hesse, Regionalleiter für die Landkreise Leipzig und Nordsachsen sagt mit Blick auf die aktuelle Praxis: „Die Wirkungsfrage ist durchaus mit Unsicherheiten verbunden, weil sie schnell als Kontrollinstrument missverstanden wird. Richtig eingeordnet ist Wirkungsorientierung jedoch ein Ansatz zur fachlichen Weiterentwicklung und zur gemeinsamen Zielklärung; auch im Dialog mit Fördermittelgebenden und Verwaltung.  Dabei muss man sich bewusst machen, dass Wirkung selten linear verläuft und nicht immer eindeutig messbar ist. Sie ist vor allem auch eine Haltung innerhalb einer Organisation, die Reflexion und Weiterentwicklung fördert und damit Transparenz sowie den fachlichen Dialog stärkt.“

So verstanden trägt Wirkungsorientierung dazu bei, Soziale Arbeit nicht nur zu leisten, sondern ihre Bedeutung sichtbar zu machen – für die Menschen, die sie ausübt, aber auch für die, die sie unterstützt und für die Gesellschaft, in der sie wirkt.

Austausch, Praxis und Impulse

Der Regionalleiter merkt an: „Sich aktiv und selbstbewusst mit der eigenen Wirkung zu positionieren, wird angesichts knapper werdender Ressourcen an Bedeutung gewinnen. Um dabei stärker ins Agieren zu kommen, ist es hilfreich, einer nachvollziehbaren Logik zu folgen, strukturiert und methodisch vorzugehen sowie das eigene Vorgehen regelmäßig zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Einen ersten Impuls dafür leisten unsere regionalen Informationsveranstaltungen zur Wirkungsorientierung. Laut dem Feedback der Teilnehmenden konnten sie sich praktische Anregungen mitnehmen. Für all jene, die Mitte April in Leipzig nicht dabei sein konnten, bietet sich am 4. Mai in Dresden erneut eine Gelegenheit.“

Auf der Veranstaltung in Leipzig wurden anhand eines Leitfadens des Paritätischen Landesverbandes Berlin zum strukturierten Wirkungsmodell, die Inhalte auf der Veranstaltung in Leipzig gemeinsam reflektiert und diskutiert. Anhand eines konkreten Praxisbeispiels entstanden erste Ansätze für die Umsetzung im eigenen Arbeitskontext.


Die nächste Gelegenheit zum fachlichen Austausch "Wirkungsorientierung in der Sozialen Arbeit - Grundlagen, Methoden und Praxis" bietet sich am 4. Mai 2026 in Dresden an. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich dort mit zentralen Fragen der Wirkungsorientierung auseinanderzusetzen und Impulse für die eigene Praxis mitzunehmen. Weitere Informationen und die Online-Anmeldung finden Sie unter folgendem Link.

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news-11811 Mon, 27 Apr 2026 06:21:00 +0200 Gastbeitrag: Sport als Türöffner für Teilhabe https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/gastbeitrag-sport-als-tueroeffner-fuer-teilhabe/ Bereits zum fünften Mal veranstaltete die Lebenshilfe Oschatz in diesem Jahr ihren Inklusionslauf. Die Zahl der Teilnehmenden steigt von Jahr zu Jahr. Die Aktion macht deutlich, welche Wirkung inklusive Begegnungsformate entfalten können. Bereits zum fünften Mal veranstaltete die Lebenshilfe Oschatz in diesem Jahr ihren Inklusionslauf. Die Zahl der Teilnehmenden steigt von Jahr zu Jahr. Die Aktion macht deutlich, welche Wirkung inklusive Begegnungsformate entfalten können.

Sport verbindet. Diese häufig zitierte Aussage gewinnt dort an Bedeutung, wo Begegnung sonst überwiegend über formale Strukturen, Zuständigkeiten und Arbeitskontexte stattfindet. Der Inklusionslauf der Lebenshilfe Oschatz zeigt seit mehreren Jahren, welches Potenzial in einfachen, niedrigschwelligen Begegnungsformaten liegen kann – nicht als klassisches Event, sondern als ergänzender Raum für Austausch, Haltung und gemeinsames Erleben im Sozialraum.

Der Inklusionslauf bringt Menschen mit und ohne Behinderung, Mitarbeitende sozialer Einrichtungen, verschiedener sozialer Träger, Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Vereine, Verwaltungen, Behörden sowie unterschiedliche Leistungsträger in einen gemeinsamen Rahmen. Der sportliche Aspekt tritt dabei bewusst in den Hintergrund. Entscheidend ist das gemeinsame Unterwegssein: gemeinsam starten, sich begegnen, ins Gespräch kommen – jenseits von institutionellen Rollen, Zuständigkeiten und organisationalen Grenzen.

Begegnung jenseits etablierter Kommunikationsräume

Im Arbeitsalltag sozialer Träger findet Austausch häufig innerhalb eigener Organisationslogiken oder in klar definierten, formalen Gesprächssituationen statt. Die Erfahrungen mit dem Inklusionslauf zeigen, dass Begegnungen außerhalb dieser Strukturen andere Gesprächsdynamiken ermöglichen. Der informelle Rahmen schafft Nähe, senkt Hemmschwellen und erleichtert den Dialog zwischen unterschiedlichen Akteuren des Sozialraums.

Menschen mit Behinderung werden dabei als aktive Teilnehmende wahrgenommen, nicht über ihre Unterstützungsbedarfe definiert. Gleichzeitig erleben Vertreterinnen und Vertreter aus sozialen Organisationen, Verwaltung, Wirtschaft und weiteren Institutionen Soziale Arbeit in einem unmittelbaren, persönlichen Zusammenhang. Diese gemeinsamen Erfahrungen wirken nach – nicht als Konzept, sondern als verbindendes Erlebnis. 

Gemeinsames Erleben als Brücke zwischen Akteuren

Der Inklusionslauf macht erfahrbar, dass Teilhabe dort entsteht, wo Menschen gemeinsame Situationen teilen – unabhängig von Funktion, Rolle oder Trägerschaft. In Oschatz ist der Lauf deshalb weniger als einzelnes Projekt zu verstehen, sondern als regelmäßig stattfindender Begegnungsraum, in dem unterschiedliche soziale Träger und gesellschaftliche Akteure zusammenfinden und Brücken zueinander entstehen können.

Eine Erfahrung unter vielen möglichen Wegen

Der Inklusionslauf der Lebenshilfe Oschatz steht exemplarisch für eine Erfahrung: Niedrigschwellige Begegnungsformate können Verständigung fördern, Vernetzung unterstützen und Zusammenarbeit erleichtern. Er ist kein Modell und keine Vorgabe, sondern ein Beispiel dafür, wie Teilhabe und Austausch auch jenseits etablierter Formate stattfinden können – als Miteinander, das Brücken baut.

Der Mehrwert liegt im gemeinsamen Erleben selbst – dort, wo Menschen sich außerhalb gewohnter Kontexte begegnen und miteinander ins Gespräch kommen. Welche Wege dafür geeignet sind, kann je nach Sozialraum unterschiedlich sein.


Weitere Informationen und Ansprechpersonen finden Sie auf der Webseite unseres Mitglieds Lebenshilfe e.V. Regionalverband Oschatz: www.lebenshilfe-oschatz.de

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news-11804 Wed, 22 Apr 2026 05:46:00 +0200 Soziallastenausgleich: Warum Sachsen die Eingliederungshilfe anders finanzieren muss https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/soziallastenausgleich-warum-sachsen-die-eingliederungshilfe-anders-finanzieren-muss/ Die Diskussion über die Eingliederungshilfe wird oft auf steigende Ausgaben verengt. Das greift zu kurz. Das eigentliche Problem ist nicht primär der Preis der Leistung an sich, sondern die Finanzarchitektur, in der sie finanziert wird. Ein Soziallastenausgleich könnte hier helfen. Die Diskussion über die Eingliederungshilfe wird oft auf steigende Ausgaben verengt. Das greift zu kurz. Das eigentliche Problem ist nicht primär der Preis der Leistung an sich, sondern die Finanzarchitektur, in der sie finanziert wird. Ein Soziallastenausgleich könnte hier helfen.

Im aktuellen Gemeindefinanzbericht für Sachsen wird das Ausmaß der steigenden Kosten sichtbar. Die kommunalen Nettoauszahlungen für Sozialleistungen stiegen zwischen 2015 und 2023 um 68 Prozent, allein 2022 und 2023 um weitere 35 Prozent. Gleichzeitig lag das kommunale Defizit 2024 bei rund 688 Millionen Euro und bis September 2025 bereits bei etwa 1,1 Milliarden Euro. Diese Dynamik ist kommunal kaum steuerbar, da sie wesentlich durch Bundesrecht, Rechtsprechung, Tarifentwicklung und gesamtgesellschaftliche Trends geprägt wird.

Die Eingliederungshilfe ist dafür ein zentrales Beispiel. Der KSV Sachsen trägt die Verantwortung für erwachsene Leistungsberechtigte, finanziert über die kommunale Ebene. Kostensteigerungen wirken damit unmittelbar in die kommunalen Haushalte hinein. Die Belastungen sind seit 2015 in kreisfreien Städten um 106 Prozent, in Landkreisen um 44 Prozent, beim KSV um 91 Prozent gestiegen.

Kostenübernahme im Ungleichgewicht

Der Bund beteiligt sich derzeit in Sachsen mit 47 Millionen EUR und darüber hinaus an den Leistungen zur Grundsicherung. Land und Kommunen fordern mehr Geld, denn wer bestellt, sollte auch bezahlen. Dabei scheint sich ein Akteur selbst finanziell zurückzuhalten: das Land Sachsen. Es ist ebenfalls Gestalter von rechtlichen Rahmenbedingungen, beteiligt sich allerdings überhaupt nicht an den Kosten. Die kommunale Ebene trägt hingegen einen erheblichen Teil der finanziellen Lasten, ohne die wesentlichen Kostenursachen beeinflussen zu können.

Vor diesem Hintergrund führen Versuche, über restriktivere Bewilligung, implizite Tarifbegrenzung oder Verschiebelogiken zu entlasten, zwangsläufig in eine Sackgasse. Sie verlagern strukturelle Probleme auf Menschen mit Behinderungen und auf die Leistungsfähigkeit der Angebote, ohne die Ursachen zu lösen.

Eingliederungshilfe ist zugleich mehr als eine individuelle Sozialleistung. Sie wirkt als Teil der regionalen Infrastruktur: Sie schafft Arbeitsplätze, stabilisiert Wertschöpfung, bindet Familien an die Region und entlastet Angehörige – insbesondere in ländlichen Räumen. Diese Effekte begründen eine kommunale Mitverantwortung, rechtfertigen jedoch keine Finanzierungsstruktur, in der die Hauptlast bei einer Ebene liegt, die die Kostenentwicklung nur begrenzt steuern kann.

Finanzarchitektur neu aufstellen durch Soziallastenausgleich

Der entscheidende Ansatzpunkt liegt daher in der Finanzarchitektur selbst. Genau hier setzt der Soziallastenausgleich an. Gemeint ist damit eine strukturelle Beteiligung des Landes an jenen Sozialausgaben, die auf kommunaler Ebene anfallen, deren Dynamik jedoch maßgeblich außerhalb kommunaler Steuerung entsteht. Es geht nicht um eine punktuelle Entlastung, sondern um eine Korrektur der bestehenden Verteilung finanzieller Verantwortung.

Ein solcher Ausgleich würde die unmittelbare Weitergabe steigender Kosten in die kommunalen Haushalte begrenzen und damit die derzeitige Übertragungsmechanik der Sozialumlage spürbar abmildern. Zugleich würde er die Handlungsspielräume der Kommunen stabilisieren. Derzeit droht eine schleichende Verdrängung von Investitionen und strukturbildenden Ausgaben durch wachsende Soziallasten – mit langfristigen Folgen für die regionale Entwicklung und Infrastruktur.

Zugleich hätte er eine wichtige steuerungspolitische Wirkung. Wo strukturelle Finanzierungsdefizite bestehen, entsteht zwangsläufig Druck, diese über restriktivere Leistungsgewährung oder unzureichende Refinanzierung auszugleichen. Ein verlässlicher Ausgleichsmechanismus würde diesen Druck reduzieren und damit Fehlanreize im System abbauen.

Nicht zuletzt würde eine stärkere Beteiligung des Landes die tatsächliche Verantwortungslage im System widerspiegeln. Der Freistaat prägt durch gesetzliche Vorgaben und Rechtsaufsicht zentrale Rahmenbedingungen der Eingliederungshilfe. Eine Beteiligung an den Kosten ist daher keine Zusatzleistung, sondern Ausdruck dieser Mitverantwortung. Eine Beteiligung in einer Größenordnung von etwa einem Viertel bis einem Drittel der Kosten erscheint sachgerecht. Dieser Ansatz ist ausreichend, um spürbare Entlastung zu schaffen, und zugleich so gestaltet, dass die gemeinsame Verantwortung für die soziale Infrastruktur erhalten bleibt.

Finanzielle Verantwortung für die Eingliederungshilfe gerecht verteilen

Im bundesweiten Vergleich zeigt sich, dass die meisten Länder stärker an der Finanzierung der Eingliederungshilfe beteiligt sind. Sachsen gehört zu den Ländern, in denen die Kommunen einen überdurchschnittlich großen Teil der Last schultern müssen. Der strukturelle Reformbedarf ist damit klar belegt.

Die steigenden Sozialausgaben sind kein Zeichen von Fehlsteuerung, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Entwicklungen. Ein Sozialstaat, der Teilhabe ermöglicht, ist eine zentrale Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Damit diese Leistungen dauerhaft gesichert bleiben, braucht es jedoch eine faire und tragfähige Finanzierungsstruktur. Ein Soziallastenausgleich ist daher keine Sonderforderung einzelner Akteure. Er ist die notwendige Antwort auf eine strukturelle Schieflage im System.


Kontakt:

Anne Cellar, Referat Teilhabe

Tel.: 0351 - 828 71 150
E-Mail: anne.cellar(at)parisax.de

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news-11810 Tue, 21 Apr 2026 07:03:00 +0200 Kürzungspläne gefährden Leistungen für Menschen mit Behinderungen, Kinder und Familien https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kuerzungsplaene-gefaehrden-leistungen-fuer-menschen-mit-behinderungen-kinder-und-familien/ Die am letzten Freitag durch den Paritätischen Gesamtverband veröffentlichten Pläne einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe mit weitreichenden Einschnitten bei Kindern, Jugendlichen, Familien und Menschen mit Behinderung bewertet der Paritätische Sachsen als Warnsignal. Die am letzten Freitag durch den Paritätischen Gesamtverband veröffentlichten Pläne einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe mit weitreichenden Einschnitten bei Kindern, Jugendlichen, Familien und Menschen mit Behinderung bewertet der Paritätische Sachsen als Warnsignal.

„Was hier unter dem harmlosen Titel ‘Effizienter Ressourceneinsatz’ verhandelt wird, ist ein Angriff auf Errungenschaften, die elementar für soziale Teilhabe sind und die über Jahrzehnte erkämpft wurden. Dass solche grundlegenden Leistungen für Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen so radikal gekürzt werden sollen und die Debatte an den Menschen vorbei im Verborgenen geführt wird, ist gleichermaßen skandalös. Hier droht ein Kahlschlag bei Alltagshilfen, mit einschneidenden Folgen für Betroffene und ihre Familien", erklärte Dr. Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes.

Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, sagt dazu: „Die Sprache des Papieres ist eindeutig: vom Individualrecht zur Pauschale, von der Einzelfallhilfe zur Standardlösung, von der Hilfegewährung zur Kostensteuerung. Das mag in einzelnen Fällen tragen, ist in der Breite jedoch eine Absage an die wirksame Umsetzung von sozialen Leistungen. Erneut wird alles nur durch die finanzielle Brille betrachtet und diese scheint lediglich im Nahbereich zu funktionieren, denn den Vorschlägen mangelt es an Weitsicht auf die absehbaren Folgen – die nicht nur ein Rückschlag für die Nutzenden der Leistungen sind, sondern langfristig zu höheren Belastungen der öffentlichen Kassen führen werden. Zudem schädigen sie den sozialen Frieden und damit auch die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes.“

„Bemerkenswert ist zudem, wie die Vorschläge der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu den kürzlich veröffentlichten Maßnahmen der sächsischen Reformkommission passen. Dort findet sich ein ähnlicher Duktus - mit der Zentralisierung von Vollzugsbehörden, digitalen Standardverfahren und KI-gestützten Entscheidungen, dem Abbau von Widerspruchsverfahren sowie der Schwächung lokaler Beteiligungsverfahren. Prozesse zu straffen und effiziente Abläufe zu etablieren, ist ganz in unserem Sinne. Allerdings gehen die nun öffentlichen Vorschläge an der Praxis vorbei. Ein Dialog mit Wohlfahrtsverbänden und Betroffenen hätte Lösungen ermöglicht, die nicht nur kurzfristig den Haushalt schonen, sondern wirksame Leistungen und langfristige Kostenstabilität ermöglicht hätten“, kritisiert Michel Richter.

Der Landesgeschäftsführer unterstreicht: „Wirtschaft wächst durch Wohlfahrt: Nur wenn Kinder und Jugendliche gut begleitet werden, Familien gute Rahmenbedingungen vorfinden, Fachkräfte arbeiten können und Menschen die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, bleibt Sachsen ein attraktiver Arbeits- und Lebensort.“


Weitere Informationen, die Pressemitteilung des Gesamtverbandes sowie dessen Bewertung des internen Arbeitspapieres der Bund-Länder-Arbeitsgruppe lesen Sie auf der Webseite des Paritätischen Gesamtverbandes: www.der-paritaetische.de 

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news-11800 Mon, 20 Apr 2026 08:10:16 +0200 Wenn Lernen Arbeit wird – und Arbeit Lernen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/wenn-lernen-arbeit-wird-und-arbeit-lernen/ Weiterbildung wird zur Schlüsselfrage für die Zukunft der Sozialen Arbeit. Angesichts von Fachkräftemangel, Digitalisierung und gesellschaftlichem Wandel müssen Organisationen Lernen neu denken – als festen Bestandteil von Arbeit, nicht als Zusatzaufgabe. Der Beitrag zeigt, wie sich Lernkultur, Führung und Weiterbildung in sozialen Organisationen verändern – und warum Zukunftsfähigkeit dort beginnt, wo Lernen zum Prinzip wird. Weiterbildung wird zur Schlüsselfrage für die Zukunft der Sozialen Arbeit. Angesichts von Fachkräftemangel, Digitalisierung und gesellschaftlichem Wandel müssen Organisationen Lernen neu denken – als festen Bestandteil von Arbeit, nicht als Zusatzaufgabe. Der Beitrag zeigt, wie sich Lernkultur, Führung und Weiterbildung in sozialen Organisationen verändern – und warum Zukunftsfähigkeit dort beginnt, wo Lernen zum Prinzip wird.

Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeitswelt befinden sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Technologische Innovationen, ökologische Herausforderungen und gesellschaftliche Spannungen verändern Strukturen und Anforderungen in Organisationen – auch und besonders in der Sozialen Arbeit. Soziale Organisationen stehen vor der Aufgabe, unter diesen Bedingungen Qualität zu sichern, Fachkräfte zu halten und weiterzuentwickeln – kurz: eine zukunftsfähige Organisationskultur zu schaffen.

Qualität sichern durch Lernen

Qualität in der Sozialen Arbeit bedeutet, Menschen professionell, empathisch und bedarfsorientiert und zugleich möglichst effektiv zu unterstützen. Doch die Rahmenbedingungen wandeln sich: 

  • Technologisch: Digitale Transformation und KI verändern Kommunikation, Verwaltung und Fallarbeit. Aktuell sogar sehr rasant.
  • Gesellschaftlich: Demografische Veränderungen, wachsende Ungleichheit und Migration stellen Organisationen vor neue Aufgaben.
  • Ökologisch: Nachhaltigkeit, Energiebewusstsein und sozial-ökologische Verantwortung werden auch in der Sozialwirtschaft handlungsleitend.

Wie lässt sich das Qualitätsniveau erhalten, wenn sich rundherum alles verändert? Für die Qualitätssicherung wird berufliche Weiterbildung zunehmend zu einem zentralen Element. Sie ermöglicht es Fachkräften, mit Veränderung umzugehen, neue Kompetenzen aufzubauen und ihre professionelle Haltung zu reflektieren. 

Fachkräfteentwicklung im Spannungsfeld von Mangel und Wandel

Der oft zitierte Fachkräftemangel zeigt sich in der Sozialen Arbeit mittlerweile differenziert. Während der Bedarf in Pflege und Eingliederungshilfe steigt, führen sinkende Kinderzahlen im Kita-Bereich zu Personalanpassungen. Stellen werden abgebaut, Träger müssen Personal für alle verträglich umstrukturieren.

Weiterbildung muss daher beides leisten: neue Fachkräfte qualifizieren und bestehende Beschäftigte befähigen, sich veränderten Anforderungen anzupassen. Gute Weiterbildungsberatung verknüpft Menschen, Kompetenzen und Bedarfe auf dem Arbeitsmarkt. Auch Führungskräfte sind hier gefragt: Sie müssen Personalentwicklungsstrategien gestalten, sozialverträgliche Lösungen finden und vorhandene Potenziale neu zur Geltung bringen.

Führung als Motor der Lernkultur

Mit dem Wandel der Arbeitswelt verändert sich auch Führung. Partizipative und entwicklungsorientierte Führungskultur tritt zunehmend an die Stelle klassischer Hierarchien. Führungskräfte sind dabei vielseitig gefordert: Neben der großen Aufgabe, zukunftssichernde Strategien zu entwickeln, müssen sie ihr eigenes tägliches Handeln reflektieren, ihre Führungsarbeit permanent weiterentwickeln und zugleich die Lernkultur im Unternehmen prägen.

Führungskräfte initiieren und gestalten Lernprozesse im Unternehmen – sie schaffen Räume für Austausch, Reflexion und kollegiales Lernen. Lernförderliche Arbeitsbedingungen entstehen jedoch nicht von allein. Sie müssen bewusst hergestellt und im Alltag gesichert – wenn nicht sogar verteidigt – werden. Das kann durchaus ein Kraftakt sein.

Lernen im Arbeitsalltag – trotz knapper Ressourcen

Zeit- und Ressourcenknappheit gehören zum Alltag sozialer Träger. Dennoch gilt: Wer Lernen unter schwierigen Bedingungen ermöglicht, investiert in Zukunftssicherung. Entscheidend sind kurze, integrierte Lernformate:

  • Lernen im Arbeitsprozess („learning on the job“)
  • digitale Lernimpulse, flexibel nutzbar
  • Förderung informellen Lernens durch kollegialen Austausch

Diese Formate ermöglichen Entwicklung trotz Engpässen und fördern langfristig Lernmotivation. Voraussetzung ist, dass Mitarbeitende befähigt werden, Lernräume aktiv zu nutzen – „das Lernen zu lernen“ wird zur zentralen Kompetenz.

Lernkultur als Unternehmensprinzip

In lernorientierten Organisationen gilt: Lernen ist keine Zusatzaufgabe, sondern Teil jeder Tätigkeit. Damit Weiterbildung zum Unternehmensprinzip wird, braucht es:

  • eine strategische Verankerung in der Personal- und Organisationsentwicklung,
  • klare Verantwortlichkeiten und Freiräume
  • sowie die aktive Beteiligung der Mitarbeitenden an Lernprozessen.

Eine gelebte Lernkultur stärkt Bindung, Motivation und Innovationskraft. Sie ist damit keine Kür, sondern eine zentrale Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit – gerade in der Sozialwirtschaft.

Lernen 4.0 - Digital und personalisiert

Bemerkenswert ist, dass sich auch das Lernen selbst in den letzten Jahren grundlegend gewandelt hat – weg von klassischen Präsenzformaten hin zu individualisierten, digital gestützten Lernprozessen. Digitale Tools bieten heute die Möglichkeit, adaptiv zu lernen: Inhalte passen sich dem individuellen Wissenstand, dem Lerntempo und den konkreten Bedarfen an. Lernen kann orts- und zeitunabhängig stattfinden, Inhalte lassen sich gezielt eingrenzen und unmittelbar im Arbeitskontext anwenden. So ist Lernen möglich, wann, wie und in welchem Umfang es gerade gebraucht wird.

Politische und finanzielle Rahmenbedingungen

Für viele soziale Träger bleibt die Finanzierung von Weiterbildung jedoch eine Herausforderung. Förderprogramme wie das Qualifizierungschancengesetz bieten Ansätze, sind in der Praxis aber oft schwer zugänglich. Gerade in Sachsen fehlt es bislang an spezifischen Landesprogrammen zur Förderung betrieblicher Weiterbildung im Sozialbereich. Eine politische Neuausrichtung wäre notwendig – Weiterbildung ist kein Luxus, sondern Teil der sozialen Daseinsvorsorge.

Fazit

  • Fachkräfteentwicklung und Qualitätssicherung gehören strategisch zusammen.
  • Weiterbildung muss vorausschauend und strukturell verankert gedacht werden.
  • Führung und Lernen sind untrennbar miteinander verbunden.

Die Paritätische Akademie Sachsen gestaltet diesen Wandel aktiv mit – als Partnerin der Mitgliedsorganisationen, Impulsgeberin für Lernen und Mitgestalterin einer zukunftsfähigen Sozialwirtschaft. 


Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe März 2026 des Verbandsmagazins anspiel.

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news-11791 Mon, 13 Apr 2026 11:37:47 +0200 Kommentar: Vorschläge der Reformkommission und soziale Leitplanken https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/kommentar-vorschlaege-der-reformkommission-und-soziale-leitplanken/ Die von der Sächsischen Staatsregierung eingesetzte Reformkommission zur Stärkung und Entlastung der Kommunen hat heute ihren Abschlussbericht vorgestellt. Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, begrüßt in seinem Kommentar die Vorschläge und mahnt gleichzeitig Augenmaß bei deren Umsetzung an. Die von der Sächsischen Staatsregierung eingesetzte Reformkommission zur Stärkung und Entlastung der Kommunen hat heute ihren Abschlussbericht vorgestellt. Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, begrüßt in seinem Kommentar die Vorschläge und mahnt gleichzeitig Augenmaß bei deren Umsetzung an.

Die Reformkommission „Stärkung und Entlastung der Kommunen“ hat ein ungewöhnlich umfassendes Reformpaket vorgelegt. Es geht nicht nur um ein paar vereinfachte Antragswege oder weniger Papierarbeit – es geht um die Frage, wie Verwaltung, soziale Infrastruktur und staatliche Verantwortung in Sachsen künftig organisiert sein sollen. Viele der Vorschläge passen gut in die derzeitige bundespolitische Landschaft: Bürokratieabbau, Digitalisierung, effizientere Förderstrukturen, Entlastung kommunaler Haushalte. Gleichzeitig markiert der Bericht einen der ambitioniertesten Modernisierungsansätze eines deutschen Bundeslandes.

Parallelen zum verbandlichen Zukunftskonzept „Parität 2030“

Für uns als Paritätischer Wohlfahrtsverband ist dabei zentral: Viele dieser Reformideen sind keineswegs fremd, sondern decken sich in bemerkenswerter Weise mit unserem Zukunftskonzept „Parität 2030“. Dort haben wir selbst beschrieben, wie eine moderne Sozialpolitik aussehen kann: weniger Bürokratie, mehr digitale Zugänge, verlässliche Finanzierung, starke Kommunen, bessere Arbeitsbedingungen und eine Verwaltung, die das Leben der Menschen tatsächlich erleichtert.

Gerade deshalb schauen wir sehr genau hin – und benennen sowohl die Chancen als auch die Risiken.

Weniger Aufwand für alle und flexiblere Prozesse

Die Reformkommission verfolgt eine klare Linie: Verfahren sollen schlanker werden, Verwaltungsabläufe standardisiert, Leistungen stärker digitalisiert, Förderprogramme gebündelt. Viele unserer Mitgliedsorganisationen würden davon profitieren. Weniger Berichtspflichten, einheitliche digitale Antragswege oder mehrjährige Förderbescheide sind Schritte, die soziale Arbeit im Alltag spürbar entlasten können. Auch die geplante Stärkung der kommunalen Finanzkraft – einschließlich einer möglichen höheren Beteiligung des Bundes an den Sozialausgaben – entspricht unseren eigenen Forderungen. Eine Kommune, die finanziell stabil ist, kann soziale Infrastruktur besser garantieren.

Pauschalieren, aber den Einzelnen nicht aus dem Blick verlieren

Doch Modernisierung hat immer zwei Seiten. Dort, wo Standardisierung zu Pauschalierung wird, wo Digitalisierung ohne analoge Zugänge geplant ist oder wo Automatisierung an die Stelle von fachlichem Ermessen tritt, entstehen Risiken – gerade für die Bereiche, in denen Menschen individuelle Unterstützung benötigen. Das gilt besonders in der Eingliederungshilfe, in der Kinder- und Jugendhilfe, in der Schulbegleitung oder in der integrativen Kita-Arbeit. Hier dürfen Leistungen nicht „von der Stange“ kommen. „Parität 2030“ betont an vielen Stellen die Personenzentrierung sozialer Hilfen. Genau deshalb müssen wir wachsam sein, dass der Wunsch nach Entlastung nicht zu einem Verlust an maßgeschneiderten Angeboten führt.

Leistungen bündeln, aber erfolgreiche Lösungen vor Ort erhalten

Besonders aufmerksam beobachten wir die Tendenz zur Zentralisierung. Wenn Wohngeld, Unterhaltsvorschuss, Elterngeld oder Landeserziehungsgeld künftig vollständig über Landesstrukturen digital abgewickelt werden, kann das Verfahren vereinfachen – aber es verändert auch das Verhältnis zwischen Menschen, Verwaltung und sozialen Diensten. Lokale Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner könnten seltener werden, individuelle Besonderheiten gehen leichter verloren. Auch das Zusammenspiel mit freien Trägern könnte schwieriger werden, wenn digitale Landesplattformen an die Stelle von gewachsenen kommunalen Kooperationen treten.

Künstliche Intelligenz mit Fingerspitzengefühl

Ähnlich verhält es sich mit den geplanten KI?gestützten Verwaltungsverfahren. „Parität 2030“ hat klar formuliert, dass KI Transparenz, Erklärbarkeit und menschliche Kontrolle braucht. Die Kommission hingegen spricht von einer Ersetzung menschlicher Arbeitskapazität ab 2028. Das mag für standardisierte Verfahren funktionieren – doch soziale Fragen sind selten standardisiert. Wo menschliche Lebenslagen komplex sind, bleiben Entscheidungen auch künftig Ermessensentscheidungen. KI darf hier unterstützen, aber nicht bestimmen.

Veränderungen begleiten

Für unsere Mitgliedsorganisationen bedeutet der Reformpfad der Kommission eine doppelte Entwicklungsaufgabe. Einerseits werden Prozesse einfacher, klarer, digitaler – das schafft Zeit und Freiräume. Andererseits steigen die Anforderungen: Träger müssen digitale Schnittstellen nutzen, Datenschutz konsequenter umsetzen, Fachkräfte für neue Aufgaben qualifizieren und ihre eigene Rolle zwischen analoger Präsenzarbeit und digitaler Verwaltungslogik schärfer definieren. Damit dieser Übergang gelingt, braucht es begleitende Unterstützung – technisch, fachlich und finanziell.

Der Paritätische Sachsen als Partner auf dem Weg zur Staatsmodernisierung

Als Paritätischer Sachsen werden wir uns in die kommenden Diskussionen aktiv einbringen. Wir begrüßen die Modernisierungsimpulse, besonders dort, wo sie unsere Ziele in „Parität 2030“ stärken: eine entlastete, barrierefreie Verwaltung, digitale Verfahren, die Menschen nutzen statt belasten, und eine verlässliche Finanzierung sozialer Arbeit. Gleichzeitig werden wir überall dort klare Grenzen einziehen, wo Effizienz zu Lasten der Qualität, der kommunalen Verantwortung oder der individuellen Unterstützung geht.


Kontakt:

Michel Richter, Landesgeschäftsführung

Tel.: 0351 - 828 71 120
E-Mail: michael.richter(at)parisax.de

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news-11767 Thu, 26 Mar 2026 15:17:30 +0100 Statement zu den Eckwerten der CDU-Fraktion zum Doppelhaushalt 2027/28 https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/statement-zu-den-eckwerten-der-cdu-fraktion-zum-doppelhaushalt-202728/ In dieser Woche veröffentlichte die CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag ihre Eckwerte für den Doppelhaushalt 2027/28. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Sachsen begrüßt die klare Haltung der Fraktion, warnt jedoch vor einem zu engen Blick. In dieser Woche veröffentlichte die CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag ihre Eckwerte für den Doppelhaushalt 2027/28. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Sachsen begrüßt die klare Haltung der Fraktion, warnt jedoch vor einem zu engen Blick.

Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, sagt dazu: „Mit ihrem Eckwerte-Papier bezieht die CDU-Fraktion für die kommenden Haushaltsverhandlungen klar Stellung. Als Verband teilen wir Ansätze, wie beispielsweise die Stabilisierung der kommunalen Ebene sowie gezielte Investitionen in die Infrastruktur.“

Kritisch merkt Michael Richter an: „Die pauschale Gegenüberstellung von investiven und konsumtiven Ausgaben ist finanztechnisch richtig, aber politisch verkürzt. Eine Haushaltspolitik, die nur investive Ausgaben schützt, ignoriert, dass viele konsumtive Ausgaben Voraussetzung dafür sind, dass Investitionen überhaupt wirken. Dies gilt gerade dort, wo präventiv gearbeitet wird. Denn Prävention dient der Begrenzung zukünftiger Pflichtausgaben. Dieser Umstand muss in den Haushaltsverhandlungen zwingend berücksichtig werden.“

Zum Generationenfonds sagt der Landesgeschäftsführer: „In Zeiten knapper Kassen müssen alle Vorschläge auf den Tisch, um Finanzierungslücken zu schließen. Daher sollte geprüft werden, ob ein Teil der im Generationenfonds gebundenen Erträge für investive Maßnahmen in Bildung, Pflege oder soziale Infrastruktur genutzt werden können – also für Projekte, die selbst generationenstabilisierend wirken und zudem nachweislich zur Standortattraktivität beitragen.“

Der Paritätische Sachsen sieht für den kommenden Doppelhaushalt die Prioritäten auf der Stabilisierung der kommunalen Ebene sowie der Absicherung von präventiven Angeboten im Bereich Jugend, Psychiatrie und Sucht, Selbsthilfe und Integration. Zudem muss die Familienfreundlichkeit des Freistaates gestärkt werden, wozu beispielsweise ein flächendeckendes Kita-Angebot sowie die pflegerische Versorgung gehören.


Informationen zu den Eckwerten für den sächsischen Doppelhaushalt 2027/28 der CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag lesen auf der Fraktionswebseite: www.cdu-fraktion-sachsen.de

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news-11749 Thu, 19 Mar 2026 16:26:13 +0100 Statement: Ergebnisse der Studie zur Familienplanung in Sachsen ernst nehmen. https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/statement-ergebnisse-der-studie-zur-familienplanung-in-sachsen-ernst-nehmen/ Die heute vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt (SMS) veröffentlichte Studie zur Familienplanung in Sachsen kommt zu alarmierenden Befunden. Der Paritätische spricht sich dafür aus, in Familienfreundlichkeit des Freistaates zu investieren. Die heute vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt (SMS) veröffentlichte Studie zur Familienplanung in Sachsen kommt zu alarmierenden Befunden. Der Paritätische spricht sich dafür aus, in Familienfreundlichkeit des Freistaates zu investieren.

Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, sagt dazu: "Das Ergebnis der Studie ist mit Blick auf die demographischen Entwicklungen Sachsens besorgniserregend. Junge Familien müssen wieder spüren, dass das Zusammenleben mit Kindern etwas Schönes ist und sie dabei Unterstützung erfahren. Gerade deshalb ist es jetzt wichtig, ein starkes Signal zu setzen und weiter in Familienfreundlichkeit zu investieren. Dazu gehören Angebote der Familienberatung und Jugendhilfe ebenso wie die Kita vor Ort. Dieser Aspekt muss in den bevorstehenden Verhandlungen zum sächsischen Doppelhaushalt 2027/28 zwingen berücksichtigt werden.“

Hinsichtlich der aktuellen Auswirkungen sinkender Kinderzahlen auf die Kita-Infrastruktur hebt Michael Richter hervor: „Die Studie zeigt, dass nahezu jede Frau, deren Kind 3 Jahre alt ist, wieder arbeiten gehen möchte. Die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann dazu beitragen, wieder mehr Sicherheit zu schaffen. Kitas kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Wir haben eine gut ausgebaute Kita-Infrastruktur im Freistaat, die es zu erhalten gilt. Zudem muss in deren Qualität investiert werden. Dabei muss der Freistaat vorangehen und die Kommunen bei diesem Vorhaben unterstützen."

Hintergrund: Die Presseinformation des SMS zur Studie lesen Sie im Medienservice des Freistaates: https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/1095731

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news-11733 Wed, 11 Mar 2026 15:28:00 +0100 KI in der sozialen Arbeit: Jetzt mutig erste Schritte gehen https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/ki-in-der-sozialen-arbeit-jetzt-mutig-erste-schritte-gehen/ Künstliche Intelligenz kann Fachkräfte entlasten und neue Möglichkeiten für die Soziale Arbeit eröffnen – wenn sie sinnvoll eingesetzt wird. Ein Gespräch mit dem KI-Experten Prof. Dr. Robert Lehmann über reale Potenziale und geeignete Annährung. Künstliche Intelligenz kann Fachkräfte entlasten und neue Möglichkeiten für die Soziale Arbeit eröffnen – wenn sie sinnvoll eingesetzt wird. Ein Gespräch mit dem KI-Experten Prof. Dr. Robert Lehmann über reale Potenziale und geeignete Annährung.

Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema mehr. Auch in den Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Sachsen wird zunehmend überlegt, welche Rolle KI künftig spielen kann. Dabei sind derzeit noch viele Fragen offen: Ist KI für soziale Organisationen überhaupt relevant? Wo könnten nutzbringende Einsatzmöglichkeiten liegen? Und wie lässt sich ein Einstieg finden, ohne sich in der Dynamik technischer Entwicklungen zu verlieren? Welche Potenziale realistisch sind und wie Organisationen sich diesem Thema sinnvoll nähern können, haben wir mit Prof. Dr. Robert Lehmann, Sozialwissenschaftler und Sprecher der Akademischen Leitung des Instituts für E-Beratung der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, besprochen.

KI ersetzt keine Beziehung – kann aber Fachkräfte unterstützen

Gerade in der Sozialen Arbeit entstehen viele sprachbasierte Prozesse: Dokumentationen, Berichte, Beratungsprotokolle oder administrative Kommunikation. Laut Lehmann kann KI genau hier helfen, Fachkräfte zu entlasten: „Der entscheidende Faktor ist, dass KI eine neue technische Dimension liefert. Dinge, die bisher nur sehr schwer automatisierbar waren, lassen sich plötzlich vereinfachen – vor allem eben dort, wo mit Sprache gearbeitet wird.“

Gleichzeitig kann KI auch in der direkten Arbeit mit Klientinnen und Klienten eine Rolle spielen etwa bei Informations- oder Beratungsangeboten. Aus Lehmanns Sicht gehe es aber nicht darum, KI einfach möglichst breit einzusetzen. Vielmehr müssten Organisationen sorgfältig reflektieren, welche Teile ihrer Arbeit sinnvoll unterstützt werden können und wo menschliche Beziehung, professionelle Einschätzung und Verantwortung unverzichtbar bleiben. Entscheidend sei also nicht allein die technische Möglichkeit, sondern die Frage, wie ein Einsatz im Alltag der Einrichtungen tatsächlich gestaltet werden könne.

Geeignete KI-Lösungen gibt es selten von der Stange

Ein häufiger Wunsch sozialer Organisationen ist eine fertige KI-Lösung, die einfach eingeführt werden kann. Nach Einschätzung von Robert Lehmann wird das jedoch nur selten funktionieren: „Eine gute KI-Lösung ist meist eine, die in den Organisationslogiken beheimatet ist. Man kann sie nicht einfach von der Stange kaufen. Das bedeutet: Erfolgreiche Projekte entstehen meist dort, wo Organisationen ihre eigenen Prozesse analysieren und gezielt verbessern wollen.“ KI werde dann zu einem Werkzeug, das dabei hilft, bestehende Probleme besser zu lösen. Technische Lösungen und fachliche Anforderungen müssen dabei gemeinsam gedacht werden. Deshalb empfiehlt Lehmann einen anderen Einstieg in das Thema. „Ich würde nicht sagen: Wir machen jetzt KI, weil alle KI machen. Sondern: Wo haben wir ein Problem in unserer Organisation – und könnte KI helfen, dieses Problem zu lösen? KI wird damit nicht nur zu einem technischen Werkzeug, sondern auch zu einem Anlass, gemeinsam mit Fachkräften Arbeitsprozesse bewusst zu reflektieren und weiterzuentwickeln, um dann gegebenenfalls gemeinsam mit externen Partnern neue Lösungsansätze zu entwickeln.“

Modellvorhaben als Chance, neue Ansätze zu erproben

Trägern, die Ideen für die Nutzung von KI in der eigenen Organisation entwickeln und erproben wollen, bietet das Sächsische Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt (SMS) jetzt auch die passende Förderung für solche Vorhaben. Der Förderaufruf bietet eine gute Gelegenheit, neue Wege auszuprobieren. Jetzt ist der richtige Moment, den ersten Schritt zu machen. Alle Informationen dazu finden Sie auf der Website des SMS: www.soziales.sachsen.de.

Zudem unterstützt das Projekt SINN Sachsen soziale Organisationen dabei, geeignete Kooperationspartner zu finden und erste Ideen für eine Interessenbekundung zum besagten Förderverfahren zu besprechen. Ihre Ansprechpartnerin ist Stephanie Meichsner-Eschborn (Referentin Organisationsentwicklung/Referentin SINN Transformationslabor). Sie erreichen sie via E-Mail an: stephanie.meichsner-eschborn(at)parisax.de

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news-11730 Tue, 10 Mar 2026 13:42:30 +0100 Eingliederungshilfe: Mit Vorhalteleistungen präventiv handeln und Kosten senken https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/eingliederungshilfe-mit-vorhalteleistungen-praeventiv-handeln-und-kosten-senken/ In den aktuellen Diskussionen über die Kosten der Eingliederungshilfe tritt das Spannungsfeld zwischen kurzfristigen Einsparungen und langfristig wirkender Prävention zu Tage. Warum sogenannte Vorhalteleistungen zur Stabilität von Klient*innen beitragen und Kosten vermeiden. In den aktuellen Diskussionen über die Kosten der Eingliederungshilfe tritt das Spannungsfeld zwischen kurzfristigen Einsparungen und langfristig wirkender Prävention zu Tage. Warum sogenannte Vorhalteleistungen zur Stabilität von Klient*innen beitragen und Kosten vermeiden.

Soziale Arbeit unterstützt in Krisen. Wer sie jedoch allein auf diese „Feuerwehrfunktion“ reduziert, verkennt ihre größte Stärke: die vorbeugende und langfristig stabilisierende Wirkung. Diese präventive Kraft wird von Leistungsträgern häufig unterschätzt, obwohl sie durch verlässliche und planbare Finanzierung entscheidend dazu beitragen kann, künftige Kosten zu vermeiden.

Rechtzeitig handeln und wirksam helfen

Krisen gehören zum Leben. Jede dritte Person erlebt im Laufe des Lebens eine psychisch belastende Situation, in der sie professionelle Unterstützung in Anspruch nimmt. Fachkräfte wie das Team des Gutshofs Stötteritz unterstützen Menschen mit chronisch psychischer Erkrankung. Dessen Geschäftsführer Kirk Peiffer dazu: „Viele Menschen kommen erst zu uns – mit verdeckten Bedarfen und nach vielen gescheiterten Kontakten im Hilfesystem. Häufig haben sie das Vertrauen in Unterstützung verloren. Am Anfang geht es daher vor allem darum, Sicherheit zu geben und Verlässlichkeit zu zeigen. Wenn jemand spürt, dass er angenommen ist und nicht gleich wieder weitergeschickt wird, öffnet sich langsam ein Weg.“

Gerade in dieser Phase braucht es niedrigschwellige, flexible und verlässliche Begleitung, oft nur für eine begrenzte Zeit. Vorhalteleistungen schaffen genau diesen Raum: Sie halten Kontakte offen, bauen Vertrauen auf und verhindern, dass sich Probleme verfestigen.

Prävention schützt Menschen und entlastet Systeme

Komplexe Fälle entstehen selten plötzlich. Ein anfänglich überschaubarer Unterstützungsbedarf weitet sich aus, weil frühzeitige und verlässliche Unterstützung fehlt und Krisen sich verschärfen. Genau hier setzen Beziehungsarbeit und Vorhalteleistungen an.

Diese präventiven Strukturen werden dringend gebraucht. Teure Klinikplätze und Intensivangebote sind in der Regel ausgelastet und dennoch bestehen hohe Bedarfe.
Viele Menschen verbleiben in Kliniken, weil sie keine geeignete Anschlussunterstützung finden können. Das darf nicht sein. Gut aufgestellte Vorhaltestrukturen schaffen Übergänge, sichern Beziehungsräume und verhindern, dass Menschen im Hilfesystem verloren gehen.

Prävention rechnet sich

Vorhalteleistungen sind auch wirtschaftlich sinnvoll. Ein Tag in der Psychiatrie kostet im Schnitt bis zu 450 Euro, ein Tag in einer ambulanten Präsenzstruktur etwa 25 Euro. Bereits ein einziger vermiedener Kliniktag finanziert über zwei Wochen präventiver Unterstützung, meist auf die Zeit begrenzt, in der Menschen beim Ankommen und in Übergängen besondere Hilfe benötigen.

Kommunale Haushalte sind stark belastet. Dass alle Beteiligten in den Verhandlungen zum Rahmenvertrag genau prüfen, wem welche Leistung zusteht und was tatsächlich gebraucht wird, ist nachvollziehbar und gesetzlich richtig.

Kurzsichtig wäre es jedoch, ausgerechnet die Finanzierung der Vorhalteleistungen infrage zu stellen. Wird diese Struktur vernachlässigt, steigen langfristig die finanziellen und gesellschaftlichen Folgekosten, weil Hilfen dann oft erst greifen, wenn Situationen bereits eskaliert sind und der Unterstützungsbedarf deutlich größer geworden ist.

Vorhalteleistungen müssen im Rahmenvertrag berücksichtigt werden

Gemeinsam mit dem Landesverband Gemeindespsychiatrie setzt sich der Paritätische dafür ein, dass Vorhalteleistungen weiterhin verbindlich im Landesrahmenvertrag verankert werden. „Wir wollen keine teureren Strukturen. Wir wollen wirksamere“, sagt Anne Cellar, Referentin für Teilhabe des Paritätischen Sachsen: „Der klügste Weg, Kosten zu senken, ist Krisen zu vermeiden. Beziehungsarbeit und Verlässlichkeit sind dabei das stärkste Mittel, das wir haben. Und sie funktionieren.“

Positionspapier zu komplexen Unterstützungsleistungen bietet Handlungsoptionen

Die Forderung nach Erhalt der Vorhalteleistungen ist ein Aspekt, den das gemeinsame Positionspapier „Komplexe Unterstützungsleistungen“ des Landesverbandes Gemeindepsychiatrie und des Paritätischen Sachsen betont. Es weist auf bestehende Versorgungslücken und fehlende Koordination zwischen Kliniken, Suchtberatung, Eingliederungshilfe und Sozialpsychiatrischem Dienst hin. Übergänge müssen deshalb besser abgesichert werden – durch verlässliches Fall- und Entlassmanagement und kurzfristige Rückkehrplätze. Dafür gibt es auch in Sachsen bereits gute Modelle.

Das gemeinsame Positionspapier „Komplexe Unterstützungsleistungen“ des Landesverbandes Gemeindepsychiatrie und des Paritätischen Sachsen lesen Sie hier.


Sie haben Fragen oder wollen sich austauschen?

Anne Cellar (Referat Teilhabe)
Tel.: 0351 – 828 71 150
E-Mail: anne.cellar(at)parisax.de

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news-11726 Thu, 05 Mar 2026 16:01:55 +0100 Statement: Kooperation von Hort und Grundschule sachsenweit stärken https://parisax.de/aktuelles/aktuelles-artikelansicht/news/statement-kooperation-von-hort-und-grundschule-sachsenweit-staerken/ Das Sächsische Staatsministerium für Kultus (SMK) gab heute die Fortführung des Modellprojektes „Ganztagspiloten“ bekannt. Das Projekt soll die Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und Hort verbessern. Der Paritätische Sachsen begrüßt die Entscheidung des SMK und fordert gleichzeitig stärkere Anstrengungen, um die bessere Kooperation von Hort und Grundschule auch in die Fläche zu bringen. Das Sächsische Staatsministerium für Kultus (SMK) gab heute die Fortführung des Modellprojektes „Ganztagspiloten“ bekannt. Das Projekt soll die Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und Hort verbessern. Der Paritätische Sachsen begrüßt die Entscheidung des SMK und fordert gleichzeitig stärkere Anstrengungen, um die bessere Kooperation von Hort und Grundschule auch in die Fläche zu bringen.

Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen sagt dazu:

„Die bessere Verzahnung von Grundschule und Hort ist wichtig. In der Regel fehlt eine systematische und gleichberechtigte Zusammenarbeit. Pädagogische Synergieeffekte bleiben somit ungenutzt. Eltern berichten von Doppelstrukturen. Kinder erleben oft zwei verschieden funktionierende Welten. Die Ganztagspiloten sind daher ein wichtiger Schritt, die Kooperation beider Lernorte zu verbessern. Allerdings profitieren Hortkinder seit 2022/2023 lediglich an den 11 Modellstandorten von einer systematisch verbesserten Zusammenarbeit zwischen Schule und Hort.“

Der Landesgeschäftsführer fordert ein entschiedenes Handeln des Freistaates:

„Es braucht aus Sicht des Paritätischen einen landesweiten Prozess, damit alle Grundschulkinder endlich einen Ganztag aus einem Guss erleben. Im Zusammenhang mit dem ab August 2026 geltenden Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung, hatten wir daher eine deutliche Qualitätsoffensive des Freistaates erwartet und auch Vorschläge unterbreitet.

Das professionelle Zusammenwirken von Schulen und Horten sollte in Sachsen über ein Rahmenvertrag auf Landesebne gestaltet werden. Darin sind Ziele, Aufgaben und Verantwortungen zwischen Schulen und Horten zu benennen und die jeweiligen Fachkompetenzen zu achten. Das schafft Handlungssicherheit vor Ort. Das SMK muss einen Dialog mit Schulen und Hortträgern initiieren, um sich gemeinsam über die Inhalte einer solchen Vereinbarung zu verständigen. Dabei sollten die Ergebnisse des Modellprojektes mit einfließen.“


Ein Interview mit Nicole Lawrenz, Bildungsreferentin des Paritätischen Sachsen, zur Weiterentwicklung des Ganztagsangebotes in Sachsen lesen sie hier.

Informationen der Liga der freien Wohlfahrtspflege zum Thema Ganztag lesen Sie auf der Webseite der Liga.

Die Meldung des SMK zur Fortsetzung des Modellprojektes Ganztagspiloten lesen Sie im Medienservice des Freistaates Sachsen.


Der Paritätische Wohlfahrtsverband ist der größte Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege in Sachsen. Rund 500 Mitgliedsorganisationen betreiben sachsenweit etwa 2100 Einrichtungen und Dienste der Sozial- und Bildungsarbeit. Mit rund 650 Einrichtungen steht der Paritätische Sachsen im Freistaat für die größte Anzahl an Angeboten der frühkindlichen Bildung in freier Trägerschaft – darunter auch Horte.

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