Freiwillige aus Tschechien als Fachkräfte von morgen

In den Grenzregionen zu Polen und zur Tschechischen Republik gehört das Zusammenleben mit den jeweiligen Nachbarn zum Alltag. Das Freiwilligenprojekt „ZusammmenWachsen in Europa“ setzt darauf, tschechische Freiwillige für soziale und pädagogische Berufe in Deutschland zu begeistern.

Symbolbild Gemeinschaft & Erfolg© Syda Productions
23.09.2026
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Erstellt von Thomas Neumann, Referent Verbandskommunikation | Pressesprecher

Im September 2024 begann bei den Paritätischen Freiwilligendiensten Sachsen mit ‚ZusammenWachsen in Europa‘ ein weiteres internationales Freiwilligenprojekt. „Über ‚ZusammenWachsen‘ kommen junge Menschen aus Tschechien nach Sachsen und arbeiten hier in Sozial- und Bildungseinrichtungen mit. Der Fokus liegt dabei auf der beruflichen Orientierung mit der Perspektive, im jeweiligen Einsatzbereich eine Ausbildung zu beginnen“, erklärt Maria Hille, Bereichsleiterin Jugendfreiwilligendienste. „Schon bei unseren bisherigen internationalen Freiwilligenformaten waren die polnischen und tschechischen Freiwilligen daran interessiert, berufliche Perspektiven kennenzulernen. Mit ‚ZusammenWachsen‘ machen wir ein entsprechendes Angebot und sehen das Format ganz klar als Türöffner in die Sozial- und Bildungsberufe. Die Freiwilligen erhalten Hilfe beim Ankommen in Deutschland und begleitend fachspezifische sowie berufsorientierende Bildungsangebote. Zudem werden sie nach Ende ihres Freiwilligendienstes beim Übergang ins Berufsleben sowie bei der Anerkennung ihrer Bildungsabschlüsse unterstützt.“

Die Sprache als Herausforderung und Chance

Doch nicht nur die Freiwilligen finden diesen Ansatz ansprechend. Vor dem Hintergrund des Fachkraft- und Personalbedarfs ist ,ZusammenWachsen‘ eine gute Möglichkeit, Verstärkung für das eigene Team zu gewinnen. Mit Erfolg, wie das Beispiel der Dresdner Kita des cocolores e.V. zeigt.

Einrichtungsleiterin Christine Renger konnte bereits viele Erfahrungen mit dem Einsatz ausländischer Freiwilliger sammeln. „Wir erleben die Zusammenarbeit mit den Freiwilligen als sehr bereichernd. Sie kommen mit ein bisschen Lampenfieber, aber mit großer Motivation und Neugier nach Deutschland und zu uns als Einsatzstelle. Sie sind bereit, schnell zu lernen und freuen sich über neue Erfahrungen. Oft ist der Start noch herausfordernd. Vieles ist fremd und sie können sich noch nicht richtig ausdrücken. Einige wollten dann doch lieber wieder nach Hause. Aber die Kinder helfen, diese Anfangsschwierigkeiten schnell zu überwinden. Sie kommunizieren unkompliziert mit Händen und Füßen und zeigen uns, wie einfach das Miteinander funktioniert, auch wenn man nicht dieselbe Sprache spricht“, berichtet die Einrichtungsleiterin. Diese Beziehungen und Erfahrungen seien oft prägend und manchmal gingen sie auch über das Freiwilligenjahr hinaus. Die jungen Leute verlängern ihren Einsatz im Kinderhaus, nutzen ein anderes Format für eine kurzzeitige Anstellung oder entscheiden sich für eine Ausbildung im pädagogischen Bereich.

Freiwilligendienst als Instrument der Fachkraftgewinnung

Positive Erfahrungen sammelte auch die Heilpädagogische Schule Bonnewitz. Anfangs gab es mitunter Vorbehalte oder Unsicherheiten im Team. „Bedenken vor der Zusammenarbeit gab es vor allem hinsichtlich möglicher Sprachbarrieren und darüber, wie die Verständigung im Arbeitsalltag funktionieren soll“, erinnert sich Anja Winkler, die bei der Heilpädagogik-Bonnewitz gGmbH die Freiwilligen in den Einrichtungen des Trägers begleitet. Sprachliche Herausforderungen gab es durchaus, aber nicht in dem Umfang, wie einige befürchtet hatten.

„Wir arbeiten schon lange mit Freiwilligen aus dem Nachbarland. Die meisten haben Deutsch in der Schule gelernt und sprechen deshalb gut und verständlich. Im Arbeitsalltag machen sie schnell Fortschritte und verstehen uns Sachsen immer besser. Unser Dialekt kann für Menschen aus dem Ausland eine Herausforderung sein. Es hilft also beiden Seiten, wenn wir langsam und deutlich sprechen. Zudem nutzen wir Übersetzungsprogramme, um Dokumente oder Protokolle schnell in die jeweils andere Sprache zu übertragen“, fasst Anja Winkler die Erfahrungen der letzten Jahre zusammen.

Inzwischen gehört der internationale Freiwilligendienst fest in den Werkzeugkasten der Nachwuchsgewinnung des Trägers. In den zurückliegenden Jahren ist es mehrfach gelungen, junge Menschen nicht nur für einen Beruf im sozialen Bereich zu gewinnen, sondern direkt an die Heilpädagogik-Bonnewitz zu binden. Anja Winkler meint dazu: „Wir haben den Eindruck, dass die ausländischen und speziell die tschechischen Freiwilligen sehr motiviert und mit einem Plan für ihre Zukunft an den Freiwilligendienst herangehen. Oft haben sie Abitur und wollen studieren. Einige studieren sogar parallel. So hat beispielsweise eine junge Frau nach ihrem Uni-Abschluss bei uns als Fachkraft angefangen. Ein junger Mann arbeitet seit drei Jahren als Springer bei uns. Sehr viele ausländische Freiwillige entscheiden sich für unsere berufsbegleitende Ausbildung. Wir gewinnen über den Freiwilligendienst erfolgreich Nachwuchs.“

Junge Menschen als zukünftige Fachkräfte für die eigene Einrichtung

‚ZusammenWachsen‘ bietet mehr als nur den Freiwilligendienst. Neben dem bereits erwähnten berufsspezifischen Bildungsprogramm für Freiwillige berät und begleitet das Projektteam die Einsatzstellen bei praktischen und interkulturellen Fragen. Zudem wird die Zusammenarbeit mit tschechischen Universitäten angeregt, um das Bewusstsein für Berufsperspektiven in Deutschland zu erhöhen. Einerseits stärkt dies die innereuropäische Mobilität und andererseits wird der Übergang vom Freiwilligendienst ins Studium unterstützt. Am Ende steht ein Gewinn für alle: Junge Menschen finden in den Beruf und Einsatzstellen gewinnen Fachkräfte, die sich aufgrund ihres Freiwilligendienstes bewusst für ihre ehemalige Einsatzstelle entscheiden.

Das Projekt „ZusammenWachsen in Europa“ läuft noch bis August 2027. Es wird im Rahmen des EU-Programms Interreg Sachsen-Tschechien 2021-2027 aus Mitteln der Europäischen Union, der Tschechischen Republik und des Freistaates Sachsen gefördert.

Das Projekt „ZusammenWachsen in Europa“ läuft noch bis August 2027. Es werden immer wieder Einsatzstellen gesucht. Sie haben Interesse oder Fragen? Wenden Sie sich bitte an das Projektteam.

Kontakt und Informationen auf www.freiwillig-jetzt.de

Das Projekt wird von der Europäischen Union über das Programm Interreg kofinanziert.

Logo der EU-Förderung Interreg© Europäische Union

Der Artikel erschien zuerst in der Ausgabe September 2025 des Verbandsmagazins anspiel.