Gewalt in der Pflege: Haltung, Prävention und gute Rahmenbedingungen stärken

Gewalt in der Pflege ist längst kein Tabuthema mehr. Unterschiedliche Ansätze helfen dabei, sie wirksam zu verhindern, pflegebedürftige Menschen zu schützen und Beschäftigte zu stärken. Und dennoch bleiben Aufgaben offen, stellten der Paritätische Sachsen bei einer Anhörung im Sächsischen Landtag und die Liga der Freien Wohlfahrtspflege auf einen Fachtag fest.

Symbolbild Pflege und Fürsorge© Azeemid - stock.adobe.com
06.10.2026
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Erstellt von Claudia Österreicher, Referentin Pflege | Altenhilfe | Hospiz

Bei der Anhörung vor dem Sozialausschuss des Sächsischen Landtags im August 2026 wurde deutlich: Gewalt ist in der Pflege eine reale Herausforderung, die pflegebedürftige Menschen, An- und Zugehörige, Beschäftigte und Einrichtungen gleichermaßen betrifft. Der Paritätische Sachsen war in Person seiner Fachreferentin als Sachverständiger geladen. In ihrem Beitrag betonte sie, dass es anstelle zusätzlicher Kontroll- und Meldeverfahren wirksamer Gewaltprävention bedürfe. Prävention, Beteiligung und Beratung seien ebenso wichtig wie Rahmenbedingungen, die Pflegeeinrichtungen und -dienste dabei unterstützen, Gewalt vorzubeugen und bestehende Schutzkonzepte im Alltag auch umsetzen zu können.

Gewaltprävention auch im häuslichen Umfeld nötig

Zudem spielen niedrigschwellige Beschwerdemöglichkeiten sowie die Beteiligung und Unterstützung pflegebedürftiger Menschen und ihrer Zu- und Angehörigen eine wichtige Rolle, da ein Großteil der Pflege im häuslichen Umfeld stattfindet. Folglich muss Gewaltprävention auch dort ansetzen. Pflegende An- und Zugehörige benötigen frühzeitig vertrauensvolle und professionelle Begleitung, lange bevor Überlastungssituationen entstehen. Pflegeberatungsbesuche durch professionelle Pflegedienste können dabei Orientierung geben, Ängste nehmen und Hilfen aufzeigen.

Mit Blick auf die kommende Pflegereform heißt dies, bewährte Beratungs- und Unterstützungsangebote zu erhalten und weiterzuentwickeln. Häufig sind Pflegefachkräfte die einzigen regelmäßigen Ansprechpersonen im häuslichen Umfeld. Es benötigt flankierend Anlaufstellen und Angebote, die die Fragen und Sorgen der pflegenden Menschen aufnehmen und so Gewalt aus Überlastungssituationen heraus verhindern helfen. 

Fachtag diskutiert Lösungsansätze: Eine klare Haltung hilft

Die in der Anhörung benannten Herausforderungen und Lösungsansätze standen auch im Mittelpunkt des Liga-Fachtages „Haltung zeigen – Gewalt begegnen – Pflegekultur stärken“ im September 2026 in Dresden. Rund 125 Fach- und Führungskräfte aus der Altenhilfe diskutierten dort über Gewaltprävention, Schutzkonzepte und eine gewaltsensible Pflegekultur. Fachliche Impulse, Workshops und Themenforen vertieften unterschiedliche Facetten des Themas.

Gewalt in der Pflege bewegt das Arbeitsfeld, was sich an den vielen angeregten Diskussionen aller Beteiligten zeigte. Einigkeit bestand darin, dass Gewalt viele Erscheinungsformen haben kann und sowohl pflegebedürftige Menschen, Zu- und Angehörige als auch Mitarbeitende betrifft. Dass Gewaltprävention nicht erst bei Kontrolle oder Sanktionen beginnt, sondern durch Aufmerksamkeit, Reflexion, Beteiligung und eine Kultur des respektvollen Miteinanders, fand ebenfalls breiten Konsens.

Im Mittelpunkt des Fachtages stand demnach die Frage nach der Haltung. Schutzkonzepte und rechtliche Vorgaben sind wichtige Grundlagen, entfalten ihre Wirkung jedoch erst dann, wenn sie von Mitarbeitenden, Führungskräften und Organisationen aktiv gelebt und getragen werden. Dazu gehören eine offene Kommunikations- und Fehlerkultur, Handlungssicherheit in belastenden Situationen sowie die Möglichkeit, Überforderung frühzeitig anzusprechen.

Thema Gewalt weiter im Blick behalten

In den letzten Jahren hat sich auf diesem Gebiet bereits viel entwickelt. Die Erfahrungen bündelnd, werden der Paritätische Sachen und die Verbände der Liga der Freien Wohlfahrtspflege zusammen mit ihren Mitgliedsverbänden nun eine gemeinsame fachliche Haltung zur Gewaltprävention in der Pflege erarbeiten.  Der Prozess soll gute Praxis sichtbar zu machen, die Voraussetzungen für eine respektvolle, sichere und menschenwürdige Pflege weiterentwickeln und somit Prävention stärken. Ziel bleibt dabei, eine Pflegekultur zu fördern, die Würde, Selbstbestimmung und Sicherheit in den Mittelpunkt stellt.

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Claudia ÖsterreicherReferentin Pflege | Altenhilfe | Hospiz

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