Interview: Generationenarbeit ist Chance für eine alternde Gesellschaft 

Die Sächsische Generationenagentur möchte Brücken zwischen den Generationen bauen und Neues aus dem Miteinander erwachsen lassen. Wir sprachen darüber mit der Geschäftsführerin Manuela Thomas. 

Manuela Thomas© Julia Funke
21.09.2026
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Erstellt von Thomas Neumann, Referent Verbandskommunikation | Pressesprecher

Frau Thomas, wofür braucht es eine Sächsische Generationenagentur? 

Manuela Thomas: Eigentlich müsste die Frage lauten: Warum haben wir uns so lange keine Sächsische Generationenagentur geleistet? Denn ich glaube, wir machen einen Fehler: Wir reden ständig über den demografischen Wandel, aber viel zu selten darüber, was wir daraus machen können, gerade in den ländlichen Regionen Sachsens. Älter werden ist doch nicht das Problem. Die entscheidende Frage ist vielmehr: Wie reagieren wir als Gesellschaft darauf? 

Mich stört, dass Generationenarbeit häufig in die soziale Ecke gestellt wird. Als ginge es dabei ausschließlich um Seniorinnen und Senioren oder um klassische Ehrenamtsprojekte. Dabei entscheidet sich die Zukunft unserer Gesellschaft genauso in Unternehmen, in Rathäusern, in Schulen, auf dem Wohnungsmarkt oder bei der Entwicklung neuer Technologien. Überall dort treffen unterschiedliche Generationen aufeinander mit unterschiedlichen Erfahrungen, Erwartungen und Blickwinkeln. Generationenarbeit ist kein isoliertes Thema, sondern zieht sie sich wie ein roter Faden durch fast alle gesellschaftlichen Bereiche. 

Sie beginnt immer dort, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen und unterschiedliche Perspektiven zulassen. Hier setzt die Sächsische Generationenagentur an. Wir bringen Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zusammen, machen gute Beispiele sichtbar und unterstützen dabei, Ideen aus den Regionen weiterzuentwickeln. Denn gute Lösungen entstehen selten am Schreibtisch. Sie entstehen dort, wo wir miteinander ins Gespräch kommen. 

Am Ende geht es für mich um eine einfache Frage: Was gewinnen wir, wenn Generationen miteinander Zukunft gestalten? Ich bin überzeugt: sehr viel. 

Wie gut funktioniert das generationenübergreifende Miteinander in Sachsen? 

Manuela Thomas: Wir reden oft an der Realität vorbei. Es gibt diese Erzählung von den Alten gegen die Jungen oder umgekehrt. Sicher gibt es Konflikte zwischen Generationen, aber ich glaube nicht an den Generationenkonflikt. Ich denke, dass Konflikte dort entstehen, wo Menschen einander nicht mehr begegnen oder keinen gemeinsamen Bezugspunkt haben. 

Generationenarbeit bedeutet für mich deshalb auch viel mehr als Jung und Alt zusammenzubringen. Dazwischen liegen viele Lebensphasen. Entscheidend ist nicht das Geburtsjahr, sondern wofür wir zusammen. Bei gemeinsamen Anliegen treten Altersunterschiede meistens schnell in den Hintergrund. 

Genau solche Beispiele begegnen mir in Sachsen jeden Tag. Menschen übernehmen Verantwortung, lernen voneinander und entwickeln gemeinsam Lösungen für ihre Region. Das passiert meist fernab der großen Schlagzeilen und das muss sich ändern. 

Was verbirgt sich hinter ihrem Programm Generationenbotschafter und wer kann dabei mitmachen? 

Manuela Thomas: Derzeit engagieren sich 16 Generationenbotschafterinnen und Generationenbotschafter in den ländlichen Regionen Sachsens. Das Besondere ist: Sie kommen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen: aus Unternehmen, Kommunen, Vereinen, Bildung, Gesundheit oder dem Ehrenamt. Genau diese Vielfalt macht das Programm aus.  

Unsere Generationenbotschafter kennen ihre Region. Sie wissen, welche Themen die Menschen bewegen, wo gute Ideen entstehen und wo Unterstützung gebraucht wird. Für uns sind sie deshalb eine wichtige Schnittstelle in die Regionen. Sie bringen Erfahrungen aus ihrer Praxis in die Weiterentwicklung unserer Arbeit ein und tragen gleichzeitig neue Impulse der Sächsischen Generationenagentur wieder zurück in ihre Landkreise. 

Vor Ort können sie beispielsweise ein eigenes Generationenbudget nutzen, Transferworkshops oder Generationendialoge anstoßen und Menschen aus unterschiedlichen Bereichen miteinander vernetzen. Gleichzeitig profitieren sie selbst vom Austausch im landesweiten Netzwerk. Dort lernt der Unternehmer von der Sozialpädagogin, die Bürgermeisterin vom Vereinsvorsitzenden oder die Wissenschaft von der Praxis. Genau so entsteht der Blick über den eigenen Tellerrand. 

Mitmachen kann grundsätzlich jede und jeder ab 18 Jahren, der sich auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegt, Verantwortung für seine Region übernehmen möchte und Freude daran hat, Menschen zusammenzubringen. Wir suchen keine Superhelden. Wir suchen Menschen, die zuhören und gemeinsam mit anderen etwas bewegen wollen. 

Frau Thomas, wir danken Ihnen für das Gespräch.  

Informationen zur Sächsischen Generationenagentur finden Sie auf der Webseite www.generationen-in-sachsen.de

Zur Person: Manuela Thomas ist Geschäftsführerin der Soziales Netzwerk Lausitz gGmbH, einer Mitgliedsorganisation des Paritätischen Sachsen. Zudem leitet sie seit 2025 die Sächsische Generationenagentur, die durch die Organisation im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt umsetzt wird.