Wachsender Druck auf Angebote und Fachkräfte
In den Diskussionen in Dresden, Chemnitz und Leipzig wurde deutlich, wie sehr die Arbeit freier Träger unter Druck steht. Träger sehen sich mit wachsenden Verwaltungsaufgaben konfrontiert und erleben gleichzeitig deutlich schwierigere finanzielle Rahmenbedingungen: Zuwendungsbescheide kommen verspätet, bewilligte Mittel werden nicht vollständig ausgezahlt, Haushaltssperren erschweren die Arbeit. Trotz bestehenden Bedarfs werden Angebote aus fiskalischen Gründen reduziert – ein Dilemma, das Fachkräfte täglich spüren, die den fachlichen Ansprüchen immer schwerer gerecht werden können.
Die Folgen zeigen sich zunehmend in der sozialen Infrastruktur: Verfahren dauern länger, Entscheidungen werden vertagt und Hilfen kommen vielerorts nicht in der Verlässlichkeit an, die für wirksame Unterstützung notwendig ist. Gleichzeitig werden Angebote trotz bestehender Bedarfe eingeschränkt oder neu verhandelt, wodurch auch Engagementstrukturen vor Ort geschwächt werden. Konflikte zwischen Verwaltung und freien Trägern treten dabei häufiger offen zu Tage. Das zeigt zum Beispiel die Kündigung der Grundsatzvereinbarung für Kindertageseinrichtungen durch die Verwaltung in Leipzig. Insgesamt verschiebt sich der politische Fokus spürbar – weg von bedarfsorientierten Lösungen hin zu überwiegend fiskalischen Erwägungen.
Christian Kamprad, Landesvorsitzender des Paritätischen Sachsen, betont: „Wir beobachten, dass Bildungs- und Sozialarbeit zunehmend unter Finanzierungsvorbehalt gestellt wird. Dabei geht es um Menschen – um Kinder, Familien und Senior*innen - die wir mit unserer Arbeit im Alltag unterstützen. Dieser Entwicklung müssen wir etwas entgegensetzen und deutlich machen: Starke Regionen brauchen eine starke soziale Infrastruktur. Unsere Angebote sind ein wichtiger Anker für die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit vor Ort."
Kooperation und Sozialraumorientierung als Antwort
In den Gesprächen wurde deutlich, dass die Veränderungen vor Ort neue Kooperationen erfordern, ebenso wie eine vorausschauende Planung. Regionale Herausforderungen lassen sich nicht isoliert lösen. Die Teilnehmenden sprechen sich für eine sozialraumorientierte Planung aus, die Bedarfe ämterübergreifend betrachtet – statt in den starr segmentierten Budgetlogiken einzelner Ämter zu verharren.
Die Wirkung sozialer Arbeit muss sichtbarer gemacht werden. Ebenso sind die Folgen von Kürzungen konkreter aufzuzeigen. Errungene Standards wie Tariflöhne sind zu sichern. Wo Nachfrage zurückgeht – etwa in der Kindertagesbetreuung – sollen entstehende Spielräume gezielt für Qualitätsverbesserungen geschaffen werden, statt Angebote ungesteuert abzubauen. Die Mitgliedsorganisationen wünschen sich, dass der Verband noch stärker als Moderator und Brückenbauer zwischen Trägern, Verwaltung und Politik wirkt, um Lösungen zu finden. Dazu gehört auch: selbstbewusst aufzutreten und Grenzen des Machbaren klar zu benennen.
Den Austausch ausbauen – zielorientiert und praxisnah
Die Mitgliedsorganisationen sehen den Bedarf an praxisnahen, zielorientierten Formaten, wie beispielsweise Adhoc-AGs zu Finanzierungsfragen und trägerübergreifende Netzwerke, die auf regionale Entwicklungen schneller reagieren können.
„Was wir auf den Regionalkonferenzen gehört haben, bestärkt uns. Regionale Entwicklung und starke Sozialräume sind ein Schwerpunkt im Zukunftskonzept Parität 2030“, sagt Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Sachsen, mit Blick auf die weitere Arbeit. „Der Rahmen steht, jetzt gehen wir in die Umsetzung: Wir bündeln das Wissen aus den Regionen, vernetzen die Mitgliedsorganisationen und setzen uns für starke Sozialräume in ganz Sachsen ein.“
