Herr Remsperger, Sie leiten die Selbsthilfegruppe „Dresdener HaMSter“ seit ihrer Gründung. Was hat Sie damals motiviert?
Daniel Remsperger: Ich hatte zunächst schlechte Erfahrungen mit Selbsthilfe gemacht. Bei der Gründung unserer Gruppe habe ich deshalb gesagt: Ich mache mit, aber nur, wenn es eine echte Selbsthilfegruppe wird – und keine „Daniel-hilft-Gruppe“, in der einer gibt und die anderen nur nehmen. Denn mir war wichtig, dass wir gemeinsam Lösungen finden und konstruktiv mit unserer Erkrankung umgehen.
Was gehört zu Ihren Aufgaben als Gruppenleiter?
Daniel Remsperger: Ich kümmere mich um das Organisatorische und Finanzielle: Gruppentreffen planen, gemeinsame Aktivitäten koordinieren sowie Fördermittel und Spenden beschaffen. Aber ich versuche nicht, alles an mich zu ziehen – die Gruppe soll selbst Verantwortung übernehmen. Selbsthilfe lebt schließlich davon, dass alle mitgestalten.
Was macht für Sie eine gute Gruppenleitung aus?
Daniel Remsperger: Dass sie die Gruppe zusammenhält. Es geht darum, auf die Mitglieder einzugehen und darauf zu achten, dass alle ihren Platz finden. Organisationstalent und Mut gehören genauso dazu wie ein offenes Ohr. Deshalb sind für mich kleinere Gruppen mit maximal zwölf Personen ideal - nur so kann ich jede*n Einzelne*n im Blick behalten.
Welche Momente bleiben Ihnen besonders in Erinnerung?
Daniel Remsperger: Unsere gemeinsamen Wochenenden und Ausflüge. Ob Begegnungen mit anderen Selbsthilfegruppen, Kochkurse oder tiergestützte Therapie – solche Erlebnisse verbinden. Oft sprechen die Mitglieder noch lange darüber. Das zeigt mir, wie wichtig gemeinsame Erfahrungen neben den Gesprächsrunden sind.
Was ist die größte Herausforderung?
Daniel Remsperger: Wie in den meisten Selbsthilfegruppen liegt viel Verantwortung auf wenigen Schultern. Ich merke inzwischen selbst, dass manche Aufgaben durch meine Multiple Sklerose schwieriger werden. Deshalb wünsche ich mir, dass sich mehr Menschen trauen, Verantwortung zu übernehmen.
Was bedeutet Selbsthilfe für Sie persönlich?
Daniel Remsperger: Zu erleben, dass ich nicht allein bin. In der Gruppe kann ich Fragen stellen, Erfahrungen austauschen und von Menschen lernen, die ähnliche Situationen kennen. Das direkte Gespräch ist für mich oft wertvoller als jede Information aus dem Internet.
Interview: Mandy Fleer, Mitarbeiterin Öffentlichkeitsarbeit Weiterbildungsprojekte
Veranstaltungshinweis Selbsthilfeakademie Sachsen
Wie können Sie Gruppentreffen moderieren, schwierige Situationen meistern und die Beteiligung in Ihrer Gruppe fördern? Antworten darauf gibt das Seminar „Verantwortung in Selbsthilfegruppen übernehmen“ der Selbsthilfeakademie Sachsen am 19. September 2026 von 11 bis 14 Uhr in Zwickau.
