Unter dem Arbeitstitel „Kita-Kompass Sachsen 2030“ wurde eine verbandsinterne Initiative in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Volkssolidarität initiiert. Am 16.06.2025 fand die erste Austauschrunde statt.
Trotz oder gerade wegen sinkender Kinderzahlen wollen wir uns als Verband auch in Zukunft für familienfreundliche Kommunen in Sachsen stark machen. Denn in herausfordernden Zeiten sind auch immer schon neue Ideen entstanden und genau diese braucht es, damit die frühkindliche Bildung als wichtige sozial- und bildungspolitische Infrastruktur in Sachsen in den nächsten Jahren flächendeckend bestehen kann.
Sinkende Kinderzahlen – neue Ideen für sächsische Kitas, ein Weg aus dem Strukturabbau?!
Ganz sicher wird nicht jeder Kitastandort so weiter arbeiten können wie bisher, dafür sind die demographischen Einschnitte einfach zu groß. Unser Ziel ist es aber, die Expertisen des Bereichs Kita zu erhalten, Qualität weiter zu verbessern und unsere Mitgliedsorganisation in herausfordernden Zeiten aktiv zu stärken.
In einer gemeinsamen Initiative mit Dr.in Sophie Koch, Referentin für Kinder-, Jugend- und Familienpolitik vom Bundesverband der Volkssolidarität luden wir daher am 16.06.2025 in einem ersten Schritt alle Sächsischen Volkssolidaritäten zu einem ersten Austausch unter dem Arbeitstitel „Kita-Kompass Sachsen 2030“ ein. Fünf Stadt-, Kreis- und Regionalverbände der Volkssolidarität waren gekommen.
Aktuelle Situation und Erfahrungen mit den Kommunen
Den Austausch starteten wir mit einer Bestandsaufnahme. Die Träger berichteten von ihren Erfahrungen vor Ort.
Deutlich wurde, die Herausforderungen mit sinkenden Kinderzahlen sind angekommen, auch wenn die Trägervertreter*innen vielfach betonten, „dass man schon noch damit klar käme“. In der Praxis bedeutete dies bei fast allen aber schon jetzt Kürzung von Öffnungszeiten, herabsetzen der Arbeitsverträge auf ein Minimum an Stunden, keine Neueinstellungen bzw. befristet Einstellungen, keine berufsbegleitenden Ausbildungen mehr usw.
Die Beschreibungen waren zwischen den Regionen vergleichbar. Auch wenn einzelne Kitas derzeit noch voll ausgelastet sind, ist der Rückbau ein Trend im gesamten Flächenland Sachsen.
Die Erfahrungen der Träger mit den Kommunen sind zusammengefasst eher als wenig kooperativ zu beschreiben. Finanzverhandlungen werden härter und es ist vielfach unklar, welchen Kurs die Kommune selbst zum Thema Zukunft der Kitalandschaft einschlagen möchte. Bei einigen Kommunen entsteht der Eindruck einer klaren Bevorzugung ihrer eigenen Kitas gegenüber denen freier Träger. Insgesamt herrschen vielfach Intransparenz und Schweigen.
Neue Ideen vs. Tagesgeschäft
Nach der Bestandsaufnahme war es uns dann wichtig zu erfahren, inwiefern es bereits neue Ideen gibt, mit der aktuellen Situation umzugehen. Wie stellen sich die Träger die mittelfristige Entwicklung im Bereich Kita vor?
Hier waren die Ansätze sehr unterschiedlich. Angefangen von einem klaren Konkurrenzwettbewerb, bei dem man sich sehr deutlich von anderen Anbietern abheben will, bis hin zu Überlegungen zur Kombination von Leistungen unter dem Dach der jetzigen Kita. Genannt wurden hier z.B. die Kombination mit einer Inobhutnahme für Kinder, eine Seniorenbegegnung oder Angebote für Familien.
Insgesamt beschreiben die Träger allerdings auch aufgrund der herausfordernden Situation, stärker im Tagesgeschäft gefordert zu sein. Der Raum für neue Ideen ist demgegenüber, verständlicherweise, eher schmal.
Das Weiterdenken an neuen Überlegungen scheitere aber auch oft an bürokratischen Hürden, deren Abbau dann zu viel Kraft binden würden.
Gemeinsam Weiterdenken
Nach diesem ersten Austausch ist es unser Ziel, nun auf die Kommunen zuzugehen, um mehr Klarheit zu gewinnen. Welche Vorstellungen gibt es hier? Wie kann die Sächsische Kitalandschaft in Kooperation mit freien Trägern weiterentwickelt werden, um einen Abbau vergleichbar der 90er Jahre zu vermeiden? Zu erwarten ist, dass nicht jede sächsische Kommune dafür offen ist. Aber wir wollen jene an den Tisch bringen, die mit uns weiterdenken wollen. Wir werden hierfür das Gespräch mit dem Sächsischen Städte- und Gemeindetag suchen.
Ein zweiter Strang, soll sich mit konkreten Ideen der Träger befassen und Überlegungen, wie es gelingen kann diese Schritt-für-Schritt in eine Praxisreife zu überführen.
Zu fragen ist, wie könnte die Kita im betreffenden Sozialraum mit weniger Kindern weitergeführt werden?
Für September ist ein erneuter Austausch geplant.
Das Format soll für interessierte Mitglieder des Paritätischen geöffnet werden.
Hintergrund zur Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Volkssolidarität
Gemeinsam mit den sächsischen Volkssolidaritäten starteten wir den Prozess, da diese recht gut über Sachsen verteilt sind.
Der Bundesverband der Volkssolidarität verfügt über eine hohe Expertise zu Entwicklungen im Bereich Kita insbesondere im Osten Deutschlands. Schon länger besteht daher ein intensiver Kontakt zu Dr.in Sophie Koch, Referentin für Kinder-, Jugend- und Familienpolitik der Volkssolidarität. Gemeinsam mit ihr entwickelten wir die Idee zum „Kita-Kompass Sachsen 2030“ und bekommen dankenswerterweise auch personelle Unterstützung im Prozess.
Kontakt
Nicole Lawrenz (ehem. Börner)
Referentin Bildung
Telefon: 0351 - 828 71 152
E-Mail: nicole.lawrenz (at) parisax.de