BAGFW: Transformation zur Klimaneutralität in der Freien Wohlfahrtspflege ermöglichen

01.07.2024

Mit Fokus auf die Klimaneutralität hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) das Forderungspapier "Transformation zur Klimaneutralität in der Freien Wohlfahrtspflege ermöglichen" veröffentlicht und fordert Politik und Verwaltung zum handeln auf.

Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege haben sich zum Ziel gesetzt, den Weg zur Klimaneutralität in der Sozialen Arbeit konsequent voranzuschreiten. Sie möchten damit einen Beitrag zur Erreichung der deutschen Klimaziele leisten. Mit ihren über 120.000 Einrichtungen und Diensten, den über 100.000 Gebäuden, ihrer Mobilität und Beschaffung sind sie ein großer Hebel für den Klimaschutz.

Viele Organisationen der Sozialen Arbeit haben bereits begonnen, Maßnahmen des Klimaschutzes umzusetzen und würden gerne mehr tun. Sehr häufig scheitert die Umsetzung jedoch an den Rahmenbedingungen. Die wichtigsten Stellschrauben zur Verbesserung dieser Rahmenbedingungen wurden in folgenden Kernforderungen formuliert, die Sie auch einleitend dem Forderungspapier entnehmen können.

Überblick über die Kernforderungen

1. Sozialrechtliche Verankerung von Klimaschutz und Nachhaltigkeit notwendig
Die BAGFW fordert eine Verankerung von Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Sinne der globalen Nachhaltigkeitsziele in den Sozialgesetzbüchern, die gleichrangig zu anderen Zielen sein müssen. Leistungs-, Versorgungs- und Rahmenverträge zwischen den Leistungserbringern und Leistungsträgern müssen die nachhaltige Gestaltung der Dienstleistungen einfordern und gewährleisten.

2. Bessere Förderkulisse für gemeinnützige Einrichtungen schaffen
Die BAGFW fordert eine Einbindung in die Erstellung von Förderprogrammen für gemeinnützige Einrichtungen und deren Träger zur Umsetzung von Investitionen in Klimaschutz. Die aktuellen Förderprogramme sind in ihrer Ausgestaltung, z. B. im Hinblick auf die Förderquoten und Fördersummen, für gemeinnützige Träger häufig ungeeignet.

3. Gebäudebestand für die Zukunft fit machen
Die BAGFW fordert ein eigenständiges, den Bedarfen sozialer Träger angepasstes Förderprogramm für die energetische Sanierung der über 100.000 Gebäude im Bestand der Freien Wohlfahrtspflege. Die deutschen Gebäuderenovierungspläne und die Null-Emissions-Neubauvorgaben im Rahmen der europäischen Gebäuderichtlinie sollten als verbindliche Vorgaben für Planungen mit Kostenträgern gelten und dabei auch die Anreizproblematik adressieren, um die Wirtschaftlichkeit von Energieeinsparungen besser darstellen und konsequenter umsetzen zu können.

4. Flächendeckende Eigenenergieerzeugung ermöglichen
Die BAGFW fordert, rechtliche und finanzielle Hürden, die Investitionen in dezentrale erneuerbare Energieerzeugungen entgegenstehen, konsequent abzubauen. Der Gemeinnützigkeitsstatus darf durch Eigenenergieerzeugung nicht gefährdet sein.

5. Betriebliches Mobilitätsmanagement stärken
Die BAGFW fordert eine Erleichterung der Elektrifizierung der Fahrzeugflotten durch bessere steuerliche Rahmenbedingungen und eine besser den Bedürfnissen der gemeinnützigen Träger angepasste Förderung von Mobilitätskonzepten und dem betrieblichen Mobilitätsmanagement.

6. Nachhaltiges Verständnis von Wirtschaftlichkeit etablieren
Die BAGFW fordert, die Lebenszyklusbetrachtung in der Beschaffung als Standard der Wirtschaftlichkeitsanalyse von Kostenträgern zu etablieren. In der Refinanzierung von Investitionskosten müssen die Kosten der Nachhaltigkeit additiv berücksichtigt werden.

7. Eine gesundheits- und klimagerechte Gemeinschaftsverpflegung sicherstellen
Die BAGFW fordert, dass die Budgets in der Gemeinschaftsverpflegung mindestens eine Verpflegung nach den DGE-Qualitätsstandards und den verstärkten Einsatz von biologisch erzeugten Lebensmitteln ermöglichen.

Das vollständige Forderungspapier können Sie auf der Webseite der BAGFW herunterladen.


Mit dem Papier greift die BAGFW auch Kernforderungen des Paritätischen Sachsen nach einer besseren Förderkulisse für gemeinnützige Einrichtungen auf. Mit Blick auf die Landtagswahl formulierte der Paritätische Sachsen Sozial- und bildungspolitische Lösungen und priorisierte diese gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen. Als eines der wichtigsten Ziele wurde dabei eingestuft, dass gemeinnützige Organisationen bei der Bewältigung transformationsbedingter Aufgaben gefördert und begleitet werden müssen. Mit seinem Vorschlag zeigt der Verband die wichtigsten Handlungsfelder auf, die aus seiner Sicht dringend angegangen werden müssen.

Hier lesen Sie die Position "Gemeinnützige Akteure bei der Transformation fördern und begleiten"