Bericht aus dem Jugendhilfeausschuss im Landkreis Bautzen - Soziale Herausforderungen nehmen zu

Im Jugendhilfeausschuss wurden die aktuellen Entwicklungen im Bereich Hilfen zur Erziehung, Beratungen und Kindeswohlgefährdungen vorgestellt und auf komplexere Problemlagen hingewiesen. Trotz eines kurzzeitigen Rückgangs im Bereich HzE rechnet das Jugendamt mit weiterem Anstieg.

21.05.2025

Am 19. Mai 2025 tagte der Jugendhilfeausschuss im Landkreis Bautzen. Dabei wurden die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Hilfen zur Erziehung, Beratungen und Kindeswohlgefährdungen vorgestellt. Die Zahlen belegen: Die sozialen Problemlagen im Landkreis nehmen weiter zu – sowohl in der Komplexität als auch in der Häufigkeit.

Soziale Herausforderungen im Landkreis nehmen zu - Aktuelle Fallzahlen und Entwicklungstendenzen

Im Jahr 2024 bearbeitete das Jugendamt rund 1.300 Fälle von Kindeswohlgefährdung – ein Anstieg von etwa zehn Prozent gegenüber 2022. Auch für die kommenden Jahre rechnet das Amt mit einer ähnlichen Zunahme. Die Zahl der Beratungen stieg seit 2022 um ein Viertel auf 273 Fälle an. Besonders stark wuchs der Anteil der Erziehungsberatungen, die sich mehr als verdoppelt haben. Diese erfolgen häufig in Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnern wie der psychologischen Beratung oder der Schulsozialarbeit.

Während die Zahl der gewährten Hilfen zur Erziehung seit 2022 zunächst um 23 Prozent zurückging, rechnet das Jugendamt aufgrund der gestiegenen Beratungszahlen und der komplexeren Problemlagen mittelfristig mit wieder steigenden Fallzahlen. Auch der aktuelle Personalmangel durch einen Besetzungsstopp wirkt sich auf die Fallbearbeitung aus.

Ein Viertel aller Fälle weist mittlerweile drei oder mehr Zugangsgründe auf – das bedeutet, dass die Ursachen, warum Familien Unterstützung benötigen, vielfältiger und schwieriger geworden sind. Zu den häufigsten Auslösern zählen dissoziales Verhalten sowie seelische Problemlagen von Kindern und Jugendlichen, gefolgt von eingeschränkter Erziehungskompetenz der Eltern. Auch der Anteil an Fällen mit häuslicher Gewalt, psychischen Erkrankungen der Eltern oder Ablehnung des Kindes hat in den letzten zwei Jahren deutlich zugenommen.

Hilfen zur Erziehung unter Druck - Auswirkungen auf Fachpraxis und Kostenstruktur

Die steigende Komplexität schlägt sich auch in den Kosten nieder: Die Ausgaben für Hilfen zur Erziehung lagen 2024 bei rund 45 Millionen Euro – ein Plus von 25 Prozent gegenüber 2022.

„Diese Zahlen zeigen, dass wir es zunehmend mit herausfordernden Lebenslagen und komplexen Problemlagen in den Familien zu tun haben. Es ist wichtig, dass wir die Unterstützungsangebote fachlich wie personell stärken und die Perspektive der Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt stellen“, erklärt Daniel Fuchs, als Sprecher der AG Hilfen zur Erziehung im Landkreis Bautzen.

Pflegefamilien gesucht – Kampagne zeigt Wirkung

Auch im Bereich Pflegekinderarbeit intensiviert das Jugendamt seine Bemühungen. Mit der Kampagne „Warum nicht mich.“ werden gezielt Familien angesprochen, die sich vorstellen können, ein Pflegekind aufzunehmen. Die Resonanz ist positiv: Die Zahl der Teilnehmenden an Infoabenden hat sich vervierfacht, die Zahl der Erstgespräche nahezu verdoppelt. Die nächste Informationsveranstaltung findet am 2. September 2025 um 17.00 Uhr statt. Anmeldungen sind unter www.landkreis-bautzen.de/pflegeeltern  möglich.

„Die aktuellen Entwicklungen bestätigen, was bereits die Fachkräfte aus der Praxis mehrfach angemahnt haben: Die Herausforderungen steigen – und damit auch die Anforderungen an die Hilfesysteme. Als AG Hilfen zur Erziehung setzen wir uns weiterhin dafür ein, dass diese Realität auch in der Jugendhilfeplanung abgebildet und vorausschauend berücksichtigt wird“, so Daniel Fuchs abschließend.