Bericht zum Ausbau der ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangebote für Grundschulkinder veröffentlicht

Beim Ausbau der ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangebote für Grundschulkinder steht Sachsen im Bundesvergleich gut da. Der Bericht betont jedoch den Bedarf an qualitativer Weiterentwicklung der Angebote. Der Paritätische Sachsen spricht sich daher für Rahmenverträge zwischen Hort und Grundschule aus.

04.01.2024

Die Bundesregierung veröffentlichte zum Jahresende 2023 einen Bericht über den Ausbaustand der ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangebote für Grundschulkinder (GaFöG-Bericht) nach § 24a SGB VIII. Im Folgenden lesen Sie die zentralen Aussagen des Berichtes, spezifische Aussagen zum Sachstand in Sachsen sowie die Position des Paritätischen Sachsen zur qualitativen Entwicklung der Ganztagsbildung.

Der Bericht im Überblick

„Der erste GaFöG-Bericht umfasst im Wesentlichen die

  • Darstellung des Ausbaustands der Bildungs- und Betreuungsangebote für Kinder im Grundschulalter sowie des Bedarfs der Eltern an solchen Angeboten
  • Vorausberechnung des Ausbaubedarfs an Bildungs- und Betreuungsangeboten für Kinder im Grundschulalter bis zum Schuljahr 2029/2030
  • Darstellung und Analyse der Maßnahmen von Bund und Ländern zur Vorbereitung und Umsetzung des Rechtsanspruchs
  • Identifikation von Herausforderungen und Lösungsansätzen in der Umsetzung des Rechtsanspruchs sowie von Kernelementen zeitgemäßer Ganztagsbildung und -betreuung im Primarbereich anhand qualitativer Befragungen von Expertinnen und Experten“ (GaFöG-Bericht S.3)

Ergebnisse für Sachsen

Bildungs- und Betreuungsangebote für Grundschulkinder wurden im Osten Deutschlands durchschnittlich von 60% aller Schüler*innen dieses Alters genutzt, im Westen waren es nur 11%. In Sachsen lag die Quote mit 66% für Ostdeutschland am höchsten. (vgl. S. 10)

„Von der gesamtostdeutschen Entwicklung der Inanspruchnahmequote zwischen 2005/2006 und 2021/2022 – Anstieg bis etwa zur Mitte des letzten Jahrzehnts, danach Abflachung beziehungsweise Stagnation und erneuter Anstieg in den letzten Jahren – weichen vor allem die Entwicklungen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen teilweise ab. Für diese drei Länder zeigt sich in den letzten drei Jahren keine Wachstumstendenz. Vielmehr scheint die Entwicklung der Inanspruchnahmequote zu stagnieren.“ (S.10)

Im Schuljahr 2021/2022 waren bundesweit die meisten Grundschulen sog. Ganztagsgrundschulen. In Sachsen waren es 95%. Überwiegend waren die Angebote freiwillig. (vg. S. 15f)

Den elterliche Bedarf an Betreuungs- und Bilungsangeboten für Grundschulkinder sehen die Autor*innen des Bericht als schwer abschätzbar. Sie generierten deshalb zwei Szenarien. 1. Der Bedarf bleibt konstant, 2. Der Bedarf wächst um 10% bis 2029/2030. Auf Grundlage dieser Annahme sehen die Autor*innen für Sachsen kaum bzw. keinen Ausbaubedarf. Sie weisen aber darauf hin, „dass in Ländern mit geringem bis keinem quantitativen Ausbaubedarf oftmals ein qualitativer Weiterentwicklungsbedarf besteht“. (S.26)

In der Förderrichtlinie zum Ganztagsausbau setzt Sachsen als einziges Bundesland den Schwerpunkt Digitalisierung (vg. S. 31)

Bei den bisherigen Maßnahmen der Länder wird für Sachsen das Modellprogramm Ganztagspiloten benannt. Hier geht es um die verbesserte Verzahnung von Schule und Hortangeboten. (vgl. S.37)

Strukturelle Umsetzung des Rechtsanspruchs

Ermittelt durch verschiedene Erhebungsformen zieht der Bericht für die Umsetzung des Ganztags folgendes Fazit und gibt Handlungsempfehlungen. (vgl. S.58f)

  • Kinder stehen im Zentrum einer zeitgemäßen ganztägigen Bildung und Betreuung
  • wichtige Ziele: Gestaltung von Gemeinschaft im Ganztag, soziales Lernen und die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder.
  • Partizipation der Kinder
  • gleichberechtigte Kooperation zwischen allen Akteurinnen und Akteuren in Schule, Kinder- und Jugendhilfe und weiteren Bildungsinstitutionen
  • ein kindorientierter Ganztag ist als inklusiver Ganztag zu konzipieren
  • Bereitstellung ausreichender personeller, finanzieller und räumlicher Ressourcen
  • Fachkräftesicherung und -gewinnung durch ein attraktives Arbeitsfeld und Verankerung ganztagsbezogener Inhalte in Aus- und Weiterbildung
  • Berücksichtigung unterschiedlicher Finanzlagen der Kommunen, um unterschiedliche Qualitäten des Ganztags zu vermeiden
  • kooperative Raumnutzungskonzepte im Sozialraum
  • Länderübergreifend vereinbarte Orientierungsmaßstäbe
  • Länderübergreifend vereinbarte „Leitplanken“
  • „Die Qualitätsrahmen auf Landesebene können entscheidende Impulse zu einer regionalspezifischen Ganztagsentwicklung beisteuern. Die Qualitätsrahmen und Orientierungsmaßstäbe sind periodisch neu zu diskutieren und anzupassen.“ (S. 59)

Den gesamten Bericht können Sie hier herunterladen.

Was tut der Paritätische Sachsen?

Auch wir haben die Ausgestaltung des Ganztags schon lange als wichtiges bildungspolitisches Thema erkannt.  Aus Gesprächen mit unseren Mitgliedsorganisationen haben wir eine entsprechende Position erarbeitet. Diese wurde bereits Ende letzten Jahres an Staatsminister Christian Piwarz übergeben.

Und so soll Ganztagsbildung bis 2030 nach unserer Sicht gestaltet sein:

  • Die Schule der Zukunft verbindet Schule und Hort und fördert Ganztagsbildung aus einem Guss.
  • Im Sächsischen Kita- sowie im Schulgesetz wird die Verantwortung für einen abgestimmten Ganztag gleichberechtigt geregelt – Schule und Hort entwickeln Konzepte auf Augenhöhe.
  • Schule und Hort leben ein gemeinsames Bildungsverständnis und fixieren dies verbindlich in einem Rahmenvertrag.

Mehr dazu lesen Sie hier.

Kontakt

Nicole BörnerReferentin Bildung

Telefon: 0351 - 828 71 152
E-Mail: nicole.boerner (at) parisax.de