Bericht zur AG-Sitzung „Umsetzung BTHG" Thema: Kampagne „Sichtbarkeit der Eingliederungshilfe"

Im Mittelpunkt der Sitzung stand die Planung einer gemeinsamen Kampagne zur öffentlichen Sichtbarkeit der Eingliederungshilfe (EGH) in Sachsen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass EGH im kommunalpolitischen Diskurs trotz ihrer strukturellen Bedeutung kaum wahrgenommen wird – und häufig allein als Kostenfaktor erscheint.

24.03.2026

Datum: 09. März 2026, 10:00 – 14:00 Uhr

Ort: Landesgeschäftsstelle, Paritätischer Wohlfahrtsverband Sachsen

Teilnehmende: Vertreter*innen von 16 Paritätischen Mitgliedsorganisationen; Thomas Neumann, Verbandskommunikation, Anne Cellar Referentin für Teilhabe, Sucht und Sozialpsychiatrie

Anlass und Ausgangslage

Die Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe auf Bundesebene – insbesondere im Kontext des BTHG und des SGB IX – macht es zunehmend notwendig, die EGH in der öffentlichen und kommunalpolitischen Wahrnehmung stärker zu positionieren. Trotz ihrer zentralen Bedeutung für die soziale Infrastruktur in Sachsen ist die Eingliederungshilfe im kommunalpolitischen Bewusstsein häufig unterrepräsentiert – reduziert auf den Blickwinkel der Kosten, selten als das wahrgenommen, was sie tatsächlich ist: ein wirtschaftlicher, sozialer und struktureller Faktor für Kommunen und Landkreise.

Die Paritätischen Mitgliedsorganisationen haben sich daher entschieden, gemeinsam eine Kampagne zu entwickeln und umzusetzen, die diesem Bild entgegenwirkt.

Kampagnenkonzept: Begegnungstage Eingliederungshilfe 2026

Die Teilnehmenden entwickeln das grundhafte Konzept. Mittelpunkt sollen die Begegnungstage Eingliederungshilfe vom 28. September bis 9. Oktober 2026 stattfinden.

Die Kampagne richtet sich vorrangig an zwei Zielgruppen:

  • Priorität 1: Mitglieder der Verbandsversammlung des KSV Sachsen – als zentraler Entscheider*innen über den KSV-Haushalt und der EGH der stärkste politische Hebel der Kampagne
  • Priorität 2: Bürgermeister*innen der Kommunen – als Gestalter*innen des politischen Klimas vor Ort

Kommunale Entscheider*innen in Sachsen sollen nach der Kampagne verstehen:

  • Was EGH ist – und was sie konkret leistet
  • Was EGH erwirtschaftet – für Region, Gemeinde, Gesellschaft
  • Was ohne EGH fehlt – nicht nur für Menschen mit Behinderung, sondern für alle
  • Dass wir Partner sind – verlässlich, wirtschaftlich, auf Augenhöhe

Die Ansprache erfolgt persönlich und gezielt. Massenmediale Streuung ist ausdrücklich nicht das Ziel; stattdessen setzt die Kampagne auf direkte Begegnung als wirksamsten Kommunikationskanal.

Drei kommunikative Blickwinkel strukturieren die inhaltliche Botschaft:

Blickwinkel 1: Wirtschaftlichkeit

EGH-Einrichtungen wirtschaften. Das Geld bleibt in der Region:

  • Löhne und Gehälter ? lokale Kaufkraft und Steuereinnahmen
  • Aufträge an regionale Handwerker, Lieferanten, Dienstleister
  • Ausbildungsplätze halten Fachkräfte in der Region
  • Als gemeinnützige Organisationen: kein Gewinn fließt ab

Was fehlt ohne EGH?

  • Wegfall von Arbeitsplätzen und regionaler Kaufkraft
  • Familien ohne Entlastung ? Angehörige fallen zusätzlich aus dem Erwerbsleben
  • Fachkräftemangel verschärft sich
  • Soziale Spannungen wachsen, wo Unterstützungsstrukturen wegbrechen

„Wer EGH kürzt, spart nicht. Er verliert." „Sie zahlen für EGH. EGH zahlt zurück. Haben Sie nachgerechnet?"

Blickwinkel 2: Standort

Stille ist nicht Ruhe. Stille ist Einsamkeit. Ausgrenzung. Polarisierung. Stille entsteht, wenn Menschen sich nicht mehr begegnen. Wenn Orte veröden. Wenn Vielfalt verschwindet.

EGH ist das Gegenteil von Stille:

  • Einrichtungen mieten Leerstand und bringen Orte zum Leben
  • Sie schaffen Begegnungsorte – für alle, nicht nur für Leistungsberechtigte
  • Sie kooperieren mit Schulen, Vereinen, Kirchen, Unternehmen
  • Menschen mit Behinderung sind Nachbarn, Kunden, Vereinsmitglieder

„Ein Ort verliert seine Stille zuletzt. EGH verliert er zuerst." „Wir mieten Leerstand. Wir machen daraus Nachbarschaft." „Zivilgesellschaft ist kein Selbstläufer. Wir halten sie am Laufen."

Blickwinkel 3: Arbeitgeber

EGH-Einrichtungen sind oft einer der größten Arbeitgeber im Landkreis – ohne dass es jemand weiß:

  • Breites Beschäftigungsspektrum: Vollzeit, Teilzeit, Ausbildung
  • Ausbildung in sozialen, handwerklichen, hauswirtschaftlichen und administrativen Berufen
  • Fachkräfte, die hier ausgebildet werden, bleiben oft hier
  • Tariflöhne, Mitbestimmung, Verlässlichkeit – gerade in strukturschwachen Räumen

„Einer der größten Arbeitgeber im Landkreis. Kennen Sie uns?" „Wir bilden aus. Für die Region. Nicht für den Wegzug."

Die Kommunikation erfolgt über zwei Ebenen: Zahlen, Daten und Fakten (aufbereitet als Faktenblatt A4) sowie lokale Geschichten aus fünf Leistungsbereichen – Arbeit & Tagesstruktur, Wohnen & Assistenz, Kinder, Jugend & Familie, Psychosoziale Hilfen sowie Sozialraum & Begegnung. Dazu wird ein Fragebogen erstellt und vom Referat ausgewertet.

Beschlossener Fahrplan

Die Gruppe verständigte sich auf folgenden Projektfahrplan:

Tabelle

Zeitraum

Meilenstein

März – April 2026

Fragebogen anpassen · verteilen

Mai – Juni 2026

Rücklauf auswerten · Faktenblätter entwickeln · zum nächsten Treffen Ergebnisse teilen

Juli – August 2026

Materialien finalisieren · Einladungen versenden · Termine koordinieren

September 2026

Letzte Abstimmung · Fachbereichskonferenz  

28.09. – 09.10.2026

Begegnungstage Eingliederungshilfe

Oktober – November 2026

Auswertung · Dokumentation · Nachbereitung

Nächstes Treffen

Montag, 15.06.2026 digital 11-13 Uhr – Einladung folgt

Kontakt im Paritätischen Sachsen:

Anne Cellar 
Referentin Teilhabe
Tel: 0351 - 828 71 150 
E-Mail: anne.cellar (at) parisax.de