Bildungsland Sachsen 2030 - Paritätischer versendet wichtige Anmerkungen an Staatsminister Piwarz

Kurz vor Abschluss der Konzeptionsphase übermittelt der Paritätische Sachsen wichtige Eckpunkte aus wohlfahrtsverbandlicher Sicht an Kultusminister Christian Piwarz. Der Verband brachte sich in allen Beteiligungsphasen mit seiner Expertise aktiv ein und wollte nun auf der Zielgeraden nochmals besondere Akzente für das neue Bildungskonzept setzen.

23.04.2024

Was ist das Bildungsland Sachsen 2030?

Mit dem Bildungsland Sachsen 2030 wurde ein Prozess zur Neuausrichtung der Sächsischen Schullandschaft in den kommenden Jahren angestoßen. Das Sächsische Kultusministerium (SMK) setzte hierzu, vor allem 2023, einen umfangreichen und sehr aufwendigen Beteiligungsprozess um. An diesem konnten sich Bildungsexpert*innen, aber auch Wissenschaft und andere Akteur*innen beteiligen. Ziel ist ein Bildungskonzept für Sachsen, welches in den nächsten Jahren politisch getragen zur Umsetzung kommen soll.

Der Paritätische Sachsen war in den Beteiligungsformaten sehr aktiv und stand im guten Kontakt mit der steuernden Projektgruppe des SMK.

Wir berichteten dazu mehrfach in Fachinformationen z.B. Bildungsland Sachsen 2030 mitgestalten

Kurz vor Konzeptabschluss - Paritätischer übermittelt Anmerkungen

Im Ergebnis des Beteiligungsprozesses lagen dem SMK insgesamt 218 Handlungsempfehlungen vor, die Grundlage eines nun zu verfassenden Konzeptes sind. Daran anknüpfend nutzten wir die Gelegenheit, wichtige Anmerkungen direkt an Staatsminister Piwarz zu übersenden. Wir brachten Paritätische Sichtweisen in das für Sachsen zukunftsweisenden Bildungskonzept nochmals prominent ein.

Unsere Fachreferate Bildung, Teilhabe, Migration und Weiterbildung haben hierfür Anmerkungen formuliert.

Zu folgenden wichtigen Aspekten der Empfehlungen im Bildungsland Sachsen 2030 bezog der Verband in seinen Anmerkungen Stellung (Kurzfassung):

Schulische Inklusion gestalten – Teilhabe ermöglichen

  • Bereitstellung von Instrumenten zur Bestimmung von Lernausgangslagen: Individuelles Beobachten, Dokumentieren, Reflektieren müssen Kernaufgaben pädagogischen Handelns bleiben. Dies muss auch Grundlage digitalisierter Verfahren sein und sich im Zeitbudget von Fachkräften wiederfinden.
  • Inklusiver Unterricht: Die Absenkung der Schüler*innenzahlen, ist hinsichtlich gelingender Inklusion zu berücksichtigen.
  • Strukturübergreifendes Lernen: Durch klassen- und jahrgangsübergreifende Lernformate sowie auch die Arbeit in homogenen Gruppen würden Inklusion und Binnendifferenzierung deutliche Stärkung erfahren. Wichtiges Lernformat ist zudem das Einzelsetting. Alle benannten Lernformate müssen berücksichtigt werden. Die Mitglieder des Paritätischen Sachsen bieten ausdrücklich ihre Expertise an, ähnliche Formate auch in staatlichen Schulen einzuführen bzw. weiterzuentwickeln.
  • Globalbudget: Das vom Paritätischen Sachsen vorgeschlagene Inklusionsbudget (siehe Position „Inklusive schulische Bildung“) müsste ein zweckgebundenes Teilbudget eines Globalbudgets sein.

Mehrsprachigkeit als Gewinn für alle Schüler*innen

  • Stärkung von sprachförderlichem Unterricht und Mehrsprachigkeit: Schulische Regelangebote müssen so ausgestaltet werden, dass die Ressource Mehrsprachigkeit gefördert und eingesetzt werden kann, um die schulischen Lernziele zu erreichen. Letztlich ist die gelingende Förderung der Mehrsprachigkeit in Schulen auch bildungsrelevant für einsprachig aufwachsende Mitschüler*innen. Dies ist ein großer Mehrwert.
  • Fach Deutsch als Zweitsprache (DaZ): DaZ-Unterricht muss die heterogenen Lernbedingungen der Schüler*innen hinreichend berücksichtigen (z.B. kriegs- oder fluchtbedingte Traumata, unterbrochene formale Schulbildung, direkter Anschluss an die bisherige schulische Bildung). Der DaZ-Unterricht braucht eine multiprofessionelle Einbettung und die Möglichkeiten des Teamteachings sollten genutzt werden können. Die sprachliche Förderung von Zugewanderten muss eine Standardaufgabe sein. Die sächsische Gesellschaft wird durch Zuwanderung geprägt. Das Thema Migration/ Integration muss aus Sicht des Paritätischen Sachsen daher über die Sprachförderung hinaus in allen anderen Maßnahmen mitgedacht werden.

Ganztagsbildung einrichtungsübergreifend meistern

  • Stärkung der Schulleitung/ Stärkung der Schulkonferenz: Eine alleinige Stärkung der Schulleitung beurteilen wir kritisch. Guter Ganztag kann nur mit partizipativen Führungsstilen eines Leitungsteams aus Schule und Hort sowie verbindlichen Mitbestimmungsrechten gelingen. Dies muss im Schul- sowie im Kitagesetz geregelt werden. Ein Rahmenvertrag kann die Details der Kooperation definieren.
  • Multiprofessionelle Teams in Schulen definieren und ausbauen / Vereinbarung von Grundsätzen zur Arbeitsweise der multiprofessionellen Teams: Auch dezentral arbeitende Teams von Schule und Hort müssen bedacht werden. Zudem müssen Teams unabhängig von der Zugehörigkeit zu verschiedenen Arbeitgebern gut arbeitsfähig sein. Die Arbeitgeberautonomie freier Träger muss gewahrt bleiben.

Lehr- und Fachkräfte professionalisieren - Bildungserfolge ermöglichen

  • Vereinbarung von Grundsätzen zur Arbeitsweise der multiprofessionellen Teams:Der Paritätische Sachsen unterstützt bereits durch unterschiedliche Angebote Führungskräfte in der Sozialen Arbeit, um u.a. Personal- und Organisationsentwicklungsprozesse nach aktuellen Anforderungen zu gestalten. Themen wie Kommunikation, lösungsorientiertes Konfliktmanagement, Feedbackkultur, Führungsrollen etc. beschäftigen alle Führungskräfte gleichermaßen. Insbesondere im Hinblick der Multiprofessionalität an Schulen wird es hilfreich sein, wenn schulischen Führungskräften auch der Austausch mit Leitungsebenen anderer Professionen ermöglicht wird. Vernetzung und Kooperationen sind hierfür die Basis. Diese Plattform kann durch den Paritätischen Sachsen als Verband mit seiner Vielfalt von Mitgliedern der Sozialen Arbeit und Bildung geboten werden.
  • Multiprofessionelle Teams in Schulen definieren und ausbauen/ Kompetenzen und Verantwortung der Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte institutionell zusammenführen: Der Paritätische Sachsen begrüßt, dass insbesondere formelle Lernsettings in den Fokus gerückt werden und somit die Professionalisierung als lebenslanges Lernen im Beruf einen höheren Stellenwert erhält. Wichtig ist dabei, dass alle Professionen des Schulsettings (z.B. auch Schulsozialarbeiter*innen oder Inklusionsassistent*innen) den gleichen Zugang zu kontinuierlicher Weiterbildung erhalten, um ihre Kompetenzen entsprechend den Bedarfen aktuell zu halten. Die Wohlfahrtsverbände und ihre Bildungsangebote im Bereich Sozialer Arbeit und Bildung bieten dabei mit ihrer Vielfalt eine gute Möglichkeit. Verschiedene Professionen können sich trägerübergreifend vernetzen und voneinander sowie miteinander gezielt qualifizieren. Insbesondere die Schnittstellenthemen wie z.B. Inklusion, Migration und Soziales können somit in den multiprofessionellen Teams mit hoher Qualität abgebildet werden.

Kontakt

Nicole Börner
Referentin Bildung

Telefon: 0351 - 828 71 152
E-Mail: nicole.boerner (at) parisax.de