Gespräch mit dem Bundeskanzler: Wohlfahrtspflege im Fokus zukünftiger Reformen

10.03.2026

In einem Gespräch zwischen der BAGFW und dem Bundeskanzler wurden zentrale Herausforderungen der kommenden Haushaltsjahre, geplante Sozialreformen und die Bedeutung der Freien Wohlfahrtspflege erörtert. Der Bundeskanzler betonte dabei die Notwendigkeit demokratischer Stabilität und die Rolle der Verbände.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege führte kürzlich ein Gespräch mit dem Bundeskanzler. Die Erwartungen auf Seiten der BAGFW waren im Vorfeld zurückhaltend, da Berichte über mögliche massive Kürzungen kursierten. Bereits vor dem Treffen zeigte sich jedoch im öffentlichen Auftreten des Bundeskanzlers ein vermittelnder Ton, der sich im Gespräch bestätigte.

Einschätzungen zur Finanz- und Reformpolitik

Der Bundeskanzler beschrieb die finanzpolitische Lage der kommenden Jahre als zunehmend herausfordernd. Während der Bundeshaushalt 2027 voraussichtlich noch weniger angespannt ausfallen werde, seien für 2028 und 2029 deutlich schwierigere Rahmenbedingungen zu erwarten. Zugleich äußerte er Enttäuschung darüber, dass der Zukunftspakt Pflege hinter seinen Erwartungen zurückbleibe.

Für die kommenden Monate kündigte er konkrete Reformschritte an. Vorschläge zur Gesundheitsreform sollen in vier Wochen vorliegen, Reformideen zur Rente im Juni. Darüber hinaus seien spürbare Kürzungen bei Leistungen aus dem EU-Haushalt absehbar, da der bestehende Finanzrahmen voraussichtlich weiterhin die Obergrenze markiere. Die Sozialstaatsreform betreffe aus seiner Sicht unter anderem Unterhaltsvorschuss, Eingliederungshilfe, Kinder- und Jugendhilfe sowie Hilfe zur Pflege. Ob in diesen komplexen Bereichen zeitnah Lösungen gefunden werden könnten, sei aufgrund möglicher gesetzlicher Anpassungen offen.

Der Bundeskanzler ging zudem auf sicherheitspolitische Aspekte ein und stellte klar, dass eine Bedarfswehrpflicht in dieser Legislatur nicht ausgeschlossen werde. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung der Freiwilligendienste für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Bedeutung der Freien Wohlfahrtspflege

Im Gespräch wurde der zentrale Stellenwert der Freien Wohlfahrtspflege für die soziale Infrastruktur hervorgehoben. Dies gilt sowohl für den Alltag der Menschen als auch für Krisensituationen. Der Bundeskanzler würdigte die Rolle der Verbände zudem ausdrücklich im Hinblick auf die Stärkung der Demokratie vor Ort.

Er bekräftigte seine klare Ablehnung einer Zusammenarbeit mit der AfD und verwies darauf, dass einzelne Medienhäuser bewusst Zweifel an der Handlungsfähigkeit der Bundesregierung streuten, um die demokratische Brandmauer zu schwächen. Er bat die Wohlfahrtsverbände um Unterstützung, um öffentlich und kontinuierlich auf die Notwendigkeit der Abgrenzung von der AfD hinzuweisen.

Forderungen der Spitzenverbände und weitere Schritte

Die Spitzenverbände machten im Gespräch erneut deutlich, dass eine frühere und stärkere Beteiligung an sozialpolitischen Reformprozessen notwendig sei. Der Bundeskanzler erkannte diese Forderung an und sicherte zu, dass das Bundeskanzleramt aktiv auf die Ressorts zugehen werde, um einen intensiveren Austausch sicherzustellen.

Das Gespräch fand in einer respektvollen und konzentrierten Atmosphäre statt. Der Bundeskanzler machte mehrfach deutlich, dass ihm die Bedeutung der Wohlfahrtspflege bewusst sei und dass ihre Unterstützung für ihn ein persönliches Anliegen darstelle. Für die BAGFW und die Verbände im Paritätischen eröffnet der Austausch wichtige Perspektiven für die Mitgestaltung kommender Reformprozesse.