Am 8.5.2025 lud der Paritätische Sachsen das Projektteam zur Evaluation und Fortschreibung des Sächsischen Bildungsplans zum Hintergrundgespräch. Ziel war es, zu hören, welche Vorstellungen es seitens des Projektteams zur inhaltlichen Ausgestaltung des Bildungsplans gibt. Zudem wurden mögliche Spannungsfelder aus Sicht der Praxis angesprochen.
Am 8.5.2025 lud der Paritätische Sachsen das Projektteam zur Evaluation und Fortschreibung des Sächsischen Bildungsplans zum Hintergrundgespräch. Ziel war es, zu hören, welche Vorstellungen es seitens des Projektteams zur inhaltlichen Ausgestaltung des Bildungsplans gibt. Zudem sollten mögliche Spannungsfelder aus Sicht der Praxis angesprochen und Einblicke in selbige gegeben werden. So folgten Prof. Ivonne Zill-Sahm (Evangelische Hochschule Dresden) und Prof. Dr. phil. habil. Andrea G. Eckhardt (HS Zittau Görlitz) der Einladung des Verbandes und kamen mit Vertreterinnen aus fünf Mitgliedsorganisationen ins Gespräch. Moderation und Bündelung verbandlicher Perspektive übernahm die zuständige Fachreferentin des Verbands.
Die beiden Wissenschaftlerinnen lauschten gut eine Stunde aufmerksam den Ausführungen der Praktikerinnen, die Einblicke in die Debatten der letzten Fachbereichskonferenz gaben, und zeigten großes Interesse an den Ergebnissen. Die Atmosphäre unter den Anwesenden war angenehm und von Beginn an auf Augenhöhe.
Mitgliedsorganisationen und Projektteam fachlich nah beieinander
Genau dies sei auch ihr Ansinnen, betonten die Forscherinnen. Auf die Frage, was ihnen am Prozess „Evaluation und Fortschreibung Sächsischer Bildungsplan“ besonders wichtig sei, hoben sie Beteiligung besonders hervor. Ziel sei es, den Sächsischen Bildungsplan praxisnah und zugleich wissenschaftlich fundiert weiterzuentwickeln. Umso irritierter waren sie, dass ihnen zu Beginn des Prozesses recht viel Skepsis seitens der Fachöffentlichkeit entgegenschwappte. Am Ende wolle man doch das Gleiche: Beste Bedingungen zur Begleitung eines guten Starts für alle Kinder.
Die Sorgen der Praktiker*innen rührten aus Sicht des Verbandes aus missglückter Kommunikation im Vorfeld des Prozesses. Schlagworte wie „pädagogische Diagnostik“ oder „verbindliche Standards“ sowie eine starke Fokussierung auf Schulvorbereitung wurden seitens Politik und Kultusministerium in den öffentlichen Raum gegeben, ohne dass die gemeinsame Fachdebatte zwischen Wissenschaft und Praxis überhaupt erst angefangen hatte. Die partizipative und offene Herangehensweise der Forscherinnen konnte aber wieder Vertrauen schaffen, bestätigte die Gesprächsrunde.
Auch der Anspruch der Wissenschaftlerinnen, einen Bildungsplan zu entwickeln, der ein Maximum an Qualität beschreibt und Fachkräften hilft, diese in der täglichen Arbeit mit Kindern umzusetzen, traf bei den Anwesenden auf Zustimmung. Das Projektteam betonte weiter, dass es hierbei unabhängig von Forderungen und Wünschen beispielsweise seitens der Politik sei.
Manche fachlichen Aspekte bereiten vielen Praktiker*innen aber dennoch weiter Bauchschmerzen, wurde im Austausch mit den Mitgliedern deutlich. Etwa die Befürchtung, dass durch eine starke Standardisierung von Abläufen individuelle Konzepte verloren gingen oder die Individualität von Kindern aus dem Blick gerate.
Prof. Ivonne Zill-Sahm und Prof. Dr. phil. habil. Andrea G. Eckhardt waren sich einig, dass das Bild vom Kind sowie das Bildungsverständnis im aktuellen Bildungsplan gut beschrieben seien. Das seien Elemente, die kaum einer Überarbeitung bedürften und eine Grundhaltung zeigten, die von Vielfalt ausgeht. Das solle genauso erhalten bleiben.
Gleichsam soll der Aspekt der Erziehung, gewissermaßen als Voraussetzung für Bildung, stärker herausgearbeitet werden. Dabei stellen sich die Fragen: Was brauchen Kinder/was braucht das Kind, damit Bildungsprozesse überhaupt möglich sind? Und was können Fachkräfte tun, um diese Bedingungen bestmöglich zu gestalten?
Im Gespräch mit den Mitgliedsorganisationen zeigte sich vielfach Konsens zu den wissenschaftlichen Perspektiven der beiden Forscherinnen. Sowohl letztere selbst als auch die anwesenden Praktikerinnen beschrieben jedoch, dass es zu manchen Themen bisher keine einheitliche Fachmeinung gebe. Vielmehr stünden sich unterschiedliche Ansichten im Diskurs gegenüber. Aber noch ist der Prozess auch nicht beendet.
Hohe Ansprüche versus personelle Ressourcen – eine ungelöste Frage
Neben fachlichen Debatten werden Reibungspunkte auf der Seite der Ressourcen immer wieder deutlich. So könnte zwischen den neuen Qualitätsanforderungen an Fachkräfte und den verfügbaren insbesondere personellen Ressourcen absehbar eine Lücke klaffen, denn schon jetzt steht das System Kita vielfach unter Druck. Sinkende Kinderzahlen, hoher Krankenstand, zu schlechter Personalschlüssel sind nur einige Aspekte. Schon heute ist für viele Aufgaben in der Kita die Zeit zu knapp, auch wenn diese im aktuellen Bildungsplan als wichtig beschrieben werden. Woher soll nun die Zeit zur Implementierung und Umsetzung des neuen Sächsischen Bildungsplans kommen? Auch das wollten die Anwesenden von den Wissenschaftlerinnen wissen.
Hier blieben die beiden sehr klar bei ihrem Auftrag, der die Evaluation und Fortschreibung eines wissenschaftlich fundierten Sächsischen Bildungsplans hoher pädagogischer Qualität umfasse. Ein Bildungsplan mit Minimalanforderungen tue keinem gut - nicht den pädagogischen Fachkräften und erst recht nicht den Kindern, so die Forscherinnen. Die Frage der Umsetzung und die dafür notwendigen Ressourcen seien dezidiert nicht Bestandteil des Auftrags, stellten sie klar. Gleichwohl nehmen sie diesen Reibungspunkt in den Diskussionen sehr deutlich wahr.
An dieser Stelle wird der Verband gemeinsam mit den anderen Wohlfahrtsverbänden gefordert sein, Politik und Verwaltung auf diesen Konflikt aufmerksam zu machen und sich weiter mit großer Kraft für die Verbesserung des Schlüssels einzusetzen.
Das Gespräch hat insgesamt zu einem besseren gegenseitigen Verständnis und auch zur Rollenklärung beigetragen. Den Wissenschaftlerinnen danken wir, dass sie sich über zwei Stunden für diesen wertvollen Austausch Zeit genommen haben und sichern ihnen gern unsere weitere Unterstützung im Prozess zu.
Projekthomepage Evaluation und Fortschreibung Sächsischer Bildungsplan
Kontakt
Nicole Lawrenz (ehem. Börner)
Referentin Bildung
Telefon: 0351 - 828 71 152
E-Mail: nicole.lawrenz (at) parisax.de