In Form einer Zukunftswerkstatt befassten sich Paritätische Träger mit wesentlichen Herausforderungen im Bereich Kita. Sinkende Kinderzahlen und die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztag standen im Mittelpunkt. Gemeinsam wurde an neuen Konzeptideen gewerkelt.
Gewöhnlich findet der Jour fixe Kita ca. aller zwei Monate digital statt. Für viele werden dadurch zeitliche Ressourcen gespart und dennoch ist ein gewinnbringender Austausch sehr gut möglich. Persönliche Beziehung und nachhaltige Kontaktpflege brauchen aber auch immer wieder den persönlichen Kontakt. Um auch diesen Bedarfen gerecht zu werden fand der Jour fixe Kita im August in Präsenz in statt.
Neben der persönlichen Begegnung standen aber vor allem fachliche Themen im Vordergrund. In Form von Zukunftswerkstätten wurde an den aktuellen Herausforderungen des Bereiches in drei Arbeitsgruppen gearbeitet.
Gruppen 1 und 2 befassten sich mit dem Thema sinkender Kinderzahlen und Gruppe 3 mit dem Thema Ganztag unter dem Blickwinkel eines immer noch fehlenden sächsischen Gesamtkonzeptes.
Gearbeitet wurde jeweils in drei Arbeitsphasen: Problemphase – Fantasiephase – Realisierungsphase.
Die Kita als Zentrum für Familien, Kinder und Jugend oder multifunktionales Team?
Welche Probleme durch die sinkenden Kinderzahlen auf Kommunen und Träger zurollen wurde bei Gruppe 1 und 2 in der ersten Diskussionsrunde sehr deutlich. Neben Personalentlassungen und Schließungen mit den Folgen gekürzter Öffnungszeiten sowie Ausdünnen wohnortnaher Kitas, kamen aktuell noch weniger prominente Themen auf den Tisch so z.B. sinkende Sachkostenrahmen, weniger Kontakt zu den Eltern auf Grund geringerer Präsenzzeiten einzelner Fachkräfte, Gruppenzusammenlegungen, Personalwechsel in den Gruppen sowie mehr Konkurrenz unter den Trägern und innerhalb des Trägers.
Im Anschluss stand die Frage, wie kann man sich den Herausforderungen stellen. Beide Gruppen arbeiteten an je einem ihrer Vorschläge vertiefter.
So wurde etwa eine erste Skizze für ein Kinder-, Jugend- und Familienbildungszentrum einschließlich Kita entwickelt. Leistungen werden an einem Ort gebündelt. Der Schwerpunkt liegt bei Leistungen für Familien mit Kindern im Kitaalter, z.B. Logopädie, Ergo, Familienberatung, Schuldnerberatung, Schwangerschaftskonfliktberatung, Frühförderung, Beratung zu Beantragung von Leistungen.
In Gruppe zwei wurde das Thema durch die Umwidmung von Personal, welches durch sinkende Kinderzahlen entlassen werden müsste, angegangen. Es entstehen Funktionsstellen z.B. Sozialarbeit, Familienberatung, Inklusionskoordination, Kinderschutz, Bildungskoordination, QM, Praxisanleitung. Finanziert werden könnten die Stellen z.B. über Kinder Stärken 2.0 oder Krankenkassen im Sinne von Prävention, so die Diskussion in der Gruppe.
Rechtsanspruch auf Ganztag, aber wie?
Auch Gruppe drei analysierte zunächst die Herausforderungen, vor allem mit Blick auf den Rechtsanspruch auf Ganztag und ein fehlendes Umsetzungskonzept in Sachsen. Besonders in Image und Stellung sieht sich der Hort weiter hinter der Schule. Gleichsam ist er Lückenbüßer, wenn es z.B. um Ausfallzeiten geht. Der Mehrwert einer Zusammenarbeit sowie Synergieeffekte zwischen Schule und Hort kommen bisher nicht zum Tragen.
Die Gruppe erarbeitet ein Grobkonzept für einen ganztägig rhythmisierten Alltag mit Lern- und Entspannungsphasen. In einem zeitlichen Rahmen von 8 bis 16 Uhr arbeiten im vorgeschlagenen Modell Hort- und Schulpädagog*innen in Kleinteams pro Klasse zusammen. Insgesamt soll der Alltag neu strukturiert werden z.B. auch mit offenen Angeboten.
Resümee des Tages
35 Vertreter*innen nutzten die Gelegenheit, trotz vieler Herausforderungen im eigenen Arbeitsfeld gemeinsam nach vorn zu schauen. Auch wenn, die Konzepte noch nicht umsetzungsreif sind, wurde doch Ideen generiert, mit denen sich in der Verbandsarbeit oder auch beim eigenen Träger weiterarbeiten lässt.
Transformationsprozesse proaktiv anzugehen, wird ein wesentlicher Teil der Arbeit im Bereich Kita und womöglich der gesamten Sozialen Arbeit für die nächsten Jahre bleiben.
Der Paritätische Sachsen regt entsprechende Prozesse bei seinen Mitgliedern an und sucht proaktiv Kooperationspartner.
Eine ausführliche Ergebnisdokumentation zum Jour fixe finden Sie in der Anlage.
Kontakt:
Nicole Lawrenz
Referentin Bildung
Telefon: 0351 - 828 71 152
E-Mail: nicole.lawrenz (at) parisax.de