Um gezieltere Maßnahmen in Kitas mit vielen benachteiligten Kindern künftig zielgenauer zu ermöglichen, entwickelte der Paritätische Gesamtverband einen spezifischen Kita-Sozialindex.
Warum einen Kita-Sozialindex?
Ausgangspunkt und Ziel des Paritätischen ist es, Kindertageseinrichtungen mit einer Zusammensetzung an Kindern, die besonders häufig von persönlichen Benachteiligungen betroffen sind, eine systematische Unterstützung zu ermöglichen. Studien belegen, dass hier beispielsweise personelle Belastungen der Erzieher*innen öfter vorkommen oder Erziehungsvorstellungen von Eltern und Fachkräften deutlicher voneinander abweichen.
Eine deutschlandweite systematische Erfassung dieser stark belasteten Kitas gibt es bisher nicht. Daher erarbeitete der Paritätische Gesamtverband einen entsprechenden Sozialindex, der dies nun nachholen könnte.
Wie solls gehen?
Der Paritätische schlägt hierfür einen umfangreichen Katalog an Merkmalen vor, die erfasst werden sollten:
1. Haushaltseinkommen
1.1 BuT-Leistungsbezug oder Befreiung von der Kostenbeteiligung gemäß § 90 Abs. 4 Satz 2 SGB VIII
1.2 Kinder in Haushalten mit sehr niedriger Erwerbsintensität
2. Migrationshintergrund
2.1 schutzsuchende Kinder
2.2 in der Familie wird vorrangig nicht Deutsch gesprochen
2.3 ausländisches Herkunftsland mindestens eines Elternteils
3. Gesundheit
3.1 Eingliederungshilfe und sonstige Teilhabeleistungen
3.2 pflegerischer Bedarf
3.3 chronische Erkrankung, ohne Teilhabeleistungen
4. Prekäre familiäre Verhältnisse
4.1 Kinder in Haushalten mit häuslicher Gewalt/Suchterkrankungen/einem inhaftierten Elternteil
4.2 Kinder in Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete oder Wohnungslose und in sonstigen beengten/prekären Wohnverhältnissen
4.3 Kinder in einer stationären Einrichtung/in alternativen Formen der Betreuung
4.4 Familien mit sozialpädagogischer Familienhilfe nach § 31 SGB VIII
Ein Großteil dieser Merkmale könne über bereits vorhandene Statistiken abgebildet werden z.B. amtliche Statistik, Kinder- und Jugendhilfestatistik.
Was kann der Kita-Sozialindex nützen?
Der Paritätische schlägt z.B. eine differenziertere Personalausstattung durch die Anwendung eines solchen Indexes vor. Diese kann in einem generell erhöhtem Personalschlüssel, aber auch in der Installation einzelner Funktionsstellen bestehen.
Quelle: Der Paritätische Gesamtverband: Gerechtigkeit von Anfang an. Ein Sozialindex für Kindertageseinrichtungen
Weitere Informationen sowie die komplette Expertise zum Herunterladen.
Blick nach Sachsen
Sachsen gehört zu den Bundesländern, wo bereits ein Sozialindex im Kita-Bereich angewendet wird. Dieser umfasst etwas weniger Kriterien als der des Gesamtverbandes und wird zur Vergabe der Mittel aus der ESF-Förderung „Kinder stärken“ angewandt.
Perspektivisch wäre dies ein guter Ausgangspunkt, um eine sozialindexbasierte Differenzierung in die Kitafinanzierung generell einzurechnen.
Kontakt
Nicole Börner
Referentin Bildung
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