Positionierung stärkt Orientierung bei komplexen Unterstützungsleistungen

Die gemeinsame Positionierung des Paritätischen Sachsen und des Landesverbands Gemeindepsychiatrie schafft Orientierung und Gesprächsgrundlage für die Weiterentwicklung komplexer Unterstützungsleistungen. Sie bündelt Erfahrungen, benennt Lücken und zeigt Wege für eine zukunftsfeste und wirksame Leistungsgestaltung.

16.01.2026

Orientierung und gemeinsamer Standpunkt

Mit der neuen Positionierung legen der Paritätische Sachsen und der Landesverband Gemeindepsychiatrie einen klaren fachlichen Rahmen für komplexe Unterstützungsleistungen vor. Sie dient den Mitgliedsorganisationen als Orientierung und stärkt ihre gemeinsame Stimme innerhalb der Liga der Freien Wohlfahrtspflege. Zugleich bildet sie die Grundlage für die fachpolitische Positionierung gegenüber dem Sozialministerium, Leistungsträgern und anderen Akteuren.

Wachsende Komplexität und Fachkräftemangel

Die Praxis zeigt: Immer mehr Menschen benötigen hochkomplexe, individuell abgestimmte Unterstützungsleistungen. Gleichzeitig fehlen Fachkräfte, geeignete Strukturen und verbindliche Verfahren. Übergänge zwischen Klinik, Eingliederungshilfe und gemeindepsychiatrischen Angeboten sind oft brüchig. Fehlende Koordination führt zu Versorgungslücken, Hilfeabbrüchen und langen Klinikverweildauern. Fachkräfte arbeiten an der Belastungsgrenze, während spezialisierte Kompetenzen in Deeskalation, Trauma- und Psychiatriearbeit kaum abgesichert sind.

Fehlende Verfahren und Rahmenbedingungen

Bislang existieren keine landesweit verbindlichen Verfahren, um komplexe Unterstützungsleistungen zu steuern und zu finanzieren. Bedarfsermittlungen sind uneinheitlich, Gesamtplanverfahren werden nicht konsequent umgesetzt, und flexible Finanzierungsinstrumente fehlen. Sozialraumbudgets, verbindliche Hilfeplankonferenzen und abgestimmte Entlassmanagementprozesse sind nur punktuell vorhanden. Dadurch bleiben viele Menschen mit komplexen Bedarfen zwischen den Systemen hängen – ohne passgenaue Unterstützung oder verlässliche Anschlussangebote.

Fachliche Konzepte und Lösungsansätze

Die Positionierung zeigt, wie eine zukunftsfähige Versorgung aussehen kann:

  • Kooperation und Steuerung: Aufbau gemeindepsychiatrischer Verbünde und verbindliche Kooperationsvereinbarungen zwischen Kliniken und Leistungserbringern.
  • Fachkräftesicherung: Ein landesweites Qualifizierungs- und Entlastungsprogramm soll Fachkräfte durch Supervision, Zuschläge und spezialisierte Fortbildungen binden.
  • Flexible Hilfen: Sozialraumnahe Beschäftigungs- und Tagesstrukturmodule außerhalb der Werkstätten schaffen individuelle Wege.
  • Finanzierung: Sozialraumbudgets und Vorhaltefinanzierungen sichern Krisenfestigkeit und Planungssicherheit.

Beitrag zur fachpolitischen Weiterentwicklung

Die Positionierung ist mehr als ein Papier – sie ist ein gemeinsames Signal der Trägerlandschaft. Sie zeigt, dass die Paritätischen Mitgliedsorganisationen Verantwortung übernehmen und aktiv an der Weiterentwicklung der poststationären Versorgung mitwirken. Innerhalb der Liga dient sie als Grundlage für eine abgestimmte Haltung zur poststationären Versorgung.

Fazit

Die Positionierung schafft Orientierung, stärkt die gemeinsame Linie der Mitgliedsorganisationen und bietet eine fundierte Gesprächsgrundlage für Politik und Verwaltung. Sie verbindet Praxiswissen mit klaren Forderungen und zeigt, wie Sachsen den Herausforderungen wachsender Komplexität und knapper Ressourcen begegnen kann.

Kontakt im Paritätischen Sachsen 

Anne Cellar – Referentin Teilhabe
Telefon: 0351/ 828 71 150
Mail: anne.cellar (at) parisax.de