Sächsischer Landtag setzt Prioritäten für frühkindliche Bildung

Mit einem Prioritätenantrag plante die Sächsische Regierung aus CDU und SPD, die Schulvorbereitung in der frühkindlichen Bildung weiter zu stärken. Mit einem Änderungsantrag von acht Abgeordneten aus CDU, SPD, BSW und Linken gelang es, entscheidende Weichen anders zu stellen als im Ursprungsantrag.

28.05.2025

Mit ihrem Antrag „Schulvorbereitung stärken – eine gute Basis für einen erfolgreichen Bildungsweg schaffen“ wollte die Sächsische Regierung aus CDU und SPD einige fachliche Weichen bei der Weiterentwicklung der frühkindlichen Bildung neu stellen. Im Mittelpunkt stand dabei die Schulvorbereitung.

Im Ergebnis des Konsultationsmechanismus, der auf Grund der aktuellen Minderheitenregierung in Sachsen eingeführt wurde, gab es zeitgleich einen Änderungsantrag von Mitgliedern der CDU, SPD, BSW und Linken. Dieser passierte das Parlament erfolgreich. Der erst jüngst eingeführte Konsultationsmechanismus führte damit zu wesentlichen Änderungen des Ursprungsantrags der Regierung. Die damit verbundene parlamentarische Entscheidung ist nun richtungsweisend für den Bereich Kita in Sachsen.

Konsultationsmechanismus des Landtags wirkt…

Nachstehend stellen wir überblicksmäßig die wesentlichen Inhalte des Beschlusses dar. Gleichsam zeigen wir welche Aspekte erst durch den Änderungsantrag Eingang fanden:

  • Der Sächsischen Bildungsplan soll als verbindliche Grundlage qualifiziert und modernisiert werden sowie verbindliche Bildungsziele, besonders im Hinblick auf Schulvorbereitung verankern.
    • Der Änderungsantrag bewirkte, dass bei Überarbeitungen des Sächsischen Bildungsplans Sozialverbände, Gewerkschaften, Vertreterinnen und Vertreter der Bildungswissenschaft und Frühpädagogik sowie die Fachpraxis einbezogen werden.
  • Es sollen Fortbildungsangebote für Erzieher*innen zur Einführung des aktualisierten Sächsischen Bildungsplans erarbeitet werden.
    • Der Änderungsantrag bewirkte Konkretisierungen, so sollen die Fortbildungen die Arbeit in interdisziplinären Teams fördern sowie die Rolle der Kita-Fachberatung gestärkt werden.
  • Schulvorbereitung soll als laufender Prozess verstanden werden.
    • Der Änderungsantrag bewirkte, an der bereits vorhandenen „Sächsischen Leitlinien für die öffentlich verantwortete Bildung von Kindern bis zum 10. Lebensjahr“ anzuknüpfen.
  • Im letzten Kita-Jahr soll der Schwerpunkt auf den Übergang zur Schule gelegt werden.
    • Der Änderungsantrag bewirkte, dass der Übergang gemeinsam mit Kita und Schule gestaltet werden soll sowie stärker in Zusammenarbeit mit Eltern.
  • Bei der Gestaltung des Übergangs soll zudem die kommunale Ebene mit eingebunden werden.
  • Die sog. Vierjährigen-Untersuchung sowie die Schulaufnahmeuntersuchung sollen überprüft werden. Das Konzept der verpflichtenden Vorschuluntersuchung soll überarbeitet werden. Entwicklungsbegleitung soll verpflichtend sein.
    • Der Änderungsantrag bewirkte, dass das zunächst an dieser Stelle durch die Regierung eingebrachte weitere Instrument der „pädagogischen Diagnostik“ hin zur „begleitenden pädagogischen Beobachtung und Dokumentation“ geändert wurde.
  • Das „Landesprogramm alltagsintegrierte sprachliche Bildung in der Kindertagesbetreuung Sachsen“ soll fortentwickelt werden.
    • Der Änderungsantrag bewirkte, dass Empfehlungen für bewährte alltagsintegrierte Sprachbeobachtungsinstrumente erarbeitet werden sollen.

Der Änderungsantrag bewirkte außerdem,

  • die Prüfung der Einführung einer Besuchskommission unter Beteiligung von Kindern in Kitas.
  • die Prüfung einer sozialindexgestützten Verteilung von Ressourcen und Förderangeboten.
  • die Programme zur Stärkung der Elternarbeit wie „Kinder stärken 2.0“ und „Familien stärken“ fortzusetzen.

…und Lobbyarbeit wirkt auch – Eine kurze Einschätzung.

Gleichwohl es zum einen verwundert, dass sich Politik in den noch laufenden Fortschreibungsprozess zum Sächsischen Bildungsplan durch einen parlamentarischen Beschluss auch inhaltlich einbringt und bei vielen Formulierungen noch unklar ist, was diese konkret für die Praxis bedeuten, zeigt es doch auch das unsere hartnäckige Lobbyarbeit als Verband und in der Liga Wirkung zeigt.

So wurde beispielsweise die Einbindung von Sozialverbänden und Fachpraxis bei der Weiterentwicklung des Sächsischen Bildungsplan durch den Prioritätenantrag nun parlamentarisch festgeschrieben.

Von uns quasi gebetsmühlenartig vorgetragene inhaltliche Aspekte wurden gestärkt, so etwa die ganzheitlich und kindorientiert pädagogische Arbeit oder auch die Schulvorbereitung von Beginn der Kitazeit an.

Aber auch strukturelle Pflöcke wurden, wie von uns gefordert, eingeschlagen wie beispielsweise die Fortsetzung Kinder Stärken 2.0 sowie die Stärkung der Fachberatung.

Hier zeigt sich, wie wichtig die gute Zusammenarbeit zwischen Praxis und Verband ist, um praxisrelevante Themen bei Politik zu platzieren, die nun in den parlamentarischen Prozess Eingang fanden.

Jetzt gilt es gemeinsam dran zu bleiben, denn viele Punkte im Prioritätenantrag können nur mit Leben gefüllt werden, wenn auch ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen.  

Kontakt

Nicole Lawrenz (ehem. Börner)
Referentin Bildung 

Telefon: 0351 - 828 71 152
Telefax: 0351 - 828 71 100

E-Mail: nicole.lawrenz (at) parisax.de