Soziale Selbsthilfe - Stark durch Gemeinschaft

Mit einem Austauschformat widmete sich der Verband Ende August diesem interessanten Thema. Im nachfolgenden Artikel werden einige Aspekte aufgegriffen und weiterführende Informationen zur Verfügung gestellt.

09.09.2024

Am 28.08.2024 organisierte der Paritätische Sachsen einen Online-Austausch zur sozialen Selbsthilfe. Einige Aspekte der Diskussion mit zusätzlichen Informationen im Überblick:

Was ist Soziale Selbsthilfe?

Nach Schätzung der NAKOS gibt es in Deutschland 70.000 bis 100.000 Selbsthilfegruppen. Hier finden sich betroffene Menschen und/oder deren Angehörige zu verschiedensten Themen zusammen.

Etwa 1/3 (lt. NAKOS) trifft sich zu sozialen oder psychosozialen Themen z.B. Partnerschaft, Einsamkeit oder Armut. Dieser Bereich wird als soziale Selbsthilfe (ggf. mit Unterteilung psychosoziale Selbsthilfe) bezeichnet. Eine scharfe Trennung gibt es in der Praxis kaum. Auch die sog. gesundheitliche Selbsthilfe verständigt sich zu sozialen Themen.

Für die soziale Selbsthilfe gibt es Förderung in Sachsen

Die Förderung der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe ist eine gesetzliche Aufgabe der Krankenkassen und damit bundesweist fest verankert. Auch in Sachsen ist eine Beantragung möglich (vgl. vdek). Soziale Themen werden dort allerdings nicht gefördert. Dies war auch die Erfahrung aus dem Austausch mit den Mitgliedsorganisationen. 

Die Förderung der Gruppenarbeit zu sozialen Themen wird durch den Freistaat Sachsen, wenn auch in weit kleinerem Umfang, gefördert. Abgerufen werden können die Mittel über die Landkreise und kreisfreien Städte. Diese erhalten die Förderung im Rahmen der Kommunalpauschalenverordnung und reichen sie entsprechend der örtlich formulierten Regelungen an antragstellende Gruppen aus. Die jeweiligen Selbsthilfekontaktstellen beraten hierzu vor Ort.

Begleitete Selbsthilfe

Manche Menschen wünschen sich die Unterstützung durch Betroffenengruppen oder würden einen großen Mehrwert für ihre Lebenssituation daraus ziehen, ihnen gelingt es aber nicht, selbständig ein Gruppenleben aufzubauen und zu erhalten z.B. weil sie zu jung sind oder weil es gruppenspezifische Hemmnisse gibt. Professionell begleitete Selbsthilfe kann hier eine Brücke sein, war auch die Erfahrung aus der Praxis. Im Rahmen der gesundheitsbezogenen Selbsthilfeförderung ist dies grundsätzlich ausgeschlossen. Lediglich Selbsthilfekontaktstellen können im Hintergrund unterstützen. In der sozialen Selbsthilfe werden zuweilen Rahmenbedingungen genutzt, um Selbsthilfe zumindest professionell anzustoßen z.B. Beratungsstellen. Eine kontinuierliche Begleitung ist kaum möglich. Diese würde aber vermutlich verschiedene Zielgruppen motivieren, in der Gemeinschaft Selbststärkungskräfte zu aktivieren. Gerade größere Träger der Wohlfahrtspflege könnten sich für solche Modelle engagieren, dies war ein Wunsch beim Austausch der Mitgliedsorganisationen im August.

Seminar: Aufbau einer Selbsthilfegruppe

Die Selbsthilfeakademie Sachsen bietet Veranstaltungen zur Weiterbildung für Engagierte in der Selbsthilfe und stellte sich im Rahmen des Austauschs vor. Deren Schwerpunkt liegt aktuell ausschließlich im Bereich gesundheitsbezogener Selbsthilfe. Es besteht der Gedanke, perspektivisch um Angebote für die soziale Selbsthilfe zu erweitern. Im Austausch wurde der Wunsch geäußert, auch Anleitungen zum Aufbau einer Selbsthilfegruppe als Seminar anzubieten.

Die Gründungsbegleitung ist eine wesentliche Aufgabe der Selbsthilfekontaktstellen vor Ort und daher aktuell nicht im Programm der Selbsthilfeakademie Sachsen.

Einen ersten Überblick findet man aber z.B. auf den Seiten von https://selbsthilfe-unterstuetzen.de.

Kontakt

Nicole Börner
Referentin Selbsthilfe

Telefon: 0351 - 828 71 152
E-Mail: nicole.boerner (at) parisax.de