Umsetzungsstand PAKT und Maßnahmenplan zur Gewinnung internationaler Arbeits- und Fachkräfte

Im April 2023 unterzeichneten die Sächsische Staatsregierung, die Vertreter*innen der Fachkräfteallianz Sachsen und weitere Partner*innen den Pakt zur Gewinnung internationaler Fachkräfte für Sachsen. Nach gut einem Jahr erfolgte eine Auswertung.

08.10.2024

Im April 2023 unterzeichneten die Sächsische Staatsregierung, die Vertreter*innen der Fachkräfteallianz Sachsen und weitere Partner*innen den Pakt zur Gewinnung internationaler Fachkräfte für Sachsen. Nach gut einem Jahr erfolgte eine Auswertung.

Die 26 Paktunterzeichnenden, zu denen auch die Liga der Wohlfahrtsverbände in Sachsen gehört, wurden vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit (SMWA) gebeten, nach einem Jahr eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Die Rückmeldung der Liga lesen Sie in der Fachinformation „Pakt zur Gewinnung internationaler Fachkräfte für Sachsen - Bilanzierung nach einem Jahr

Die Arbeit des Steuerungskreis Zuwanderung wird grundsätzlich positiv bewertet

Die Vernetzung der beteiligten Partner und das zusammengeführte gemeinsame Vorgehen verbunden mit der Arbeit des Steuerungskreis Zuwanderung wird mehrheitlich als positiv bewertet.

Dennoch sind die Unternehmen nach wie vor sehr zurückhaltend. Als Ursachen werden unter anderem benannt:

  • schwierig zu durchschauenden rechtlichen Regelungen
  • zu hohen bürokratischen Aufwänden und langen Verfahrensdauern
  • schlechte Konjunktur und damit Freisetzung und Verfügbarkeit inländischer Arbeitskräfte
  • fehlende Ressourcen

Einzelne Partner kritisieren zudem:

  • dass der Fokus zu stark nur auf dem Maßnahmenplan des Kabinettes liege
  • die Rolle des ZEFAS unklar sei
  • Digitalisierung der Verfahren fehle
  • Auslandsaktivitäten nicht abgestimmt bzw. wenig strukturiert seien

Herausforderungen und Stolpersteine sind benannt

  • gesellschaftliche Stimmung als größtes Hemmnis für eine dauerhafte Integration
  • Zurückhaltung der sächsischen Unternehmen
  • Sprachbarrieren, u. a. entspricht bescheinigtes Niveau oft nicht den tatsächlichen Fähigkeiten; Englisch als Brücke in der Kommunikation ist in den meisten KMU schwierig; Angebot an Sprachkursen nicht ausreichend transparent und unzureichend im ländlichen Raum
  • komplexe Rechtsmaterie/ bürokratische Hürden verbunden mit langen Verfahren
  • behördliche Überlastungen, insbesondere permanente Überlastung der Ausländerbehörden sowie mangelnde Ressourcen für Pflichtaufgaben (z. B. Geflüchtete)
  • strukturelle Gegebenheiten
    • lückenhafte Unterstützungsstrukturen aber teilweise auch Parallelstrukturen
    • für Bewerber bzw. Interessierte aus dem Ausland gibt es bisher keinen festen Ansprechpartner in der Region bzw. zentral für Sachsen
    • Fördermittelabhängigkeit von bewährten Strukturen
    • fehlende Planbarkeit/ Nachhaltigkeit
  • Menge an Beteiligten und Netzwerken führt zu Unübersichtlichkeit der „Integrationslandschaft“, letztlich zur Ineffizienz: Hin- und Herschieben von Verantwortlichkeiten; bürokratischen Hemmnisse (jede Behörde hat eigene Regularien und Verfahrensabläufe)
  • Örtliche Rahmenbedingungen
    • insbesondere in den Städten Leipzig und Dresden kaum bezahlbarer Wohnraum zu finden
    • erhöhter Bedarf an Kita-Plätzen
  • Digitalisierungsvorhaben gestalten sich sehr schwierig

Lösungsansätze des Paritätischen Sachsen

Dem Paritätischen Landesverband ist es wichtig, sich auch zukünftig mit konstruktiven Ideen und konkreten Vorschlägen in die weitere Diskussion einzubringen.

Er orientiert sich dabei nach wie vor an den hier zusammengefassten Aspekten: parisax.de: Notwendige Rahmenbedingungen für die gelingende berufliche Integration ausländischer Arbeits- und Fachkräfte aus Sicht des Paritätischen.

Anknüpfend an die oben benannten „Stolpersteine“ gibt es aus Sicht des Landesverbandes folgende Vorschläge, wie man einigen der beschriebenen Herausforderungen lösungsorientiert begegnen kann:

1.     Parallelstrukturen bei „Informationsdiensten“ reduzieren – Bestehendes optimieren

Es gibt ein zentrales Informationsportal, das deutschlandweit genutzt werden kann: Anerkennungsportal (anerkennung-in-deutschland.de). Dieses Portal sollte weiterentwickelt und stärker in die Öffentlichkeit getragen werden. Dabei ist zu prüfen, inwieweit spezifisch sächsische Aspekte dort adäquat abgebildet werden und aktuell sind.

2.    Sprachbarrieren

Sprache ist der Schlüssel für gegenseitiges Verständnis, Mitbestimmung und Beziehungsgestaltung. Der gelingende Spracherwerb ist abhängig von einer Reihe von Faktoren, wie persönlicher Motivation und Lernerfahrungen aber auch Angebot und Qualität der Sprachkurse. Vor allem in ländlichen Räumen braucht es tragfähigere Anbieterstrukturen sowie Kurse, die den Lern- und Lebensbedarfen der Klient*innen gerecht werden.

3.    Analyse und Überblick über Beratungsstrukturen in Sachsen

Folgende Fragen sollten einer Analyse zugrunde liegen:

Was gibt es an Beratungsstrukturen? Welche Beratungsangebote in den Regelstrukturen gibt es und funktionieren diese? Welche zusätzlichen, die Regelstrukturen ergänzende Angebote braucht es Was kann verbessert werden? Gibt es Doppelstrukturen bzw. klare Abgrenzungen? Sind die Angebote an tatsächlichen Bedarfen orientiert. Gibt es eine auskömmliche  Wie kann flächendeckend für alle Zielgruppen eine bedarfsgerechte Beratung sichergestellt werden?

4.    Unterstützung der Ausländerbehörden durch Kooperationsprojekte

Ein Beispiel einer Kooperation zwischen einer Paritätischen Mitgliedsorganisation und einer Ausländerbehörde findet sich hier: Perspektive Bleiberecht Dresden | Der Sächsische Ausländerbeauftragte (sachsen.de)

5.    Lückenlose Unterstützungsstruktur durch Weiterentwicklung des Sächsischen Integrations- und Teilhabegesetz (SITG)

Integration muss eine Pflichtaufgabe sein - egal wo man ist, müssen gleiche Voraussetzungen bestehen. Integration darf nicht von politischer Stimmung oder dem Wohnort abhängig gemacht werden. Für gleichwertige Lebensverhältnisse und Chancengleichheit sind klar definierte, vergleichbare Standards und die entsprechende Finanzierungsverantwortung zwischen Land und Kommune gesetzlich zu regeln.

Das SITG muss mit Blick auf verpflichtende Leistungen der Kommunen weiterentwickelt werden.

Siehe dazu auch den Vorschlag des Paritätischen Sachsen: parisax.de: Integrationsgesetz: Verlässliche Integrationsangebote in allen Regionen sicherstellen

Hinweis auf ausgewählte Entwicklungen bzw. konkrete Unterstützungsmöglichkeiten im Rahmen des Paktes:  

Kontakt:

Kristin Höfler (Referentin Arbeit & Beschäftigung)
Tel.: 0351 - 828 71 141
E-Mail: kristin.hoefler (at) parisax.de

Hendrik Kreuzberg (Referent Migration)
Tel.: 0351 - 828 71 145
E-Mail: hendrik.kreuzberg (at) parisax.de